Schwerpunkte

Nach dem Ausfall der Sensor+Test

»Wir machen das Beste aus der Situation«

16. Juli 2020, 11:00 Uhr   |  Nicole Wörner


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

EIn Blick in die Zukunft - der Messe, des Veranstalters und der Branche

In diesem Jahr hatten Sie das Sonderthema „Sensorik und Messtechnik für die Zustandsüberwachung“ deklariert. In Zeiten des fortschreitenden IoT und IIoT wäre das sicher etwas gewesen, das sich regen Interesses erfreut hätte. Halten Sie an diesem Thema auch für nächstes Jahr fest?

Obwohl wir unsere Aktivitäten zur Gewinnung von Ausstellern zwei Monate vor der Messe einstellen mussten, hat sich das diesjährige Sonderthema als das bisher erfolgreichste gezeigt. Der Sonderstand war bereits so gut wie ausgebucht und für die Vorträge mussten wir sogar zusätzlich Platz schaffen. Wir sehen in diesem Thema aktuell noch mehr Potenzial, weil in den auf uns zukommenden wirtschaftlich schwierigeren Zeiten eher auf einen Weiterbetrieb bestehender Anlagen gesetzt wird, als in Neuinvestitionen. Die Aufrüstung der Instrumentierung mit Sensoren und Messtechnik zur Zustandsüberwachung ist ein entscheidender Aspekt, um Altanlagen zukunftsfähig zu machen. Deshalb werden wir das Sonderthema 2021 auch weiterführen.

Wie wird sich die Sensor+Test in Zukunft aufstellen?

Vom Technologiespektrum her wird es sicher keine größeren Veränderungen geben. Wir wollen auch in Zukunft DIE Messtechnik-Messe bleiben. Mit der neuen Sensor and Measurement Science International Conference SMSI, die zukünftig im Wechsel mit der Fachtagung Sensoren und Messsysteme stattfinden wird, sind Messe und Kongresse nun auch noch perfekter auf einander abgestimmt. Wir müssen aber immer wieder nachjustieren und wichtige Bereiche, wie zum Beispiel die Datenkommunikation, stärker integrieren. Die Partnerschaft mit der European Test and Telemetry Conference ettc ist hier eine positive Entwicklung. Organisatorisch wird unser neuer, deutlich früherer Termin Anfang Mai viel verändern. Die Verlegung war nicht einfach, aber nun freuen wir uns, dass wir dem Wunsch eines großen Teils der Messebeteiligten nach einer Rückkehr in das Frühjahr entsprechen konnten.

Als Veranstalter haben Sie bereits im Vorfeld viel in die Messe investiert. Wie fangen Sie das ab? Und bringt die Absage der für Sie wichtigsten Messe Ihr Unternehmen in Schieflage?

Die Kommunikation und Werbung, online, offline, in den sozialen Medien und natürlich in den Fachmedien ist bereits weitgehend geleistet. Zehn von zwölf Monaten der Vorarbeit ebenfalls. Damit all das nicht umsonst war, arbeiten wir wie geschildert weiter, um die Innovationen unserer Aussteller auch ohne Messe ins Herz der Zielgruppe zu tragen. Der wirtschaftliche Schaden ist natürlich immens und ohne die Unterstützung unserer Aussteller wäre die aktuelle Situation kaum zu bewältigen. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich und setzen unsere Leistungen hochmotiviert fort, um das in uns gesetzte Vertrauen zu erfüllen.

Wie geht es jetzt weiter? Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Eine Messe so abrupt zu stoppen zieht sehr viel Aufwand und noch mehr Kommunikation mit Ausstellern, Teilnehmern und Dienstleistern nach sich. Viel erfreulicher ist der Blick auf die digitale Vermarktung der Innovationen und die Online-Aktivitäten zum diesjährigen Messetermin vom 23. bis 25. Juni 2020, auf die wir uns jetzt konzentrieren. Und dann steht auch schon auf die Vorbereitung der Sensor+Test 2021 an, für die ebenfalls bereits die Arbeiten laufen. Viele Aussteller haben ihre Teilnahme wieder zugesagt und so freuen wir uns alle gemeinsam auf eine hoffentlich ungestörte Neuauflage im kommenden Jahr.

Sprechen wir kurz über den Markt. Es müsste ja auch Unternehmen geben, die aufgrund ihrer Produktpalette gerade in der Coronakrise ein wachsendes Geschäft verzeichnen. Vor allem dem Trend hin zu mehr Umweltsensorik – der sich in den vergangenen Jahren ja schon abgezeichnet hatte – dürfte den Herstellern Vorschub leisten. Haben Sie diesbezüglich Stimmen aus der Branche?

Natürlich sind die Unternehmen je nach Anwendungsschwerpunkt unterschiedlich stark betroffen, die Spezialisten für Medizin- oder Umwelttechnik wie von Ihnen angesprochen weniger als beispielsweise diejenigen für den Automobilbereich. Wir sehen den generellen Trend zu einem weiter verstärkten Einsatz von Sensorik und Messtechnik trotz der Krise aber in allen Bereichen auch in Zukunft ungebrochen. Ob das allerdings ausreichen wird, um die Einbußen in der zu erwartenden Rezession zu kompensieren, scheint mir fraglich.

Welche weiteren Segmente der Sensorik und Messtechnik würden Sie als „Gewinner“ und „Verlierer“ der Krise sehen?

Gewinner kann ich in dieser Krise zumindest in unserer Branche eigentlich keine ausmachen. Dazu wird der Abschwung insgesamt zu groß ausfallen. Denken Sie nur an die Medizintechnik, wo zwar Corona-bedingt beispielsweise Anbieter von Sauerstoffsensoren kurzfristig eine dramatisch erhöhte Nachfrage hatten. Wie in den meisten anderen Bereichen wird aber auch diese mit dem Abklingen der Pandemie unter das Vorkrisenniveau absinken. Vor allem, und das macht mir die größten Sorgen, leiden die volumenstarken Anwendungen in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau besonders unter der Krise. Solange dieses Herzstück unserer Wirtschaft leidet, befürchte ich, dass auch unsere Branche mitleidet.

Abschließend: Wo sehen Sie die Sensorik- und Messtechnik-Branche nächstes Jahr um diese Zeit?

Hoffentlich auf einem Weg, der wieder aufwärts geht.

Das Interview führte Nicole Wörner, Markt&Technik

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