Lichtverschmutzung Wer kann die Milchstraße noch sehen?

Die Lichtverschmutzung in Europa.
Die Lichtverschmutzung in Europa.

Die Nächte werden immer heller – der künstlichen Beleuchtung sei Dank! Für Lebewesen inklusive den Menschen ist das durchaus problematisch. Und durch die Umrüstung auf LED-Außenbeleuchtungen wird das Problem noch größer…

Mehr als ein Drittel der Menschen kann die Milchstraße infolge der zunehmenden Lichtverschmutzung schon heute nicht mehr sehen. Dies geht aus dem soeben erschienenen „New World Atlas of Artificial Night Sky Brightness“ hervor.
Der neue Atlas der Lichtverschmutzung dokumentiert wie massiv künstliche Beleuchtung den Nachthimmel weltweit erhellt. Dass die Dunkelheit immer mehr schwindet, beeinflusst nicht nur Astronomen, deren Beobachtungen dadurch erschwert werden, sondern auch die Ökosysteme.

Die Helligkeit in der Nacht kann beispielsweise zur Folge haben, dass Vogelwanderungen in der falschen Jahreszeit stattfinden oder den Lebensraum nachtaktiver Tiere verringern. Die möglichen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus werden zum Teil kontrovers diskutiert.

Die Bilder und Daten in dem Atlas zeigen, dass es vor allem in Westeuropa kaum noch Gegenden gibt, in denen der Nachthimmel nicht durch künstliche Beleuchtung erhellt wird. Wer die Dunkelheit sucht, findet sie am ehesten in abgelegenen Teilen Schottlands, Schwedens oder Norwegens sowie in manchen Gegenden Österreichs und Spaniens. Von den G20-Staaten sind bezogen auf die Fläche des Landes Italien und Südkorea die Staaten mit der höchsten Lichtverschmutzung, in Kanada und Australien fällt sie am geringsten aus.

In Deutschland und Indien ist es vergleichsweise wahrscheinlich, dass die Einwohner den Anblick der Milchstraße von ihrem Zuhause aus genießen dürfen. Die Einwohner Saudi-Arabiens und Südkoreas können von diesem Blick in den Sternenhimmel hingegen nur noch träumen.

Licht mit 4000 K ist zu blau

Heute können 60 % der Europäer und fast 80 % der Nordamerikaner die Milchstraße von ihrem Wohnort aus nicht mehr wahrnehmen. Es wird davon ausgegangen, dass die Lichtverschmutzung in den nächsten Jahren nochmals in erheblichem Maß zunehmen könnte. Das wäre der Fall, wenn die Umrüstung von Außenbeleuchtungen von Hochdruckdampflampen auf LED-Beleuchtungen mit 4000 K Farbtemperatur in erheblichem Maß zunimmt. Denn bei solchen LED-Lichtquellen ist der blaue Lichtanteil viel größer als im Spektrum der üblichen Hochdruckdampflampen. Licht im blauen Wellenlängenbereich wird von der Erdatmosphäre mehr gestreut als das Licht anderer Wellenlängenbereiche. Dadurch trägt blaues Licht deutlicher zur Lichtverschmutzung bei als das Licht anderer Farben.

„Wenn wir nicht sehr genau auf das LED-Spektrum und die Beleuchtungsstärken achten, könnte das zu einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung der Himmelsaufhellung in klaren Nächten führen“, meint Fabio Falchi, der Hauptautor der Publikation, der an dem gemeinnützigen, italienischen „Istituto die Scienza e Tecnologia dell’Inquinamento Luminoso“ die Forschung zu Lichtverschmutzung koordiniert und fördert.

Im Moment werden Beleuchtungen hauptsächlich nach ihrer Effizienz ausgewählt. Der Lichtqualität wird hingegen wenig Beachtung geschenkt.
Einen Lichtatlas, der sich dem Thema Lichtverschmutzung widmet, gibt es schon seit 2001. Eine Neuerung in der aktuellen Ausgabe ist nun, dass Daten von dem NASA-Satelliten Suomi NPP aufgenommen wurden, der die Erde seit Oktober 2011 umkreist. Dieser Satellit verfügt über ein Instrument zur Messung des Lichts aus Städten, das eigens dafür gebaut wurde.

Für den Atlas wurde auf die Daten von Messstationen zurückgegriffen, die an fast 21.000 Orten weltweit stehen. Etwa 20 % der Daten kamen darüber hinaus von Bürgern, so genannten „citizen scientists“. Vor allem außerhalb Europas und Nordamerikas spielen diese citizen scientists eine wichtige Rolle, da dort sonst kaum Daten erhältlich sind.

Der Atlas soll bei der Beurteilung helfen, ob es gelingen kann, die Lichtverschmutzung in Städten und auf dem Land einzudämmen.