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Umfrage bei Stromversorgungsherstellern

»Das Geschäft zieht wieder an«

07. Oktober 2019, 10:35 Uhr   |  Engelbert Hopf

»Das Geschäft zieht wieder an«
© Markt&Technik

Georg Beretitsch, Phoenix Contact Power Supplies: »Das erste Halbjahr hat sich deutlich über unseren sehr positiven Erwartungen entwickelt. Trotz des inzwischen abgeschwächten Wachstums ist ein Abriss weiterhin nicht erkennbar.«

Anzeichen für eine Rezession? Aus Sicht der deutschen Stromversorgungsbranche deutet darauf aktuell wenig hin.

»Das erste Halbjahr hat sich deutlich über unseren sehr positiven Erwartungen entwickelt«, stellt Georg Beretitsch, Geschäftsführer der Phoenix Contact Power Supplies, fest. »Zwar hat sich das Wachstum abgeschwächt, ein Abriss ist aber weiterhin nicht erkennbar.« – »Von der von manchen fast schon heraufbeschworenen Rezession sehen wir bislang nichts«, versichert auch Andreas Hanausek, Produkt Manager und FAE Stromversorgungen bei Codico. »Wir haben die erste Jahreshälfte 2019 positiver wahrgenommen, als viele vorausgesagt haben«, bestätigt auch Gustav Erl, Geschäftsführer TDK-Lambda Deutschland. »Seit Mitte des Jahres ist aber auch erkennbar, dass der Abschwung in der Automobilindustrie mittlerweile auch in deren Investitionsbereich Auswirkungen zeigt.«

»Wir hatten für 2019 durchaus mutig ein Plus von 15 Prozent geplant«, stellt Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile, fest. »Mit einem Sichthorizont bis Ende November dieses Jahres liegen wir aktuell bei einem Plus von 13 Prozent.« Positiv überraschend für ihn ist die Tatsache, dass die lange Zeit stark unter Druck befindlichen Märkte der Kommunikations- und Medientechnik dank 5G eine beachtliche Renaissance erleben. »Das 3. Quartal ist für uns recht gut angelaufen«, berichtet Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei der Block Transformatoren-Elektronik. »Einzelne Monatsumsätze bewegten sich sogar über dem Vorjahresniveau.«

»Nach den Sommerferien haben wir auf dem deutschen Markt einen leichten Anstieg der Nachfrage verzeichnen können«, bestätigt auch Florian Haas, Direktor Marketing & Produktmanagement bei Traco Power die nach wie vor guten konjunkturellen Rahmenbedingungen auf dem deutschen Stromversorgungsmarkt. Auch er kann bislang »keine deutlichen Indikatoren für eine Rezession feststellen, aber wir registrieren eine gewisse Zurückhaltung in der Automobilbranche«.

»Nach unserem Eindruck fiel das Sommerloch in diesem Jahr etwas länger aus als sonst«, schildert Thomas Widdel, Director Site Bremen bei Cosel/Powerbox, seine aktuelle Sicht auf den deutschen Stromversorgungsmarkt. »Aus diesem Grund haben wir zwischenzeitlich einen verhaltenen Auftragseingang erlebt, wir merken aber, dass das Geschäft inzwischen wieder anzieht.« Auch er ist sich sicher, »dass wir beileibe keine Rezession auf uns zukommen sehen, verhalten ist die Tendenz nur bei Kunden, die überwiegend im Investitionsgüterbereich tätig sind; die Bereiche Bahn- und Medizintechnik bestellen dagegen weiter unverändert«.

»Besonders vielversprechend entwickelt sich für uns derzeit die Anwenderbranche der Elektromobilität«, erläutert Michael Brinkmeier, Head of Marketing bei Friwo. »Mit der eingeleiteten Transformation der Friwo-Gruppe zu einem Systemanbieter wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um im Jahr 2020 bei dann wahrscheinlich stärkerem konjunkturellen Gegenwind auf unseren langfristigen Wachstumspfad zurückzufinden.« – »Ein Upswing ist derzeit nicht in Sicht«, meint Karsten Bier, CEO von Recom Power; »wir erwarten deshalb für den Rest des Jahres eine stabile Geschäftsentwicklung auf niedrigem Niveau«.

Und wie sehen die Distributoren die aktuelle Marktsituation im Bereich Stromversorgungen? »Vor allem bei unseren Kernlinien Mean Well, Recom Power und Self Electronics ist die Nachfrage auch in diesem Jahr ungebrochen gut«, versichert Frank Stocker, FAE Power Supplies bei Schukat electronic. »Bislang entwickelt sich das Jahr 2019 sehr positiv und über dem Niveau des Vorjahres für uns.« Das lässt sich auch mit Zahlen belegen: Um knapp 15 Prozent hat der Bereich Power über alle Stromversorgungsarten bei Schukat hinweg gegenüber dem Vorjahr zugelegt.

Auch Peter Kokot, Director Technical Marketing bei Avnet Abacus, registriert, seit die Sommerferien in allen Bundesländern beendet sind, in der DACH-Region einen Anstieg der Marktnachfrage. Kokot weist aber auch darauf hin, »dass die Angst vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China oder der anstehende Brexit bei vielen Kunden in einem breiten Marktsegment so etwas wie den perfekten Sturm in Bezug auf ihre Investitionspläne ausgelöst hat«. Nach der verlangsamten Marktentwicklung in diesem Jahr gibt sich Kokot für 2020 durchaus hoffnungsvoll.

Auch Klaus Rehm, General Manager Power Supply EMEA bei Arrow Electronics, versichert, »dass es nach wie vor Anwenderbranchen gibt, die sehr gut dastehen, dazu zählen etwa Lighting und Transport«. Dass sich das Wachstum gegenüber dem Vorjahr aber abgeschwächt habe, leugnet er nicht. Mehr über die aktuelle Lage auf dem deutschen Stromversorgungsmarkt erfahren Sie im Special Stromversorgung ab Seite 29.

Hanausek_Andreas
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Andreas Hanausek, Codico: »Die fast schon herbeigeredete Rezession sehen wir bei Stromversorgungsmodulen nicht. Der Auftragseingang ist stabil, im Sommer fielen nur die POS-Zahlen etwas schwächer aus.«

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