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Interview mit Rohde & Schwarz

»Wir mussten eine neue Sprache lernen«

16. März 2020, 13:45 Uhr   |  Nicole Wörner


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Welchen Stellenwert hat der Oszilloskop-Bereich heute im Unternehmen?

Die Oszilloskope sind ein unverzichtbares Segment in unserem Messgeräte-Portfolio. Das hat natürlich mit dem Anspruch eines Komplettanbieters für Messtechnik zu tun, aber nicht nur. Zum Beispiel wird es mit fortschreitender Integration von Funktionen in Chips und entsprechenden Endgeräten notwendig, Tests von digitalen und analogen Funktionen zu kombinieren. Die Messungen finden damit nicht mehr im Zeit- oder Frequenzbereich statt, sondern in beiden Bereichen.

Der Oszilloskopmarkt ist von einem harten Preiskampf gekennzeichnet. Sind Sie mit den Margen noch zufrieden?

Zu Margen machen wir eigentlich keine Aussagen. Wir sind in der Lage, zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Manche Promotion wie beispielsweise die zurzeit laufende „Everything you need. And more.“, die Geräte mit allen Optionen zu einem extrem attraktiven Preis bietet, sprechen dafür. Wir würden das nicht tun, wenn wir damit kein Geld verdienen würden.

Inwieweit hat sich Ihr Vertriebskonzept über die Jahre verändert?

Wir sind mit dem Rohde-&-Schwarz-Direktvertrieb gestartet. Mit der Erweiterung des Produktspektrums hin zum Niedrigpreissegment war es nur logisch, auch auf den Distributionskanal zu setzen. So finden Sie heute unsere Geräte – und übrigens nicht nur die Oszilloskope – bei fast allen namhaften Distributoren.

Rohde & Schwarz ist traditionell stark in der Kommunikationsmesstechnik. Inwieweit hat Ihnen das im Oszilloskopmarkt geholfen?

Da gibt es natürlich Synergien. Kunden im Kommunikations- oder HF-Bereich nutzen auch Oszilloskope in allen Wertschöpfungsstufen. Man kennt uns dort normalerweise. Das heißt aber nicht, dass wir automatisch in jedem Labor bekannt sind. Generell hat uns natürlich unser Ruf als kompetenter Messtechnikanbieter bei den Oszilloskopen sehr geholfen.

Zum Marktstart hat Rohde & Schwarz zwei Oszilloskop-Serien für das Einstiegssegment vorgestellt. Mittlerweile umfasst das Portfolio acht Gerätefamilien mit Frequenzbereichen bis 16 GHz. Können Sie eine Serie/ein Produkt herausgreifen, das derzeit besonders wichtig für Sie ist?

Das ist schwierig zu sagen. Es kommt auf die Anwendung an. Wenn ich zum Beispiel Anwendungen im Automobilbereich herausnehme, ist dort die Klasse bis 6 GHz mit dem R&S RTO und dem R&S RTE dominant. Sie ist mit ihren Optionen für die Messung an den heutigen und zukünftigen Bussen im Auto prädestiniert und erfolgreich. Wenn es weiter darum geht, alle Schnittstellen in einer modernen ECU zu testen, ist der R&S RTP erste Wahl. Anders schaut es bei der Charakterisierung von Leistungselektronik aus. Da ist der R&S RTM erste Wahl. Beiden Segmenten gemeinsam ist, dass wir dafür vollständige Lösungen mit echtem Kundenmehrwert anbieten können.

Sie bieten Oszilloskope ausschließlich als Stand-alone-Messgeräte an. Zunehmende Verbreitung finden jedoch modulare und auch virtuelle Instrumente. Inwieweit ist das für Sie ein Thema?

Die Mehrzahl der Anwendungen von Oszilloskopen sind Inbetriebnahme und Fehlersuche an elektronischen Schaltungen – also ein sehr interaktives Arbeiten mit dem Messgerät. Deshalb werden ja auch die Bildschirme bei Oszilloskopen für ergonomisches Arbeiten immer größer und die Gerätetiefe immer geringer, damit der Arbeitsplatz besser genutzt werden kann. Das betrachte ich als Mainstream, auf den wir uns konzentrieren. Neben leistungsstarker Hardware gewinnt die Software eines Messgerätes zunehmend an Bedeutung.

Wie verhalten sich – prozentual betrachtet – Ihre Entwicklungskosten für Software und Hardware zueinander?

Darauf gibt es keine generelle Antwort, es hängt davon ab, in welcher Geräteklasse man sich bewegt. Bei Geräten mit hoher Bandbreite, bei denen eigene Chipentwicklungen wie A/D-Konverter oder Frontends notwendig sind, hat der Aufwand für die Hardwareentwicklung einen viel höheren Stellenwert als im niedrigen Preissegment. Über alles gesehen halten sich der Aufwand für die Software- und Hardwareentwicklung etwa die Waage mit steigendem Anteil an Software.

Welche Lücken im Portfolio gibt es noch?

Und welche Entwicklungen dürfen wir als nächstes erwarten? Wir decken derzeit circa 60 Prozent des gesamten Oszilloskopmarktes ab. Dass wir uns damit nicht zufrieden geben, wird jeder vermuten, der uns kennt. Wir werden aber auch innerhalb unseres bisherigen Portfolios mit weiteren Innovationen aufwarten.

Zum Abschluss: Vor zehn Jahren war das erklärte Ziel, die Nummer 3 im Markt zu werden. Wie lautet nun das Ziel für die nächsten zehn Jahre?

Wir werden weiterhin mit innovativen Lösungen einen Mehrwert für unsere Kunden kreieren und damit schneller wachsen als der Markt. An einer Rangfolge im Markt würde ich das nicht festmachen. 

Das Interview führte Nicole Wörner.

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1. »Wir mussten eine neue Sprache lernen«
2. Welchen Stellenwert hat der Oszilloskop-Bereich heute im Unternehmen?

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