Siemens Industrial Power Supplies: »Wir erwarten 2010 ein einstelliges Wachstum«

Etwa 15 Jahre nachdem Siemens mit der Markteinführung der Sitop-Geräte den Markt für geregelte Hutschienen-Netzgeräte definierte, wurde nun das zehnmillionste Gerät ausgeliefert. Gunther Klima, General Manager Industrial Power Supplies im Interview.

Markt&Technik: Herr Klima, Siemens hat 1994 mit der Vorstellung der Sitop-Hutschienen- Netzgeräte einen neuen Markt für geregelte Laststromversorgungen kreiert. Worin bestand der Unterschied zu den bisherigen Lösungen und wo lag der Vorteil für den Anwender?

Gunther Klima,General Manager Industrial Power Supplies bei Siemens Industry Automation Division: Wir haben damals den Kunden erstmals geregelte Hutschienen-Netzgeräte zum Preis ungeregelter Laststromversorgungen geliefert. Ein Treiber für diese Entwicklung war die Forderung des Maschinenbaus nach kompakteren Lösungen mit einer höheren Genauigkeit der Ausgangsspannungen. Die kompaktere Bauform und das geringere Gewicht erlaubten es, die Geräte durch einen Servicetechniker zu montieren, bei ungeregelten Lösungen höherer Leistung war das aufgrund des Gewichts in der Regel ein Fall für zwei Servicetechniker. Neben Größe und Gewicht spielte damals bereits das Thema Energieeffizienz und Wirkungsgrad durch die anfallenden Energieverluste im Schaltschrank eine wichtige Rolle. Mit Wirkungsgraden von 85 bis 88 Prozent lagen wir seinerzeit deutlich über den Werten ungeregelter Laststromversorgungen.

In der Automatisierung sind geregelte Hutschienen-Netzgeräte heute Standard. In welcher Form haben sich die technischen Leistungsfeatures seither verändert und was hatte Bestand?

Die ersten einphasigen Geräte wiesen eine Staffelung der Ausgangsspannungen von 2, 5, 10, 20und 40 A auf. Diese Stufung war prägend für den Markt und hat heute noch Bestand. Geändert haben sich dagegen die technischen Parameter bezogen auf Gewicht, Volumen, Eingangsspannungsbereiche und Wirkungsgrade. Geräte mit 40 A Ausgangsstrom wiegen heute nur noch die Hälfte der Sitop 24 V/40 A des Jahres 1994. Unsere Entwickler kommen heute zudem mit einem Drittel des Einbauvolumens bei gleicher Leistung aus. Die Eingangsspannungsbereiche haben sich gegenüber 1994 mehr als verdoppelt und der Wirkungsgrad der Geräte bewegt sich heute deutlich über 90 Prozent.

Welches Umsatzvolumen hat der Hutschienen-Netzgerätemarkt heute? Wie sieht die regionale Verteilung des Weltmarktes aus und wie hat sich der Wattpreis der Geräte seit 1994 entwickelt?

 Nach unserer Einschätzung wies der Markt für geregelte Hutschienen- Netzgeräte im Vorjahr ein Gesamtumsatzvolumen von über 500 Mio. Euro auf. Fast die Hälfte dieses Umsatzvolumens entfällt auf die EMEA-Region, die restlichen 50 Prozent verteilen sich zu etwa gleichen Teilen auf den amerikanischen Kontinent und Asien. Während in Europa der Applikationsschwerpunkt im Maschinenund Anlagenbau liegt, halten sich in den USA Infrastruktur und Anlagenbau in etwa die Waage. Auf dem asiatischen Wachstumsmarkt dominierten bislang die Infrastrukturanwendungen, jetzt liegt aber der Maschinenbau mindestens gleichauf. Was nun den Wattpreis der Geräte betrifft, lag er bei uns 1994 bei einem 1000-W-Gerät bei etwa 55 Pfennig. Heute haben wir einen Wattpreis von etwa 25 Cent, allerdings mit ganz anderen Leistungsdaten und Bauvolumen.

Welchen Anteil hat das interne Siemensgeschäft für ihren Erfolg? Ursprünglich wurden die Geräte in Wien entwickelt und gefertigt. Gilt das auch heute noch, oder haben Sie angesichts der Globalisierung diese Aufgaben internationalisiert?

Gut die Hälfte unseres Umsatzes machen wir in Verbindung mit dem Simatic-Geschäft bei Siemens. Unser Unternehmen ist mit Totally Integrated Automation ein umfassender Systemanbieter für die Automatisierung in der Fertigungs- und Prozessautomatisierung. Zwar haben auch andere große Automatisierungsanbieter häufig eigene Stromversorgungen in ihrem Portfolio, manche davon setzen aber Brandlabel-Produkte ein. Der größte Teil der im Bereich Sitop tätigen Siemensmitarbeiter ist nach wie vor in Wien beschäftigt. Dort findet neben der Entwicklung der Geräte nach wie vor der Bau von Kleinserien und Sonderlinien statt. Im rumänischen Sibiu laufen die Standard Großserien vom Band. Der Standort Sibiu bietet uns Kostenvorteile, die eine Verlagerung der Produktion nach Asien nicht notwendig machen.