Schwerpunkte

ifo-Prognose zur Elektronikbranche

»Es ist vor allem eine Vertrauenskrise«

11. September 2020, 09:10 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

..."viel Spekulation im Markt"

Nach Einschätzung von Uwe Frischknecht, Managing Director Sales EMEA bei Recom, wird sich der Bedarf ab 2021 wieder »in etwa auf dem Niveau eines normalen Jahres wie 2017 einpendeln«. Im Bereich Maschinenbau wird die Erholung nach seiner Einschätzung wohl bis ins zweite Quartal 2021 dauern. »Wir werden auch in diesem Jahr leicht wachsen, weil wir unser Business innerhalb der Branchen verlagert haben, mehr in Richtung Medizintechnik, Netzwerk, Gebäudeautomatisierung und Elektromobilisierung.«

Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei Block Transformatoren-Elektronik, sieht hingegen eher »eine längere Durststrecke auf uns zukommen«. Wenn Normalisierung Geschäftszahlen wie 2019 bedeute, rechnet er realistischerweise eher mit Ende 2022 oder sogar Anfang 2023. Positive Impulse erwartet er in den nächsten Wochen und Monaten durch die Rückkehr vieler Entscheider aus den Homeoffices in die Unternehmen. »Dann haben wir auch wieder die Möglichkeit, diese Firmen mit unserem Außendienst zu besuchen.«

Trotz Covid-19-Pandemie bewegt sich inpotron Schaltnetzteile nach Auskunft des geschäftsführenden Gesellschafters Hermann Püthe im Umsatz auf Vorjahresniveau. In seinen Augen erzeugt die Corona-Pandemie vor allem im Umfeld der Automobilindustrie eine exponenzielle Evolution: »Die Stärksten und Innovativsten werden gestärkt die Zukunft bestimmen!« Für inpotron bedeutet das nach seiner Einschätzung, »dass ein hohes Maß an Dynamik gefordert sein wird, um mit sehr innovativen Stromversorgungslösungen bestehende Einbauräume mit deutlich höherer Leistungsdichte zu füllen«.

Oliver Walter, Geschäftsführer der Camtec Power Supplies, sieht zwar in der Basis wieder eine Verbesserung der Geschäftslage, »aber vieles funktioniert nicht mehr so reibungslos wie früher«. Viele Unternehmen litten unter der Tatsache, nicht mehr in übergreifenden Teams arbeiten zu können. An Exporte wie vor Covid-19 »ist derzeit nicht im Traum zu denken«. Ohne die Verfügbarkeit von Impfstoffen erwartet er keine wirkliche Normalisierung der Geschäftsentwicklung.

Aus Sicht eines Batterie-Konfektionärs wie Ansmann hängt die Frage nach Normalisierung von den jeweiligen Anwenderbranchen ab. »E-Bikes laufen beispielsweise hervorragend, andere Bereiche zeigen dagegen erst langsam wieder Nachfrage«, so Thilo Hack, Director Industrial Solution. Generell entwickle sich die Nachfrage aus Deutschland derzeit wieder vergleichsweise stabil, die zentrale Frage sei aber: »Wie geht es mit den Shutdowns weiter?«

Als Zulieferer für den Bahnbereich fielen die Auswirkungen von Covid-19 für die Eltec Elektronik bisher relativ gering aus. CEO Peter Albert weist aber auch darauf hin, »dass wir bei der Anbahnung neuer Projekte zum Teil deutliche Verschiebungen oder Verzögerungen registrieren«. Budgetkürzungen würden jedoch im Allgemeinen nicht die Digitalisierungsprojekte betreffen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Unwägbarkeiten rechnet er mit nicht weniger als zwölf Monaten bis zu einer Normalisierung der Geschäftsentwicklung.

»Aktuell ist viel Spekulation im Markt«, stellt Joachim Pfülb, Vertriebsleiter Beck Elektronik, fest. »Wir glauben deshalb nicht an eine Rückkehr auf das 2019er-Ergebnis im Laufe des Jahres 2021.« Seine Skepsis speist sich unter anderem aus der Frage, wie hoch die Zahl der Arbeitslosen sein wird, wenn der Kurzarbeits-Modus ausläuft. Dieser Punkt ist aus seiner Sicht entscheidend für künftige Kaufentscheidungen und das Konsumklima.

Positiver schätzt Annette Landschoof, Produktmanager bei Schukat electronic, die Entwicklung ein. »Wenn mit Normalisierung ein Umsatzwachstum von Plus/Minus Null gemeint ist, sehen wir dies Ende 2021, Anfang 2021 erreicht. Aktuell bewegt sich das Umsatzniveau bei Schukat auf ähnlichem Niveau wie 2019.«

Ähnlich die Einschätzung von Peter Kokot, Director Technical Marketing bei Avnet Abacus: »Wir rechnen frühestens Anfang 2021 mit einer Normalisierung der Geschäftslage.« Bestellt wird nach seiner Einschätzung derzeit nur, »was aktuell benötigt wird«. Auf der Lieferantenseite seien Werke teilweise nur bis zu 70 Prozent ausgelastet. »Das heißt, der Aufschwung ist noch nicht angekommen.«

»Es gibt Segmente wie etwa Electro Tools, Smart Home, Installationstechnik oder alles rund um IT, das boomt, das ist mehr als die Rückkehr zur Normalität«, beschließt Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europa bei Future Electronics, den Reigen der vier Befragten aus dem Distributionsbereich. Ein Blick auf die Einkäufer-Indizes zeige, »dass der Wandel in die positive Richtung bereits vom Juni zum Juli erfolgte«. Quecke sieht inzwischen auch bei Maschinenbau und Automotive wieder eine positive Tendenz. »Interessanterweise geht die Dynamik in Europa mal wieder von Deutschland aus.«

Seite 3 von 3

1. »Es ist vor allem eine Vertrauenskrise«
2. "Lage wird sich weiter verbessern..."
3. ..."viel Spekulation im Markt"

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

ZVEI Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V., Infineon Technologies AG, SEMIKRON International GmbH, Nexperia, MPS GmbH, Toshiba Electronics Europe GmbH, Microchip Technology GmbH, Diodes Zetex GmbH, TDK-LAMBDA Germany GmbH, TDK Electronics Europe GmbH, Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG, Bourns GmbH, YAGEO Europe BV, KEMET Electronics GmbH, ISABELLENHÜTTE Heusler GmbH & Co.KG, SRT Resistor Technology GmbH, TRACO ELECTRONIC GmbH, BLOCK Transformatoren- Elektronik GmbH, inpotron Schaltnetzteile GmbH, ANSMANN AG, ELTEC Elektronik AG, Beck GmbH & Co. Elektronik Bauelemente KG, Schukat electronic Vertriebs GmbH, Avnet Abacus, FUTURE ELECTRONICS Deutschland GmbH, Murata Power Solutions GmbH, RECOM Power GmbH, CAMTEC Systemelektronik GmbH