Interview An der Grenze zwischen der Forschung und dem Markt

Prof. Dr. Karl Leo ist Leiter des Instituts für Angewandet Photophysik an der TU Dresden (IAPP) und des Fraunhofer Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS). Der gebürtige Freiburger hat Physik studiert und wurde 2002 mit dem Leibniz-Preis für seine Grundlagenforschung  auf dem Gebiet der organischen Leuchtdioden und Solarzellen ausgezeichnet.
Prof. Dr. Karl Leo ist Leiter des Instituts für Angewandet Photophysik an der TU Dresden (IAPP) und des Fraunhofer Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS). Der gebürtige Freiburger hat Physik studiert und wurde 2002 mit dem Leibniz-Preis für seine Grundlagenforschung auf dem Gebiet der organischen Leuchtdioden und Solarzellen ausgezeichnet.

Prof. Dr. Karl Leo von der TU Dresden ist die treibende Kraft bei der Entwicklung des Organik-Standortes Sachsen. In den vergangenen Jahren hat er sechs Ausgründungen von Unternehmen mitbegleitet. Wir fragten ihn, welchen Zweck diese Ausgründungen erfüllen und welche Perspektiven sich mit Blick auf die internationale Konkurrenz ergeben.

Herr Prof. Dr. Leo, hängt denn bei Ihnen zu Hause schon eine OLED-Lampe?

Asche auf mein Haupt – nein. (lacht) Aber ich hoffe, dass ich bald eine habe. Die ersten OLED-Lampen richten sich allerdings preislich an ein Kundensegment, zu dem ich als Hochschullehrer nicht gehöre.

Sie sind mittlerweile bei 6 Ausgründungen aus der TU Dresden oder dem Fraunhofer Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS im Bereich der organischen Elektronik dabei gewesen. Welche Bedeutung haben diese Ausgründungen?

Das ist natürlich der beste Weg, wissenschaftliche Forschung in die Praxis umzusetzen. Für die Mitarbeiter eines Instituts ist das auch sehr attraktiv, da sie an den Projekten arbeiten können, an denen sie bereits geforscht haben. Dazu müssen sie nicht mal ihren Schreibtisch verlassen und Bewerbungen schreiben. Nicht zuletzt ist es eine Wirtschaftsförderung für die Region und für Deutschland selbst.

Welche Faktoren sind denn bei so einer Unternehmens-Neugründung besonders wichtig?

Aus meiner Beobachtung ist der entscheidende Faktor immer wieder die Begabung und das Talent für das Unternehmerische. Es müssen Personen sein, die unternehmerisch arbeiten und damit auch ein Risiko eingehen wollen. Es ist natürlich verlockend, nach dem Studium zu einer großen Firma zu gehen und da vielleicht noch pensioniert zu werden. Bei einer Ausgründung  gehört eine Persönlichkeit dazu die sagt, man steigt jetzt in eine Firma ein, bei der die Finanzierung im ungünstigen Fall nur noch für ein halbes Jahr reicht.

Ein weiterer Faktor ist die Finanzierung. Da hat sich zwar in Deutschland einiges getan, was das Venture-Kapital oder die staatlichen Hilfen wie etwa der High-Tech-Gründerfonds betrifft. Trotzdem ist es nach wie vor schwierig, besonders große Finanzierungen zu bekommen. Dazu kommt, dass in Deutschland und Europa die steuerliche Situation sehr ungünstig für Risikokapital und für riskante Technologien ist. Es gibt kaum Steuervergünstigungen. Da belohnt der Gesetzgeber das Risiko nicht. In Amerika ist das anders.

Es gab ja immer mal wieder die Kritik, dass es zu wenige Unternehmensgründungen im »Silicon Saxony« gibt.

Was die Organik betrifft, denke ich, haben wir da eine ganz gute Bilanz. Sie ist aber mit rund 850 Mitarbeitern vergleichsweise klein. In der Mikroelektronik arbeiten rund 43.000 Menschen und da gibt es sicherlich nicht so viele Neugründungen wie man es gern hätte. Im deutschlandweiten Vergleich sind es sicher ganz gute Zahlen. Es gibt ja auch viele Fördermaßnahmen vom Land und nicht zuletzt auch von der TU Dresden. Im Vergleich mit den amerikanischen Spitzen-Universitäten wie Stanford ist das aber noch deutlich zu wenig.

Es liegt also an der TU oder speziell an Ihnen den Mitarbeitern des Instituts eine entsprechende Perspektive zu geben.

Ja, mittlerweile liegt ja auch auf meiner Seite eine relativ große Erfahrung vor, wie man ein Projekt strukturiert, wie man Finanzquellen sucht und das hilft gründungsbereiten Mitarbeitern schon. Wir haben damals Novaled mitten in das Platzen der Dotcom-Blase hereingegründet. Das war schon hart bis wir das finanziert hatten. Aber so eine Erfahrung hilft und inzwischen geht es dadurch etwas leichter.

Was ist denn der nächste Kandidat für eine Ausgründung?

Wir haben natürlich eine Pipeline, aber die möchte ich nicht verraten. Ideen gibt es viele.

Was tut die Uni um die Studenten in Richtung der organischen Elektronik zu bewegen?

Es ist schon so, dass die Themen Photovoltaik oder organische Leuchtdioden auf sehr großes Interesse unter den Studenten stoßen. Wir haben einen sehr guten Nachwuchs am Institut. Wir haben allerdings ein Grundproblem, nämlich das die organische Elektronik interdisziplinär ist. Sie ist in der Chemie, in der Physik und in der Elektrotechnik verankert. Leider sind die Universitäten in diesen Disziplinen noch relativ separiert. Diese Teilung müssen wir mit Studiengängen überwinden.

Also wird es auf absehbare Zeit keinen Studiengang für organische Elektronik geben?

Doch den sollte es schon geben. Es gibt Planungen dafür. Wir müssen nämlich den Unternehmen Leute anbieten, die alle diese Disziplinen beherrschen.

Welche Bedeutung hat denn die organische Elektronik in den nächsten Jahren und wo wird Sachsen dabei stehen?

Die organische Elektronik hat vor allem langfristig sehr gute Chancen. Es gibt ja Marktprognosen, die einen dreistelligen Milliardenmarkt voraussagen, also etwa die gleiche Größenklasse wie die klassische Mikroelektronik. Es hat sich natürlich gezeigt, dass die organische Elektronik eine anspruchsvolle, neue Technologie ist und die braucht einfach Zeit. Viele Marktprognosen waren zu optimistisch, aber die kleinen OLED-Displays sind mittlerweile ganz gut etabliert. Da kommt das Endprodukt zwar aus Asien aber wir sind in der Wertschöpfungskette drin.

In den nächsten Jahren werden wir sicher bei der OLED-Beleuchtung zunehmend Produkte sehen und wahrscheinlich dann auch erste Produkte bei den Solarzellen. Dann gibt es noch viele weitere Anwendungen wie OLED-Mikrodisplays oder in der Sensorik wo wir Anwendungen sehen werden. Ich denke, da wird sich ein kontinuierliches Wachstum ergeben. Natürlich gehören auch Rückschläge dazu aber ich hoffe, dass wir hier als Europas größter Standort die Stellung halten und ausbauen können.