Solarbranche sieht Technologiestandort Deutschland in Gefahr

Mit einem bundesweiten Aktionstag hat die Solarbranche auf die ihrer Meinung nach akute Bedrohung der deutschen Solarwirtschaft durch die angestrebte, außerplanmäßige Kürzung der Einspeisevergütung für photovoltaischen Strom reagiert.

Mit einer symbolischen Werksschließung haben Mitarbeiter der Sulfurcell Solartechnik GmbH in Berlin auf die EEG-Kürzungspläne von Bundesumweltminister Norbert Röttgen reagiert. Im Rahmen des deutschlandweiten Aktionstages »Solar – Made in Germany« versammelten sich die Sulfurcell-Mitarbeiter um einen symbolischen Scherbenhaufen aus Solarmodulen.

»Wir hoffen, dass das ein schlechter Traum bleibt und wir am Ende nicht die Scherben eines kurzfristigen Schwenks der deutschen Energiepolitik zusammenkehren müssen«, bringt Dr. Nikolaus Meyer, Geschäftsführer und Gründer der Sulfurcell Solartechnik, die Befürchtungen seiner Mitarbeiter auf den Punkt. »Hochinnovative deutsche Solarunternehmen wie Sulfurcell arbeiten ständig an der Weiterentwicklung neuer Technologien und benötigen dazu langfristig Planungssicherheit und einen stabilen Markt«, kritisiert er Röttgens EEG-Kürzungspläne, »dazu darf die Solarförderung nicht sprunghaft reduziert werden, sondern sollte in verkraftbaren Jahresschritten zurückgeführt werden«.

Auch im Schott-Solar-Standort Alzenau protestierten im Rahmen des Aktionstages etwa 300 Mitarbeiter gegen die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze durch einen neuen Gesetzesentwurf. »Wir haben bereits mit 2009 ein schwieriges Jahr hinter uns. Mit der geplanten zusätzlichen Absenkung würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wir beschäftigen in Deutschland allein 1200 Mitarbeiter. Deren Arbeitsplätze sehen wir nun gefährdet«, warnt Dr. Martin Heming, CEO von Schott Solar.

»Bereits zum Jahresbeginn wurde die Solarvergütung um 9 bis 11 Prozent reduziert. Die geplanten zusätzlichen Absenkungen um bis zu 44 Prozentpunkten bis zum 1. Januar 2011 gefährden sowohl unsere Investitionen als auch unsere Arbeitsplätze«, stellte Klaus Bernhard Hofmann fest, Sprecher des Schott-Konzerns und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Unterstützt wurde der Aktionstag der deutschen Solarunternehmen auch vom Photovoltaik-Wechselrichterhersteller SMA Solar Technology.

»Die deutsche Zell- und Modulindustrie befindet sich in einem harten internationalen Wettbewerb und hier insbesondere mit den chinesischen Anbietern. Dabei handelt es sich aber um einen ungleichen Wettbewerb, denn die chinesische Modulindustrie profitiert im eigenen Land unter anderem von niedrigen Löhnen, Steuervergünstigungen und besonders von einer künstlich niedrig gehaltenen Währung«, erläutert Günther Cramer, Vorstandssprecher der SMA und gleichzeitig Präsident des BSW. »Diese Wettbewerbsvorteile sind schon heute für die deutsche Zell- und Modulindustrie kaum zu kompensieren. Sollten die zusätzlichen Kürzungspläne des BMU Gesetz werden, würden daher in erster Linie asiatische Hersteller Marktanteile zu Lasten deutscher Hersteller hinzugewinnen, die mit diesen Absenkungen dann nicht mehr mithalten könnten. Das kann nicht das Interesse der Bundesregierung sein, denn Wertschöpfung bei der Modulproduktion muss auch weiterhin in Deutschland stattfinden können«, fordert Cramer.

Am Aktionstag »Solar – Made in Germany« beteiligten sich ca. 35 Unternehmen der deutschen Solar-Branche und folgten damit einem Protestaufruf des BSW-Solar.