Schwerpunkte

Interview mit Ansmann-Vorstands-Duo

»Wir bestimmen unsere Zukunft selbst«

28. Mai 2021, 09:47 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

30 Jahre Ansmann

Kommen wir noch einmal nach Deutschland zurück: Hier hat sich in den letzten zehn Jahren in der Branche der Akku-Spezialisten und Batteriekonfektionierer einiges verändert. Können Sie im War of Talent mit dem Standort Assamstadt punkten?

Hack: Als Technologieunternehmen ist unser Name positiv besetzt. Gleiches gilt für die Werte eines Familienunternehmens. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen der Region sind wir bei Bachelor- und Masterstudenten sehr präsent.

Fürst: Attraktiv macht uns sicher auch die Tatsache, dass wir die Digitalisierung unserer Arbeitsplätze bereits 2918/19 massiv vorangetrieben haben. Ob heute jemand für Ansmann im Büro, im Homeoffice oder in China arbeitet, ist egal. Zuletzt war das Thema Digitalisierung für uns als global aktiver Mittelständler nur noch ein Lizenzierungsthema.

Ansmann feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Ein Wegbegleiter über die Jahre war die BMZ-Gruppe. Einerseits standen Sie im Wettbewerb, Sie haben aber auch punktuell zusammengearbeitet. Wo liegt der grundsätzliche Unterschied zwischen Ihnen?

Fürst: Wir unterscheiden uns in der Unternehmenskultur – wir verfolgen keine Wachstumsstrategie um jeden Preis. Das mag für andere funktionieren, für uns als Familienunternehmen funktioniert das nicht. Wir treten als Systemlieferant auf, wie liefern One-Stop Solutions, das ist der rote Faden unserer Unternehmensentwicklung.

Hack: Auch wenn sich die Geschäftskonzepte der beiden Unternehmen unterscheiden mögen, werden wir sicher in Zukunft unser Know-how und unsere Performance stärker nach außen tragen. Das wird sich sicherlich auch darin niederschlagen, dass wir in Zukunft aktiver als bisher in für uns relevanten Gremien mitarbeiten werden.

Aktuell schütten Bundesregierung und EU ein wahres Füllhorn an Fördermitteln für Batterie- und Akku-Aktivitäten aus. Können Sie davon profitieren?

Fürst: Wir haben ein vierköpfiges Team, das sich ausschließlich mit Prozess- und Produktinnovationen beschäftigt. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit vielen Hochschulen in sogenannten ZIM-Projekten zusammen. Das treibt unsere Innovationsfähigkeit; Fördergelder sind da ein positiver Nebeneffekt.

Sie beziehen Ihre Zellen hauptsächlich von LG Chem. Wird sich daran etwas ändern? Wie stellt sich aktuell die Liefersituation für Sie dar?

Hack: LG Chem bleibt auch in Zukunft unser Fokuspartner! Aber die Versorgungslage hat sich in den letzten Monaten wieder deutlich verschärft. Hier hat sicher auch die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit großer Hersteller wie LG Chem, Samsung oder Sony. Im Prinzip sind wir wieder in derselben Situation wie vor einigen Jahren: Bei einigen Zelltypen sind die Preise im zweistelligen Bereich gestiegen. Vor diesem Hintergrund gehen auch wir dazu über, Zellen chinesischer Hersteller als Alternative zu qualifizieren.

Fürst: Es sind ja nicht nur die Zellen. Wir haben inzwischen zwei Kunststoffhersteller, die sich auf Force Majeure berufen, also auf höhere Gewalt. Oder nehmen Sie das Beispiel Mikrocontroller, die letztes Jahr noch 1,70 Dollar gekostet haben und nun plötzlich bei 27 Dollar liegen. Verfügbarkeit geht aktuell vor Preis. Wenn es konkrete Probleme gibt, muss man aktiv mit den Kunden sprechen.

Ansmann hat sich in den letzten zehn Jahren stark im E-Mobility-Bereich engagiert. Werden Sie dieses Engagement in Zukunft noch weiter ausbauen?

Hack: Wenn wir an Transportsysteme für Innenstädte denken, dann sind die derzeitigen Lastenfahrräder dort sicher erst der Anfang. Wir sind in Kontakt mit einer ganze Reihe von Startups. Ob das dann in Zukunft verstärkt in Richtung „fahrerlose Systeme“ geht, wird sich noch zeigen, aber wir sind überzeugt, dass wir mit unseren Big-Pack-Lösungen genau richtig für diesen Zukunftstrend aufgestellt sind.

Fürst: Parallel dazu arbeiten wir an unserem Einstieg in den Energiespeichermarkt. Wir werden hier ein skalierbares Lithium-Ionen-System anbieten, das Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal 2022 auf den Markt kommen wird. Ausschließen kann ich hingegen, dass wir uns in Zukunft als Batterielieferanten für Automotive Tier-Ones und Tier-Twos betätigen.

Sie sprachen von den Werten eines Familienunternehmens. Wird diese Selbstständigkeit auch in Zukunft erhalten bleiben? Schließen Sie einen Verkauf aus?

Fürst: Wir agieren selbstfinanziert, wir sind von keinen Banken oder Investoren abhängig. Für uns geht Ertrag vor Wachstum. Aus diesem Grund konnten wir es uns auch 2020 leisten, antizyklisch in Bestückungsmaschinen zu investieren! Um es ganz klar zu sagen, Thilo Hack und ich sehen das Unternehmen langfristig als eigenständigen Akteur am Markt.

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