Ohne Print wären auch Online-Inhalte schlechter

Zeitungen und Zeitschriften haben sich durch seriöse Hintergrundberichterstattung Respekt erworben, im Großen wie im Kleinen. Sie sind in ihren Themenfeldern durch ihren Profi-Status eine Autorität. In Deutschland erreicht überdies keine Mediengattung mehr Menschen als die Zeitschriften.

Seit längerer Zeit beschweren sich etliche Zeitungs- und Zeitschriftenverleger darüber, dass Google ihre Inhalte verwertet, ohne dafür zu zahlen. Jetzt haben sie und andere deutsche Unternehmen dagegen Beschwerde beim Kartellamt eingelegt.

Dies wirft die Frage auf, wie denn das Internet aussehen würde, wenn Google und seine Nutzer nicht auf die Inhalte der Zeitungs- und Zeitschriften-Verleger zugreifen würden.

Tatsache ist, dass viele hochwertige Beiträge, die im Internet publiziert werden, ursprünglich aus Printmedien stammen bzw. von Print-Redaktionen verfasst werden. So zeigt auch eine US-Studie des Pew Research Center in Baltimore, dass wichtige Nachrichten und Themen immer noch zu über 60 Prozent von Zeitungen aufgebracht und entwickelt werden. Der Projektleiter dieser Studie, Tom Rosenstiel vom „Project for Excellence in Journalism“, sagte dazu mit Blick auf die Zeitungs-Krise, dass es ohne die Vorarbeit der traditionellen Medien im Internet nicht viel zu „aggregieren“ gäbe.

Zeitungen und Zeitschriften haben sich durch seriöse Hintergrundberichterstattung Respekt erworben, im Großen wie im Kleinen. Sie sind in ihren Themenfeldern durch ihren Profi-Status eine Autorität. In Deutschland erreicht überdies keine Mediengattung mehr Menschen als die Zeitschriften.

Doch die redaktionelle Qualität vieler Printmedien kommt nicht von ungefähr. Denn qualitative Inhalte binden Zeit und Ressourcen. Print beschäftigt die meisten Journalisten.

Davon profitiert quasi als Trittbrettfahrer auch das Internet mit seinen Suchmaschinen, indem diese auf die ursprüngliche Print-Inhalte zugreifen. Schließlich werden sie im Web oft „zweitverwertet“.

Eine Aktuell-Meldung ist schnell geschrieben, egal für welches Medium. Aber hochwertige Fachbeiträge, Recherche für Hintergrundinformationen und Marktübersichten benötigen Zeit. Und Zeit ist vor allem im Online- Journalismus das knappste Gut. Denn bei News im Internet gilt vor allem: „Wer bringt die Meldung zuerst?“ Und nicht „wer bringt die zuverlässigste Meldung mit den besten Hintergrundinformationen?“

Das Dilemma der nächsten Jahre wird sein: Wenn Print im Kommunikations-Mix gegenüber dem Web weiter verlieren sollte, werden in Print weniger Journalisten arbeiten, die auch das Internet mit hochwertigen Inhalten füttern. Dann wird es auch deutlich weniger Inhalte geben, die den hohen journalistischen Ansprüchen der Nutzer gerecht werden. Das schadet letztlich auch der Glaubwürdigkeit der Web-Informationen. Das Internet ist eine wunderbare Plattform, aber es fi nanziert sich nicht von selbst und das Netz braucht die Printmedien, um die journalistische Qualität zu sichern.