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Akasol expandiert

»Wir sind in der Lage, chinesische Wettbewerber zu schlagen«

22. Juli 2021, 14:30 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Lieferengpässe und steigende Rohstoffkosten

Seit Beginn der Corona-Pandemie leidet die Elektronikbranche unter Lieferengpässen für Schlüsselbauelemente und steigende Rohstoffkosten. Wie sehr ist Akasol davon betroffen? 

Auch für uns ist das ein Dauerbrenner, den wir aktuell aber im Griff haben. Unser Vorteil liegt darin, dass unsere Forecasts, die wir von unseren weltweit agierenden Kunden erhalten, im Großen und Ganzen zuverlässig sind. Dadurch sind wir für unsere Lieferanten glaubhaft. Wir haben uns über die Jahre hinweg Glaubwürdigkeit erarbeitet und werden dementsprechend beliefert. Speziell im Zellenbereich haben wir uns über langjährige Lieferverträge mit namhaften Herstellern wirkungsvoll abgesichert.

ven-Schulz von Akasol sagt: Selbst eine globale Krise vom Ausmaß der Corona-Pandemie konnte dem Wandel zur elektrischen Mobilität nichts anhaben. Dieser Trend wir unsere Mobilität auf Jahrzehnte prägen
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Sven-Schulz von Akasol: »Selbst eine globale Krise vom Ausmaß der Corona-Pandemie konnte dem Wandel zur elektrischen Mobilität nichts anhaben. Dieser Trend wir unsere Mobilität auf Jahrzehnte prägen«

Sie bringen derzeit die 3. Generation Ihrer Batterielösungen in die Produktion. Sie soll LKWs mit bis zu 1 MWh Leistung ausstatten. Das würde einer Reichweite von 700 km entsprechen. Welche weitere Steigerung halten Sie zeitnah für möglich?

Wenn ich unsere Entwicklungsfortschritte auf die Zukunft übertrage, bin ich davon überzeugt, dass wir es in drei bis vier Jahren schaffen werden, die Zellchemie und die Zyklenfestigkeit der Batterien so zu verbessern, dass wir bei gleichem Volumen und Gewicht der Batterie die Energiemenge um bis zu 30 Prozent auf 1,3 MWh pro Fahrzeug steigern können. Damit wären dann LKW-Langstreckenfahrten von 900 bis 1000 km mit einer Batterieladung möglich.

Sie setzen in Ihrer jüngsten Batteriegeneration auf Rundzellen. Um welche Art von Rundzellen handelt es sich dabei?

Wir verwenden Lithium-Ionen-Akkus der Baugröße 21700. Wir beziehen diese Zellen von LG und Samsung. Wir verwenden für unsere Batterien überwiegend Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Akkus, kurz NMC, aber auch Lithium-Nickel-Cobalt-Aluminium-Akkus, die als NCA bezeichnet werden, und sich durch eine noch höhere Energiedichte und eine längere Lebensdauer auszeichnen. Es gibt aber auch einige Anwenderthemen, für die wir Lithium-Eisenphosphat-Akkus einsetzen.

Sie hatten Ende letzten Jahres bekannt gegeben, dass Ihr Auftragsbestand bis 2027 reicht, und sich auf rund zwei Milliarden Euro beläuft. Hat sich das durch die Corona-Pandemie verändert?

Nein. Bislang hat uns die Corona-Pandemie nur im ersten Lockdown 2020 betroffen, als unsere Kunden ihre Produktion stilllegten, und wir somit temporär keine Batteriesysteme mehr ausliefern konnten. Aber selbst eine globale Krise vom Ausmaß der Corona-Pandemie konnte letztlich der Dynamik dieses Megatrends, dem Wandel hin zur elektrischen Mobilität, nichts anhaben. Entsprechend liegt unser Auftragsbestand, konservativ betrachtet im angesprochenen Zeitraum weiter bei über zwei Milliarden Euro.

Ihr Umsatz lag 2020 bei 68,3 Millionen Euro. Wie sieht die regionale Verteilung dieses Umsatzes aus?

Wir erzielen aktuell lediglich etwa zehn bis 15 Prozent unseres Jahresumsatzes in Deutschland. Weitere zehn Prozent steuert der US-Markt bei. Die restlichen 75 Prozent entfallen auf Europa. Eines der jüngsten Beispiele für unsere europäischen Tätigkeiten war vor Kurzem die Unterzeichnung eines strategischen Rahmenvertrags mit dem größten türkischen Nutzfahrzeughersteller. Im Rahmen dieses Vertrags liefern wir von 2021 bis 2025 Hochenergie-Batteriesysteme unserer 2. und 3. Generation an diesen Kunden. Das Gesamtvolumen dieses Auftrags bewegt sich im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Was hat sich für Sie seit der Mehrheitsübernahme von BorgWarner verändert? Haben Sie die Übernahme durch einen Global Player angestrebt?

Nein, wir haben uns bis Ende letzten Jahres nicht mit diesem Thema beschäftigt. Wir haben keinen Käufer gesucht. Trotzdem hatten wir dann zum Jahresende 2020 drei konkrete Kauf- und Beteiligungsangebote vorliegen. Wir haben uns für das aus Sicht der Akasol beste Gesamtpaket entschieden, und das bot uns BorgWarner. Ihnen war die Übernahme von Akasol letztlich rund eine Milliarde Dollar wert. Für mich hat sich konkret verändert, dass ich nun keine Anteile mehr an Akasol halte und heute als angestellter Vorstand die weitere Geschäftsentwicklung mit den gewaltigen Mitteln und Möglichkeiten der BorgWarner Unternehmensgruppe vorantreibe. Ich sehe in dieser Veränderung vor allem die Möglichkeit, eine Reihe Geschäftsentwicklungen zeitlich zu beschleunigen. Wir gewinnen Speed und können unsere Marktführerschaft in Europa noch deutlicher ausbauen und gleichzeitig den für uns wichtigen US-Markt noch intensiver erschließen. Dass wir das als Start-up aus Hessen geschafft haben, macht mich stolz, aber es war all die Jahre kein einfacher Weg.

Das Interview führte Engelbert Hopf

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1. »Wir sind in der Lage, chinesische Wettbewerber zu schlagen«
2. Lieferengpässe und steigende Rohstoffkosten

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