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Marktrecherche Stromversorgungen in Deutschland

Kein Wunderjahr, aber auch kein Grund zur Panik

09. Oktober 2019, 11:53 Uhr   |  Engelbert Hopf

Kein Wunderjahr, aber auch kein Grund zur Panik
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Besser als von vielen erwartet hat sich der deutsche Stromversorgungsmarkt in diesem Jahr bislang entwickelt. Seit dem Sommer macht sich jedoch die Schwäche der deutschen Automobilindustrie und die rückläufigen Investitionen in ihrem Umfeld bemerkbar. Entspannt hat sich die Situation beim Thema Lieferzeiten. Für 2020 überwiegt in der Branche der Optimismus.

Von der von manchen schon fast heraufbeschworenen Rezession sehen wir bislang im Stromversorgungsgeschäft noch nichts«, stellt Andreas Hanausek, Produktmanager und FAE für Stromversorgungen bei Codico, nüchtern fest. »Allerdings ist es richtig, dass im Sommer die POS-Zahlen etwas schlechter ausgefallen sind.« Ganz ähnlich sieht das Gustav Erl, Geschäftsführer TDK-Lambda Deutschland: »Die erste Jahreshälfte 2019 haben wir positiver wahrgenommen, als viele vorausgesagt haben. Ab Mitte des Jahres erkennen wir aber auch, dass der Abschwung der Automobilindustrie mittlerweile auch in deren Investitionsbereich Auswirkungen zeigt.«

»Wir hatten für 2019 mutig ein Plus von 15 Prozent geplant«, berichtet Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpo­tron Schaltnetzteile. »Mit einem Sichthorizont bis Ende November liegen wir nun bei einem Plus von 13 Prozent.« Bis auf die Automotive-fokussierten Industrieunternehmen zeigen die von inpotron besetzten Fokusmärkte nach Darstellung von Püthe »allesamt eine positive Entwicklung. Sogar die lange Zeit stark unter Druck befindlichen Märkte der Kommunikations- und Medientechnik erleben dank 5G eine beachtliche Renaissance«.

»Das 3. Quartal läuft für uns noch recht gut«, stellt auch Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei der Block Transformatoren-Elektronik, fest. »Einzelne Monatsumsätze bewegen sich sogar über dem Vorjahresniveau. Insgesamt können wir sogar sagen, dass das bisherige Jahr 2019 überdurchschnittlich gut verlaufen ist.« Heinemann betont aber auch, »dass es absehbar ist, dass die Lage in den nächsten Monaten schwieriger wird«. Unabhängig davon wird Block das laufende Geschäftsjahr im Stromversorgungsbereich nach seinen Angaben mit einem Wachstum von über 10 Prozent abschließen.

»Wir haben im deutschen Markt nach den Sommerferien einen leichten Anstieg der Nachfrage verzeichnen können«, sagt Florian Haas, Direktor Marketing & Produktmanagement bei Traco Power. »Deutliche Indikatoren für eine Rezession stellen wir derzeit nicht fest, dafür aber eine Zurückhaltung in der Automobilbranche.« Deutlich mehr Projekte gibt es dafür nach seiner Darstellung derzeit am Markt in den Bereichen Elektromobilität, Transport und Medizintechnik.

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»Deutschlands Industrie ist nach wie vor geprägt durch die Automobilbranche«, stellt Frank Cubasch, Geschäftsführer der Magic Pow­er, fest. »Dieser und anderen exportorientierten Sektoren geht zur Zeit etwas die Luft aus.« Im Auftragseingang, so Cubasch, sei deshalb derzeit eine gewisse Zurückhaltung festzustellen; »der Medizinsektor hingegen ist davon zum Beispiel völlig losgelöst«. Cubasch weist aber auch darauf hin, »dass die Bedarfe recht kurzfristig wieder ansteigen können, wenn die Läger in der Lieferkette aufgebraucht sind und die Bedarfe am Markt wieder hochgehen«.

»Nach unserem Eindruck fällt das Sommerloch in diesem Jahr länger aus als gewöhnlich«, stellt Thomas Widdel, Director Site Bremen bei Cosel/Powerbox fest. »Aus diesem Grund haben wir einen verhaltenen Auftragseingang erlebt, wir merken aber, dass das Geschäft jetzt wieder anzieht.« Auch Widdel ist sich deshalb sicher, »dass wir beileibe keine Rezession auf uns zukommen sehen, verhalten ist die Tendenz nur bei Kunden, die überwiegend im Investitionsgüterbereich tätig sind; die Bereiche Bahn und Medizintechnik bestellen dagegen weiter unverändert«.

»Wir hatten im Juli die interessante Situation, dass wir den höchsten Monatsumsatz der letzten neun Jahre und gleichzeitig den geringsten Auftragseingang der letzten neun Jahre zu verzeichnen hatten«, berichtet Ralph Bischoff, Director von EOS Power. »In meinen Augen kam hier eine zu erwartende Abkühlung und das übliche Sommerloch zusammen.« Mittlerweile hat sich die Auftragslage bei EOS wieder erholt, aber nicht auf dem Niveau des Vorjahres.

»Ein Upswing ist derzeit nicht in Sicht«, stellt Karsten Bier, CEO von Recom Power fest. »Erfreulich läuft es bei diversen Anbietern von Power-Chargern, ansonsten erwarten wir für den Rest dieses Jahres eine stabile Geschäftsentwicklung auf niedrigem Niveau.« Die Nachfrage wird nach Ansicht von Bier schwach bleiben. Da Trump wiedergewählt werden will, geht Bier davon aus, dass er 2020 noch für einige Überraschungen gut sein wird, »die jedoch alle im Sinn der US-Bürger sein werden und den Handelsstreit wahrscheinlich weiter forcieren dürften«. Mit einer Entspannung der Marktsituation ist deshalb nach seiner Einschätzung frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu rechnen.

Auf das späte Ende der Sommerferien in Süddeutschland schiebt Heiko Kirbach, Managing Director HGPower, mitunter die Zurückhaltung bei Anfragen und der Beauftragung für Neuprojekte. »Aufgrund der starken Auftragslage stellt das für uns aber in den nächsten Monaten und bis in das Jahr 2020 hinein kein Problem dar«, versichert er. »Besonders aus den Bereichen Sicherheits- und IT-Technik sehen wir nach wie vor eine starke Nachfrage.«

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1. Kein Wunderjahr, aber auch kein Grund zur Panik
2. Anwenderbranche der Elektromobilität
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4. Branchenbarometer der Stromversorgungsbranche 2019/20

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