Elektro-/Elektronikindustrie wird auch von neuer Chemikalien-Verordnung berührt Neue Chemikalien-Verordung – REACH

Neue Chemikalien-Verordung – REACH

Es sind nicht nur die eventuell höheren Kosten, die auf die Elektro- und Elektronikindustrie als nachfolgenden Anwender zukommen. Vielmehr sind von größerer Bedeutung Rechtssicherheit, Planungssicherheit, Informationssicherstellung in der Lieferkette, Offenlegungspflichten (Ausnahme bei Verletzung von Betriebsgeheimnissen) und die Anwendung von REACH für Produkte, die absichtlich Stoffe freisetzen.

Trotz zahlreicher Studien [3, 4, 5] besteht noch keine Klarheit über die Folgen von REACH. Viele Änderungsanträge wurden bis zur Beschlussfassung am 13. 12. 2006 berücksichtigt, meist aber Abschwächungen, eingebracht durch die Industrie. In weiten Teilen der chemischen Industrie ist das Bewusstsein über die Auswirkungen der REACH-Verordnung nur bedingt vorhanden, in der Elektronikindustrie wohl noch gar nicht. Auch die nachgeordneten Anwender haben bisher nur geringe Kenntnis über die Auswirkungen, und eine Resonanz ist nur in Einzelfällen vorhanden. Hier müssen die Bemühungen zur Aufklärung angesetzt werden, damit ein Dialog zwischen allen Beteiligten in der Lieferkette stattfindet, um eine für alle vertret- und nutzbare, praktikable Anwendung der Verordnung zu erreichen.

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) [6] der für REACH zuständige Ansprechpartner. Die BAuA hat ein „Helpdesk“ (Auskunftsstelle) [7] eingerichtet, dem neben der BAuA das Umweltbundesamt (UBA), die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) [8] und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) [9] angehören. Auch der ZVEI [10] bietet per Internet verschiedene Informationen an.

Harry Schubert, Elektronik

Dipl.-Ing. Klaus Dingler
ist gebürtiger Berliner. Er studierte Mess- und Regeltechnik an der Fachhochschule in Berlin und trat nach Abschluss in die Firma Telefunken-Senderbau ein, war dort in der Abteilung Sender- und Antennensteuerungen tätig und übernahm später die Leitung des Konstruktionsbüros. Als Gründungsmitglied des FED und Mitglied des Vorstandes leitet er in diesem Fachverband den Arbeitskreis Design für die Bleifreitechnologie.
k.i.dingler@t-online.de

Dr. Hartmut Poschmann
absolvierte 1963 die Berufsausbildung zum Funkmechaniker und studierte von 1963 bis 1969 in Sankt Petersburg Hochfrequenz- und Fertigungstechnik. 1986 promovierte er zum Dr.-Ing. über den Einsatz von Gelenkarmrobotern in der Elektronikmontage. Ergänzend zu seinen diversen Leitungsfunktionen in der Elektronikindustrie befasste er sich seit seinem Studium mit Untersuchungen zu verschiedenen Aspekten der internationalen Markt- und Technikentwicklung in der Elektronikbranche. Gegenwärtig ist er Technischer Leiter im Fachverband Elektronik-Design e.V.
h.poschmann@fed.de

Literatur

[1] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2006/
l_396/l_39620061230de00010851.pdf
[2] www.reach-info.de
[3] Ostertag, K.; Marscheider-Weidemann, F.; Angerer. G.; Meyer, U.:Analyse der Kosten und Nutzen der neuen EU Chemikalienpolitik.Forschungsbericht, Oktober 2004; www.reachinfo.de/03_entwicklung/01_wirtschaftlichkeit/01_UBA-
Forschungsprojekt/041001_Abschlussbericht_UBA_Forschungsprojekt.pdf
[4] Kommentare zum Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes; www.reachinfo.de/03_entwicklung/01_wirtschaftlichkeit/01_UBA-
Forschungsprojekt/041018_17_Kommentare_UBA_Forschungsprojekt.pdf
[5] Was wir von REACH erwarten – Anmerkungen zum Vorschlag für eine neueEU-Chemikaliengesetzgebung. Das internationale Chemikalien-Sekretariat, Göteborg/Schweden, Januar 2005; www.chemsec.org/publications/business_publ.php
[6] www.baua.de
[7] www.reach-helpdesk.de
[8] www.bam.de
[9] www.bfr.bund.de
[10] www.zvei.org/index.php?id=233
[11] Sanft landen mit REACH – Ratgeber für Firmen, die Chemikalien verwenden.Das internationale Chemikalien-Sekretariat, Göteborg/Schweden, Mai 2005; www.chemsec.org/publications/business_publ.php
[12] REACH für Anwender. Broschüre desUmweltbundesamtes, 2005;www.reach-info.de/02_ueberblick/06_anwender.htm
[13] Erste Schritte unter der neuen EUVerordnung
REACH. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Januar 2007; www.baua.de/nn_52116/de/Publikationen/Broschueren/REACHInfo/
REACH-Info-01,xv=vt.pdf
[14] http://ec.europa.eu/environment/chemicals/reach/reach_intro.htm
[15] Lahl, U.; Hawxwell, K. A.:REACH – The New European Chemicals Law. Environmental Science & Technology, Jahrgang 40, Ausgabe 23, S. 7115 – 7121; http://pubs.acs.org/subscribe/journals/esthag/40/
i23/html/120106viewpoint_lahl.html
[16] REACH in brief. Europäische Kommission; http://ecb.jrc.it/DOCUMENTS/REACH/
REACH_in_brief_council_comm_pos_060905.pdf

Der nachgeordnete Anwender ist dafür verantwortlich, dass:

  • vom Hersteller empfohlene Maßnahmen zur Minimierung des Risikos angewendet werden.
  • Informationen sowohl an den Lieferanten als auch an den Kunden weitergeleitet werden.
  • wenn erforderlich, ein Stoffsicherheitsbericht ausgearbeitet wird.

Doch damit nicht genug. Ein nachgeordneter Anwender muss zusätzlich auch mit folgenden Konsequenzen aus der Registrierung, Evaluierung und Zulassung durch den Hersteller rechnen:

  • Die Stoffvielzahl wird möglicherweise eingeschränkt, was indirekt zu einer Preiserhöhung führen kann.
  • Die Zusammensetzungen der Zubereitungen können sich ändern.
  • Kundenwünsche können nicht immer erfüllt werden.
  • Seine Anwendung könnte vom Hersteller nicht unterstützt, im ungünstigsten Fall sogar „nicht empfohlen“ und folglich durch die Registrierung untersagt werden.

Denn der Aufwand für die Registrierung eines Stoffes könnte sich z.B. aufgrund einer zu kleinen Jahresmenge für einen Hersteller oder Importeur nicht rechnen. Als Folge können weitere Produktionsauslagerungen möglich sein.