Elektro-/Elektronikindustrie wird auch von neuer Chemikalien-Verordnung berührt Neue Chemikalien-Verordung – REACH

REACH und die Elektro-/Elektronikindustrie

Wie bereits eingangs erwähnt, wird die Elektro-/Elektronikindustrie von den REACH-Forderungen in erheblichem Maße betroffen. Es besteht kein Unterschied, ob ein Stoff in der EU hergestellt oder in die EU eingeführt wird. Fertigprodukte hingegen werden unterschiedlich betroffen sein. Halbleiterprodukte zum Beispiel unterliegen selbst nicht der REACH-Verordnung, weil die während der Herstellung eingesetzten toxischen Stoffe im Fertigprodukt nicht mehr enthalten sind bzw. nicht freigesetzt werden, da sie im Kristallgitter gebunden sind. Erfolgt die Halbleiterfertigung innerhalb der EU greift die REACH-Verordnung voll bei den im Fertigungsprozess eingesetzten Hilfsstoffen. Halbleiterfertigungen außerhalb der EU müssen sich dagegen überhaupt nicht um REACH kümmern.

Der im Artikel 1 der Verordnung genannte Anwendungsbereich gilt für die Herstellung, den Import und die Verwendung von Stoffen. Die Ausnahmeregelungen sind im Artikel 2 aufgeführt. Für Registrierung, Zulassung und Beschränkung sind weitere zusätzliche Ausnahmeregelungen getroffen worden (Tabelle).

In den RIPs 3.x sind Anleitungen aufgeführt für:

  • die Vorbereitung technischer Dossiers für die Registrierung (RIP 3.1),
  • die Vorbereitung chemischer Sicherheitsreports (Chemical Safety Report – CSR, RIP 3.2) und
  • den Datenaustausch (Vorregistrierung – RIP 3.4).

Weitere „REACH Implementation Projects“ befassen sich mit:

  • Anleitung für Klassifizierung und Kennzeichnung (RIP 3.6) und
  • Anleitung für Identifizierung und Bezeichnung von Stoffen in REACH (RIP 3.10).

Mit der Erarbeitung der RIPs sind unterschiedliche Institutionen in den EU-Ländern beauftragt, so auch das Umweltbundesamt [2]. Ihre Fertigstellung erfolgte größtenteils im 1. Halbjahr 2007.

Wie aus Bild 3 ersichtlich, besteht die Registrierungspflicht, wenn die Gesamtmenge von 1 t/a in den Erzeugnissen überschritten wird. Eine Meldepflicht ist notwendig, wenn die Stoffe im Schadenskatalog (Artikel 58) genannt sind und auch hier die Gesamtmenge von 1 t/a überschritten und eine Konzentration von mehr als 0,1 Gewichtsprozenten erreicht wird. Im RIP 3 werden Beispiele für Erzeugnisse und auch entsprechende Grenzfälle genannt.

Die Stoffe sind für den Verwendungszweck zu testen, dieser ist zu dokumentieren und zu registrieren. Die Beweislast liegt beim Hersteller bzw. Importeur eines Stoffes. Solange keine Daten vorhanden sind und keine Registrierung erteilt wurde, kann keine Vermarktung stattfinden. Die Daten sind entsprechend der Lieferkette mitzuliefern. Dazu muss vom Hersteller/ Importeur, der einen im Verbotskatalog genannten Stoff in den Verkehr bringt, ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erstellt werden. Die Aufbewahrungsfrist des SDB beträgt mindestens zehn Jahre. Der Inhalt des Sicherheitsdatenblattes wird in Artikel 31 der REACH-Verordnung aufgeführt (s. Tabelle).

Für die nachgeordneten Anwender gilt: Wenn für einen Stoff oder eine Zubereitung kein SDB vorgeschrieben ist, müssen als Informationen die Registriernummern, Angaben über ein laufendes Zulassungsverfahren oder eine Zulassung – auch bei Nichterteilung –, eine eventuelle Stoffbeschränkung und Informationen über ein Risikomanagement weitergegeben werden. Im umgekehrten Fall müssen dem Lieferanten neue Erkenntnisse über gefährliche Eigenschaften und Informationen über eine unklare Situation des Risikomanagements bezüglich des Sicherheitsdatenblattes gegeben werden (Bild 4).

REACH sieht vor, eine neue europäische Agentur für chemische Stoffe mit Sitz in Helsinki ab Mitte 2007 aufzubauen, die für die Registrierung der Chemikalien in einer neuen Datenbank zuständig ist. Außerdem spielt sie auch bei der Bewertung und Zulassung eine wichtige Rolle. Am 1. Juni 2008, ein Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung, beginnt eine Vorregistrierungsphase von sechs Monaten, in der Hersteller und Importeure die Namen der zu registrierenden Stoffe und die vorgesehene Jahresmengen der Chemikalienagentur in Helsinki melden können. Vorregistrierte „Phase-in“-Stoffe – Stoffe, die bereits auf dem Markt sind (siehe auch Kasten „Phasein-/ Non-Phase-in-Stoffe“, S. 41) – dürfen bis zur endgültigen Registrierung weiterhin in Verkehr gebracht werden. Die Frist bis zur Registrierung ist nach der Stoffmenge gestaffelt, die pro Jahr in Verkehr gebracht wird: Bei mehr als 1000 t/a beträgt die Frist drei Jahre, bei Mengen zwischen 1 t/a und 100 t/a elf Jahre (Bild 1). Die Kosten für die Registrierung – gestaffelt nach Jahresmenge – tragen die Hersteller, die diese in ihre Kalkulation einarbeiten und auf ihre Kunden als nachgeschaltete Anwender abwälzen können.