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ifo-Prognose zur Elektronikbranche

»Es ist vor allem eine Vertrauenskrise«

11. September 2020, 09:10 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Lage wird sich weiter verbessern..."

Bei TDK, einem der Broadliner beim Thema passive Bauelemente, geht Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, davon aus, »dass sich die Lage in den nächsten Monaten weiter verbessern wird, auch wenn die Umsätze noch nicht das Vorkrisenniveau erreichen werden«. Voraussetzung auch für ihn: »dass die Entwicklung der Wirtschaft nicht durch Covid-19 erneut stark eingeschränkt werden muss«. Daneben sei aber auch mitentscheidend, ob in und welchem Maße sich die angespannten Beziehungen zwischen den USA und China weiter entwickeln.

»Bis wir wieder das hohe Niveau von kurz vor der Krise erreichen, wird es eher Ende 2021 werden«, ist sich Alexander Gerfer, CTO der Würth-Elektronik-eiSos-Gruppe, sicher. Er geht aber davon aus, »dass wir ohne Verschärfung der Pandemie bereits Anfang des ersten Quartals 2021 wieder auf einem guten Niveau sein werden«. Erneute Lockdowns wären aus seiner Sicht fatal. Umgekehrt wäre ein Impfstoff nach seiner Einschätzung »vielleicht die Initialzündung für einen Boom«.

»Der Juli und August liefen bei uns erstaunlich gut«, so Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns. »Für die meisten Branchen sehen wir spätestens ab dem zweiten Quartal 2021 wieder deutlich anhaltendes wachsendes Business in Europa.« Nur für den Bereich Automotive rechnet Leicher erst Ende 2021 mit einer Normalisierung: »Die Verschiebung zu EV fällt stärker aus als vor Corona erwartet.«

Bei Yageo geht Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales, eher von einer kürzeren Erholungszeit als sechs, acht Monaten aus: »In Asien ist der Bedarf bereits im dritten Quartal dieses Jahres wieder deutlich gestiegen, und wir sehen auch sowohl bei Booking als auch Billings für Europa eine deutliche Verbesserung im dritten Quartal mit Hinblick auf das vierte Quartal 2020.« Turbanisch weist in dem Zusammenhang darauf hin, »dass sich bei einigen MLCCs schon wieder längere Lieferzeiten und Lieferprobleme aufgrund der starken Nachfrage aus den Bereichen Mobilfunk, Notebook, Tablet und Konsumgüter ergeben«.

Für Europa geht Andreas Hammer, Vice President EMEA Sales bei Kemet, von einer Normalisierung erst im zweiten Halbjahr 2021 oder auch erst im Jahr 2022 aus. »Die DACH-Region ist geprägt von Automotive und Industrie. Während die Industrie neben der Pandemie auch noch mit einer durchwachsenen Nachfrage zu kämpfen hat, beschäftigt den Automotive-Bereich vor allem die Umstellung auf Hybrid und elektrische Antriebe.« In Asien läuft das Geschäft sehr gut, getrieben vor allem von der 5G-Implementierung sowie Cloud- und Work-from-Home-Applikationen.

Sehr optimistisch beurteilt Rüdiger Scheel, Vice President Automotive und Branch Manager bei Murata Europe, die aktuelle Entwicklung: »Wir gehen davon aus, bereits in vier Monaten wieder auf dem Niveau vor der Krise zu sein.« Um das ursprüngliche Planungsniveau für 2020 zu erreichen, wird es aber auch bei Murata noch etwas dauern: »Ich nehme an, dass das dann erst 2022 der Fall sein wird.«

Bei mittelständischen deutschen Spezialisten für passive Bauelemente, wie etwa der Isabellenhütte Heusler, geht man hingegen von einer Normalisierung der Geschäftslage spätestens ab Mitte 2021 aus. Der Grund für diesen Optimismus liegt für Anton Roth, Leiter Vertrieb Bauelemente, »bei der ungebrochenen Durchdringung unserer Bauteile in ADAS-Anwendungen und der weiteren Elektrifizierung des Antriebsstranges«. Zusammen mit der verbesserten wirtschaftlichen Lage, »vor allem in Asien, aber auch Europa, wird dies zu einer weiteren Nachfrageerholung führen«.

Dass das Thema Covid-19 in seiner wirtschaftlichen Auswirkung auch völlig an einem Unternehmen vorbeigehen kann, zeigt das Beispiel SRT Resistor Technology. »Unser Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres 2020 zeigte ein atypisches Verhalten im Vergleich zum Gesamtmarkt«, so Dr. Lutz Baumann, Geschäftsführer der SRT. »Unsre Kunden haben sich frühzeitig mit Bauelementen eingedeckt, um sich gegen Corona-bedingte Ausfälle von Lieferanten abzusichern.« Von einer Normalisierung der Geschäftsentwicklung geht Dr. Baumann in etwa sechs Monaten aus.

Bei den Subsystemherstellern etwa im Bereich Stromversorgung oder Batteriekonfektionierung erscheinen die elf Monate des Ifo-Instituts durchaus realistisch. »Wir gehen von einer Normalisierung der Geschäftslage ab dem zweiten Quartal 2021 aus«, bestätigt denn auch Sebastian Fischer, Geschäftsführer der Traco Electronic. Gut läuft es nach seinen Angaben bereits wieder in Asien, schwierig gestaltet sich dagegen aufgrund des hohen Infektionsgeschehens bislang Nordamerika.

»In unserer optimistischsten Planung gehen wir von einer Normalisierung im Laufe des ersten Halbjahres 2021 aus«, meint Ulrich Schwarz, Sales Director bei TDK-Lambda Deutschland. »Fest steht jedoch auch, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Wirtschaftszweige das Prä-Covid-19-Niveau wieder erreicht haben werden.« Im Vergleich zu anderen Regionen, in die TDK-Lambda liefert, sieht Schwarz Deutschland auf einem sehr guten Weg.

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1. »Es ist vor allem eine Vertrauenskrise«
2. "Lage wird sich weiter verbessern..."
3. ..."viel Spekulation im Markt"

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