Schwerpunkte

Cyberangriff auf EMA-Behörde

Hacker erbeuten Impfstoff-Daten

10. Dezember 2020, 11:45 Uhr   |  Annette Birschel und Christoph Dernbach, dpa


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Spekulationen über die Auftraggeber des Hacker-Angriffs

Ein wirksamer Corona-Impfstoff hat kann volkswirtschaftlich von gigantischem Nutzen sein: Je früher ein Vakzin verfügbar ist, desto näher rückt eine Rückkehr zu einem Leben ohne Lockdown-Beschränkungen. Daher sind viele Nationen aktiv am Impfstoff-Rennen beteiligt.

Russland hatte Mitte August noch vor Abschluss der international üblichen klinischen Tests einen ersten Corona-Impfstoff mit dem Namen «Sputnik V» zugelassen. Allein dieser Name erinnert an den Wettlauf ins All in den 1950er- und 1960er-Jahren. Neutrale Experten kritisieren dieses Vorgehen als riskant. In China wurde der Impfstoff von Sinovac im Rahmen einer Notfallzulassung genehmigt und bereits an hunderttausende Menschen verteilt.

Russland und China sind bekannt dafür, mit hoch spezialisierten Hacker-Truppen geistiges Eigentum aus dem Westen zu erbeuten. So warfen britische Behörden bereits im Sommer Hackern vor, im Auftrag Moskaus weltweit Cyber-Spionage bei Impfstoff-Forschern zu betreiben. Allerdings gab es am Donnerstag keine handfesten Beweise dafür, dass die Angreifer aus Russland oder China kamen.

Nun geht es um Schadensbegrenzung: Pfizer und Biontech betonten, dass nach ihrem Wissen keine Daten über die Testpersonen abgegriffen wurden. Die Pharmaunternehmen seien zudem von EMA informiert worden, dass der Angriff »keine Auswirkungen« auf das Zulassungsverfahren für den Impfstoff habe. Die Europäische Arzneimittel-Behörde teilte mit, dass während der Untersuchungen zu der Attacke keine Details veröffentlicht werden könnten.

EMA-Direktorin Emer Cooke äußerte sich unterdessen am Mittwochabend positiv über die mögliche Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech und Pfizer. »Wir sind immer überzeugter von den Testergebnissen, die uns vorliegen«, sagte sie in einem TV-Interview. Ende Dezember werde darüber eine Entscheidung fallen. Der Impfstoff zeige eine hohe Wirksamkeit von fast 95 Prozent bei 30 000 Testpersonen und habe kaum Nebenwirkungen.

Am 29. Dezember sei ein Treffen der EMA mit allen Arzneimittelbehörden der 27 EU-Mitgliedsstaaten angesetzt. Dann solle die Entscheidung über die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes in der EU fallen, sagte die Direktorin. Bis dahin prüften die Experten Tag und Nacht die Testergebnisse.

Seite 2 von 2

1. Hacker erbeuten Impfstoff-Daten
2. Spekulationen über die Auftraggeber des Hacker-Angriffs

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet, dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH