Schwerpunkte

Remote Patient Monitoring

Mit Knopf im Ohr in die Home-Quarantäne

24. April 2020, 08:13 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Rolle der Fernüberwachung von Patienten

Bereits im Wearable werden die erfassten Daten prozessiert. Dies hat den Vorteil, dass der Datenverkehr zu den nächsten Stationen auf ein Minimum reduziert ist. Via Bluetooth gehen die Daten zuerst auf die LabApp von cosinuss°, die auf dem Smartphone des Benutzers installiert ist. Verfügbar ist LabApp sowohl für Android- als auch iOS-Geräte. LabApp managt die Pseudonymisierung der jeweiligen Daten und beinhaltet die Möglichkeit, die Daten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen und zur Fernbeobachtung.

Die Aufbereitung der jeweiligen Vitaldaten in der LabApp informiert den Patienten bzw. Wearable-Träger über seinen jeweiligen Gesundheitszustand. Im Wissen um seinen wahren Gesundheitszustand verliert der Wearable-Träger seine Unsicherheit und verhält sich entsprechend den Gesundheitsrichtlinien der Behörden, die über die LabApp an ihn kommuniziert werden können. »Diese App hilft dabei, mit der anstrengenden Situation, etwa in der zweiwöchigen Heim-Quarantäne während einer Ansteckung mit dem Coronavirus, umzugehen«, versichert Dr. Kreuzer.

Vom Smartphone werden die prozessierten Daten in die Cloud zu cosinuss° LabServer transferiert. Dieser kann die eingehenden Daten nach zwei Verfahren auf Auffälligkeiten überprüfen: EWS und Polyscore. Das EWS-Verfahren (Early Warning Score) meldet, wenn mehrere der beobachteten Parameter den Normalkorridor verlassen. Polyscore ist ein an der TU München entwickeltes Verfahren, mit dem sich ermitteln lässt, ob der Patient Herzprobleme hat. Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen können mithilfe eines Passworts über ein Web Browser Interface Zugang zu den Daten im LabServer erhalten. Zu Forschungszwecken lassen sich die erfassten und gespeicherten Daten als Standard-CVS-Dateien downloaden.

Welche entscheidende Rolle eine Fernüberwachung von Patienten in einer Situation wie der Corona-Pandemie zukommt, macht Dr. Kreuzer mit einem Verweis auf eine aktuelle Untersuchung der Johns-Hopkins-Universität deutlich. Diese macht darauf aufmerksam, dass 80 Prozent der Personen, die im Zuge der Pandemie in den USA in Notaufnahmen vorstellig werden, mit einem solchen Wearable zur Vitaldatenerfassung fernüberwacht werden könnten und so der Druck von den Notaufnahmen genommen werden könnte. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass in der Pandemie 80 Prozent der Krankenhausbetten von nicht mit dem Coronavirus infizierten Patienten belegt seien. Auch hier würde die telemedizinische Fernüberwachung in vielen Fällen für eine Vor-Ort-Entlastung der Krankenhäuser sorgen können.

Wie es bei cosinuss° weitergeht, werden die nächsten Wochen zeigen, wie Dr. Kreuzer erläutert: »Bis Ende des Jahres dürfte klar sein, welchen Beitrag unsere Wearables zum Managment der Krise beitragen können. Wenn sie sich wie erwartet bewähren, werden wir die Produktionskapazitäten Ende des Jahres noch einmal deutlich steigern.« Zu diesem Zweck wird cosinuss° eine Produktions-Zusammenarbeit mit einem Hörgerätehersteller in Hannover eingehen und parallel dazu eine Fertigung in München aufbauen.

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