Schwerpunkte

Neue Oszilloskop-Plattformen

»Der Bedarf an Mehrkanalmessungen wächst«

01. Oktober 2020, 12:20 Uhr   |  Nicole Wörner


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

Yokogawa: 4, 8, 12 oder gar 16 analoge Kanäle

DLM5000 in der höchten Ausbaustufe: 8 Kanäle, 4 separate digitale Kanäle und 500 MHz Bandbreite.
© Yokogawa

Mit seinen acht analoge Kanälen und den bis zu 32-bit digitalen Eingängen (16 bit Standard / plus 16 bit optional) und der gleichzeitigen Möglichkeit, Protokollanalysen durchzuführen, beschleunigt das DLM5000 von Yokogawa die Elektronikentwicklung überall dort, wo vier Kanäle nicht ausreichen.

Noch flexibler in der Kanalzahl geht es mit der jüngsten Neuvorstellung von Yokogawa.

Das neue Mixed-Signal-Oszilloskop DLM5000 ist als Vier- oder Achtkanalgerät verfügbar und mit Bandbreiten von 350 und 500 MHz. Darüber hinaus bieten alle Modelle im Standardumfang zwei digitale 8-bit-Eingänge, optional um zwei weitere 8-bit-Digitaleingänge erweiterbar.

Um noch mehr Informationen über das Verhalten elektronischer Systeme zu erhalten, ermöglicht die neue Funktion DLMsync – die in etwa sechs Monaten verfügbar sein soll – die Synchronisation von zwei DLM5000-MSOs. Über nur ein spezielles Kabel erfolgt die Takt- und Trigger-Synchronisation der beiden Geräte und erweitert die Kanalzahl dadurch auf bis zu 16 analoge Kanäle. Alternativ kann auch eine Misch-Konfiguration von Vier- und Achtkanal-Modellen erfolgen und so eine Synchronisation für die Messung von 4 + 4 = 8 Kanälen oder 4 + 8 = 12 Kanälen bereitstellen. 

Als Nachfolger des DLM4000 wartet das DLM5000 mit einer komplett redesignten Hard- und Softwareplattform auf und bietet damit einige wesentliche Verbesserungen in Bezug auf die Performance und Bedienbarkeit. Neu sind unter anderem das analoge Frontend, das Datenerfassungssystem, der Trigger-Kreis und die CPU-Plattform. Damit wurde im Vergleich zum Vorgängermodell beispielsweise eine Verdopplung der Abtastrate auf 2,5 GSamples/s auf allen analogen Kanälen erreicht. Zudem wurde das Eigenrauschen des Geräts minimiert, wodurch die Eingangsempfindlichkeit auf nunmehr 0,5 mV/div gesenkt wurde.

Der optional bis auf 500 MPunkte/Kanal erweiterbare interne Speicher erfasst auch lange Aufzeichnungen von mehr als 80 Minuten (100 kSamples/s) oder viele schnelle Signal-Triggerungen im Nanosekunden-Bereich hintereinander. Mit Hilfe der History-Funktion ist ein Rückblick dieser vielen schnellen Triggerungen möglich. Der History-Speicher ist automatisch im Hintergrund aktiv und legt die vergangenen bis zu 100.000 Triggerungen in Segmente ab, so dass der Anwender diese nach der Messung wieder aufrufen kann. Die Triggerungen lassen sich individuell betrachten - einzeln, der Reihe nach oder überlagert - um sofort grafisch eine Abweichung feststellen zu können.

Mit unterschiedlichen Options-Paketen für die serielle Busanalyse wie UART, I2C, SPI, CAN, CAN FD, LIN, SENT, CXPI und FlexRay stellt das DLM5000 dedizierte Trigger-Funktionen und eine Echtzeit-Dekodierung zur Verfügung. Es können bis zu vier unterschiedliche Busse mit verschiedenen Geschwindigkeiten gleichzeitig analysiert und individuell in zwei Zoom-Fenstern oder als Analyselisten angezeigt werden. Anhand der intelligenten Auto-Setup-Funktion für die seriellen Busse wird beispielsweise die Bitrate und die Triggerschwelle automatisch erkannt – was dem Anwender den Messeinstieg deutlich erleichtert. 

Einen weiteren Entwicklungsschwerpunkt hat Yokogawa auf das flexible Bedienkonzept des DLM5000 gelegt. Der Anwender kann das Gerät wahlweise über das kapazitive 12,1-Zoll-Touchdisplay parametrieren und steuern oder über die gewohnten Bedien- und Drehknöpfe, oder einfach über eine Kombination aus beidem. Über eine separate Taste kann die Touch-Funktion auch komplett ausgeschaltet werden, um beispielweise in extremen EMV-Umgebungen das Arbeiten zu gewährleisten oder einfach, weil die Bedienung über Tasten bevorzugt wird.

Das DLM5000 lässt sich via USB/Ethernet oder GPIB-Verbindung mit der Yokogawa-Software fernsteuern, auch ein Zugriff auf die Daten auf dem internen Arbeitsspeicher oder Flash-Speicher sind somit möglich. Zusätzlich hat das DLM5000 sowohl eine FTP-Funktion als auch USB-Festplatten-Funktion, um die Messdaten aus dem Geräte-Speicher zu übertragen. Mit Steuer-Kommandos kann das DLM5000 über eine Programmierung (eigenständig vom Kunden) ebenfalls gesteuert und so z.B. in einen Prüfstand eingebunden werden, um Geräte-Einstellungen vorzunehmen oder Messdaten zu übertragen.

Nun mag man sich im Hinblick auf die zuvor beschriebenen Mehrkanallösungen der Mitbewerber fragen, warum Yokogawa eine komplett neue Geräteplattform entwickelt und es dabei dennoch bei maximal 500 MHz Bandbreite belässt. »Das ist eine geschäftsstrategische Entscheidung«, erläutert Anna Krone, Produktmanagerin Oszilloskope von Yokogawa. »Wir bleiben damit unserer Linie treu, nicht in erster Linie den High-end-Markt zu adressieren, sondern alltags- und praxisgerechte sowie bezahlbare Lösungen für die Elektronik-Entwicklung in Automotive, Mechatronik und Energie-Management anzubieten.«

Preislich liegen die neuen DLM5000-Geräte zwischen 8000 und 17.500 Euro. Mit einer kurzen Übergangszeit soll die neue Serie die 2012 erstmals vorgestellte DLM4000-Serie ersetzen. Der Preisunterschied zwischen beiden Serien ist nicht allzu hoch, beim Grundgerät sind es etwa 1300 Euro. »Dafür bekommt der Kunde die doppelte Abtastrate, den zehnfachen Speicher, Touchscreen, eine komplett überarbeitete Hardware und vieles mehr«, so Anna Krone abschließend.
 

Seite 4 von 4

1. »Der Bedarf an Mehrkanalmessungen wächst«
2. Tektronix: 4, 6 oder 8 FlexChannel-Kanäle
3. Keysight: 4 oder 8 Kanäle im 8-in-1-Gerät
4. Yokogawa: 4, 8, 12 oder gar 16 analoge Kanäle

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Yokogawa Deutschland GmbH, YOKOGAWA Deutschland GmbH Niederlassung Herrsching Test- und Messtechnik, Yokogawa Ges.m.b.H., Keysight Technologies, Tektronix, Tektronix GmbH