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Bicker Elektronik

»In Zukunft betonen wir das „Made in Germany“ stärker«

24. März 2020, 09:05 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

..."kein Freibrief für Lieferantenmisshandlung"

Welche Umsatzbedeutung haben für die Bicker Elektronik die verschiedenen Marktsegmente? Eröffnen sich für Sie neue Anwendungsbereiche?

Etwa 60 bis 70 Prozent unseres Umsatzes entfällt auf Industrieapplikationen. 20 bis 25 Prozent steuert der Bereich Medizintechnik bei. Ein aktuell immer mehr an Bedeutung gewinnendes Anwendungssegment ist der Bereich Sicherheit und Gebäudeautomatisierung. In die Sättigung kommen wir dagegen allmählich im Bereich der Industriecomputer-Anwendungen. Medizin hat bereits in den 1990er-Jahren begonnen, für uns eine größere Bedeutung zu spielen. Schon damals waren die Zulassungen eines der großen Themen in diesem Bereich. Uns bot die Medizintechnik die Möglichkeit, spezielle Lösungen einzudesignen.

In welchem Leistungsbereich liegt der Schwerpunkt Ihrer Stromversorgungsaktivitäten? Gibt es auch im Standardgerätebereich Segmente, die Sie in Zukunft noch ausbauen wollen?

Wenn wir den kundenspezifischen Bereich betrachten, dann ist das ganz klar das Spektrum von 60 bis 500 W. Im Bereich der Standardprodukte geht der Leistungsbereich hoch bis 24 kW. Dabei handelt es sich um eine Stromversorgungslösung von Artesyn. Ihr Einsatzbereich ist interessant. Wir haben Kunden, die diese Geräte in Galvanisierungsanwendungen benötigen, und andere, die sie für Bitcoin-Mining-Applikationen einsetzen.

Sie haben Ihr Unternehmen 1994 gegründet. Welche Bedeutung hat für Sie heute noch der nationale Umsatz in Deutschland, und welche Rolle spielen die internationalen Exportmärkte?

Wir erzielen auch heute noch 70 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland. 30 Prozent gehen in den Export. Hier geht es vor allem in den Export in Staaten der EU und in die USA. Wobei die Europäische Union als Absatzmarkt für uns eine wesentlich größere Bedeutung hat als die USA.

Sie operieren bisher ausschließlich von Ihrem Unternehmenssitz in Donauwörth aus. Planen Sie für die Zukunft die Gründung von Niederlassungen im Ausland?

Ich bin vor Kurzem von einer Vertriebs-Tour in den USA zurückgekommen. Dabei ist klar geworden: Wir wecken dort mit unseren Produkten, auch und gerade mit unseren eigenentwickelten Produkten, wachsendes Interesse, aber für einen wirklich landesweiten Erfolg ist auch dort die kulturelle Nähe mit einer eigenen Niederlassung entscheidend. Dann könnten wir diesen Markt richtig bespielen. Mit unserer Umsatzgröße von rund 10 Millionen Euro im letzten Jahr sind wir dafür aber nach meiner persönlichen Einschätzung noch zu klein. Aus diesem Grund werden wir uns auch in Zukunft eher auf Europa als Wachstumsmarkt für uns konzentrieren als auf Asien oder Amerika. Speziell die EU bietet uns dabei nicht nur ein hervorragendes Logistiknetz, sondern auch rechtliche Sicherheit. Für einen Mittelständler ein ganz entscheidender Vorteil!

Mittelstand bedeutet auch Geschäfte auf Augenhöhe. Präferieren Sie aus diesem Grund mittelständische Geschäftspartner?

Ich erwarte vonseiten unserer Kunden ein seriöses Geschäftsgebaren. Wir arbeiten mit mittelständischen Kunden und Hidden Champions genauso gut zusammen wie mit den ganz Großen der Branche. Für mich ist nur ganz klar: Ein großer Name ist kein Freibrief für Lieferantenmisshandlung. Ich lehne beispielsweise Verträge, die mit zum Teil horrenden Konventionalstrafen drohen, kategorisch ab. Wir arbeiten mit unseren Kunden sehr vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammen, das ist mir wichtig. Und wenn es beim Kunden mal klemmt, legen wir uns auch richtig ins Zeug.

Sie haben sich schon sehr früh für den Schritt in die Selbstständigkeit entschieden. Wenn Sie die Zeit von 1994 mit heute vergleichen, was hat sich, auch in puncto Wettbewerbsumfeld, verändert?

Auf jeden Fall ist der direkte Wettbewerb größer geworden. Anders als noch vor 25 Jahren haben die klassischen Distributoren ihr Produkt- und Dienstleistungsspektrum inzwischen auch in den Stromversorgungsbereich ausgeweitet. Heute reklamieren auch deutlich mehr Distributoren und Hersteller von Standardgeräten kundenspezifische Kompetenzen für sich, als das zu den Anfangszeiten der Bicker Elektronik der Fall war. Unsere Antwort darauf ist unter anderem die Einrichtung eines Online-Shops, den wir seit dem 1. März betreiben. Diese Entscheidung bietet uns die Möglichkeit, uns noch mehr auf beratungsintensive kundenspezifische Lösungen zu konzentrieren. Dem Kunden wiederum bietet es die Möglichkeit, seine Standardprodukte rund um die Uhr und auch am Wochenende zu bestellen. Unsere ersten Erfahrungen zeigen, dass viele Bestellungen über den Online-Shop am Abend und auch am Wochenende erfolgen.

Sie haben mit Airbus Helicopters einen Großkonzern vor Ort in Donauwörth, mit dem Sie um qualifizierte Mitarbeiter konkurrieren. Wie sehen Sie ihre Chancen in diesem Wettbewerb?

In Donauwörth liegt die Arbeitslosenquote bei 1,9 Prozent, es herrscht also praktisch Vollbeschäftigung. Wir beschäftigen heute rund 40 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon ist im Bereich Vertrieb und Entwicklung tätig. Ich habe Schulkameraden und Bekannte, die sich für den Konzern entschieden haben. Konzerne operieren Profitcenter-orientiert, das Betriebsklima ist geschäftsmäßig kühl. Unser Gegenangebot lautet: Nestwärme und soziales Miteinander. Wenn wir betriebsinterne Aktivitäten wie zum Beispiel die jährliche Weihnachtsfeier anbieten, dann richtet die sich auch an den Partner, die Partnerin des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin. Die Aktivitäten reichen vom Betriebsausflug, Biergartenbesuch über Fahrsicherheitstraining bis zu anderen Aktivitäten, die nicht ausschließlich im direkten Zusammenhang mit den beruflichen Aktivitäten und Anforderungen im Unternehmen stehen.

Sie haben bislang fast die Hälfte Ihres Lebens dem Aufbau und der Entwicklung Ihres Unternehmens gewidmet. Wird es in Zukunft eine Bicker Elektronik ohne Markus Bicker geben?

Ich habe das Glück, dass sich mein Sohn dafür entschieden hat, im Unternehmen mitzuarbeiten. Aktuell ist er im Vertrieb tätig. Vor diesem Hintergrund wird es in einem Rahmen von etwa zehn Jahren definitiv einen Übergang der unternehmerischen Verantwortung geben. Das ist so geplant und besprochen. In meinen Augen erhöht eine solche klar geregelte Nachfolgeregelung mittel- und langfristig auch die Arbeitsplatzsicherheit für unsere Mitarbeiter.

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