Novaled Die richtige OLED-Rezeptur

Novaled ist ein Beispiel dafür, wie sich gezielte Frühförderung auszahlen kann. Das von 3 Mann gegründete Unternehmen konnte sich über mehrere Jahre weltweites Spitzen-Know-how bei der Dotierung von organischen Halbleitern aufbauen und profitiert nun vom schnell wachsenden Markt der OLED-Displays für Smartphones.

Wenn irgendwo auf der Welt ein neues OLED-Display vorgestellt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass darin Technologie von Novaled steckt. Die Namen seiner Kunden darf das Unternehmen aber nicht nennen. Woher die kommen lässt sich allerdings am Internetauftritt von Novaled erahnen, die es auf Englisch, Koreanisch und Japanisch gibt.

Novaled selbst stellt keine Displays her, sondern maßgefertigte OLEDs in kleinen Mengen. Die Volumenproduktion übernehmen die Kunden, Novaled liefert sozusagen das Material und das Know-how dazu. Das ist das Geschäftsmodell. Und es ist erfolgreich. Nachdem das Unternehmen 2003 als Ausgründung der TU Dresden und des Fraunhofer Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS) mit 3 Mann gegründet wurde, arbeiten mittlerweile über 100 Menschen bei Novaled. Allein in diesem Jahr sollen noch einmal 20 dazukommen.

Den zunehmenden Erfolg der OLED-Technologie drückt sich auch im Umsatz aus. 2010 konnte ihn das Unternehmen auf 11 Millionen Euro steigern, was einem Plus von über 50 Prozent zum Vorjahr entspricht. 2011 soll es erstmals schwarze Zahlen geben.

Um zu wissen, was Novaled macht, muss man sich den Aufbau einer OLED anschauen (siehe Bild oben). Vereinfacht ausgedrückt besteht sie aus einer Anode, einer Kathode und einer Schicht aus mehreren organischen Lagen. Dazu gehören die Emissionsschicht, die Elektronen- und Lochtransportschichten. Mit einer speziell entwickelten Technologie dotiert Novaled nun das Material dieser unterschiedlichen Schichten. Dadurch wird es leitfähiger was u.a. die benötigte Ausgangsspannung senkt und somit Auswirkungen auf Lebensdauer und Effizienz hat.

Diese Schichten bestimmen nun die einzelnen Eigenschaften der OLED bzw. des Displays. So lässt sich damit etwa bestimmen, welche Farbe am Ende emittiert wird, ob die OLED eher langlebig oder besonders leuchtstark sein soll und viele Parameter mehr. Novaled beherrscht die Fähigkeit, den OLEDs mit eigens entwickelten Materialien und deren Mischung die passenden Eigenschaften zu geben.

Darüber hinaus hat Novaled auch Fertigungs-Know-how aufgebaut. In dem kleinen Reinraum, der direkt neben den Büros der Mitarbeiter liegt, werden Neuentwicklungen auf Glas- oder Metallsubstrate aufgedampft, verkapselt und auf ihre Eigenschaften getestet. Das Ganze dient der Materialentwicklung für optimierte OLED Eigenschaften aber auch der Fertigung von Kleinserien für bestimmte Kunden.

Zu diesen Kleinserien gehören in letzter Zeit auch zunehmend OLEDs für Beleuchtungen, was neben Display-Anwendungen zu einem weiteren bedeutenden Absatzmarkt für Novaled werden könnte. Zwar ist diese Technik soweit, dass sie auf dem Licht-Markt eingesetzt werden kann, allerdings gibt es im Gegensatz zum OLED-Display Markt noch keinen Anbieter, der große Stückzahlen und damit zu annehmbaren Preisen herstellt. Daher gibt es bisher nur wenige Leuchten-Designer, die OLEDs bisher tatsächlich verwenden. In der öffentlichen Wahrnehmung sind diese daher noch kaum angekommen.

Mit zunehmender Bedeutung der organischen Elektronik in Sachsen erschließen sich aber auch ganz neue Anwendungen für die Halbleiter-Materialien von Novaled. Ein Lizenznehmer ist zum Beispiel Heliatek, wo Solarzellen auf organischer Basis hergestellt werden. Wie bei den OLEDs auch, kommt es bei den Transportschichten der Ladungsträger darauf an, dass diese möglichst leitfähig sind. Am Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) in Chemnitz wird außerdem an organischen Batterien geforscht.

Der Markt für OLEDs hat also begonnen, ‚abzuheben’ und sich zu entwickeln. Zwar gibt es keine Display-Fertigung in Deutschland die davon profitieren könnte aber das Beispiel Novaled zeigt, wie mit gezielter Förderung auch dieser Standort von neuen Technologien profitieren kann. Das Wichtigste dürfte dabei sein, dass das Know-how schon in naher Zukunft dazu beitragen könnte, dass sich ganz neue Anwendungen in Deutschland wie etwa die OLED-Beleuchtung oder die organische Photovoltaik entwickeln.