Schwerpunkte

Rohde & Schwarz

Fünf Trends im Automotive Testing

25. Mai 2020, 09:40 Uhr   |  Nicole Wörner


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Trend 3: Automotive Radar, Trend 4: Die neue Connectivity

Auf dem Weg zum autonomen und unfallfreien Fahren hat sich Radar neben Kamera und Lidar als Schlüsselsensor für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) etabliert. Radarsensoren sind am Markt weit verbreitet und helfen bereits heute, kritische Situationen zu vermeiden und Unfälle zu verhindern. Ihr großer Vorteil gegenüber Kamera oder Lidar ist die bessere Witterungsunabhängigkeit. Der Fortschritt bei Radar ist nach wie vor rasant. Ziel sind bildgebende 4D-Radare, die neben einer hohen Winkel- und Abstandsauflösung gleichzeitig auch Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit von Objekten fein aufgelöst erfassen.

Daraus ergeben sich stark steigende Ansprüche an die Messtechnik. So steigt mit wachsender Antennen-Aperture der nötige Abstand für direkte Fernfeld-Messungen exponentiell auf impraktikable Entfernungen an. Ideal ist hierfür eine äußerst kompakte Messkammer, die über einen hochpräzisen Reflektor ideale Fernfeld-Bedingungen in kleinem Abstand erzeugt.

Die steigenden Sicherheitsanforderungen und damit verbundene Haftung für SAE Level 3–5 verlangen eine immer bessere Testqualität bei Entwicklung und Produktion. Eine Komplettlösung zum Abtesten aller ETSI- und FCC-Regularien schafft Sicherheit. Aufgrund der hohen Marktdurchdringung und neuer Modulationsverfahren wird das Thema Interferenz immer wichtiger. Relevante Szenarien können mit Signalgeneratoren und Zielsimulatoren im Labor nachgestellt und untersucht werden.
Weil bei der Kalibrierung von Sensoren mit Corner-Reflektoren wesentliche Entfernungsbereiche nicht abgedeckt werden können, wird hierbei zukünftig fast ausnahmslos aktive Zielsimulation eingesetzt.

Aus Designgründen werden Radare in komplexen Radomen oder unsichtbar hinter Stoßfängern verbaut. Rohde & Schwarz bietet für die Produktion und Integration solcher Kunststoffteile eine hochauflösende Testlösung, die die radarrelevanten Parameter bei hoher Taktzeit validiert.

Rohde & Schwarz
© Rohde & Schwarz

Die schnelleren Ethernet-Geschwindigkeiten benötigen eine höhere Sendefrequenz. Deshalb gewinnt die Messung der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) und Interferenz (EMI) an Bedeutung.

Trend 4: Die neue Connectivity

Der Austausch von Informationen zwischen Verkehrsteilnehmern untereinander, mit intelligenter Straßeninfrastruktur und internetbasierten Cloudsystemen ist Voraussetzung, um kritische Situationen zu vermeiden. Der Fahrer und in Zukunft das automatisierte Fahrzeug können frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten, um Unfälle zu verhindern, den Verkehrsfluss zu verbessern und den Fahrtkomfort zu steigern. Die erste Generation des Intelligenten Transportsystems (ITS) setzt den Fokus auf sicherheitsrelevante Anwendungen auf Basis der WLAN-Technologie nach IEEE 802.11p. Jedoch nutzen die Autohersteller heute vermehrt die seit 2014 standardisierte Cellular-V2X- (C-V2X) Technologie, die Bestandteil von 4G LTE und zukünftig 5G ist.

C-V2X-Anwendungen benötigen eine zuverlässige Funkübertragung, um den geforderten Datendurchsatz zu erzielen und Informationen rechtzeitig zu übermitteln. Um dies zu gewährleisten, müssen Empfänger in der Lage sein, Signale auch unter schwierigen Übertragungsbedingungen zu dekodieren, beispielsweise bei geringem Signal-zu-Interferenz-und-Rausch-Abstand (SINR), mangelhaftem Fehlervektorbetrag (EVM) infolge nicht optimaler Modulation und starkem Fading.
Für die Nachbildung dieser Bedingungen im Labor ist hochperformante Messtechnik erforderlich, die in der Lage ist, C-V2X-Signale, herausfordernde Fading-Bedingungen und Satellitensignale für eine extrem genaue Positionsbestimmung zu erzeugen und zu analysieren.

Um ein ITS zu realisieren, müssen Sende- und Empfangseinheiten interoperabel sein. Das sichert ein kontinuierlicher Qualitäts- und Validierungsprozess, der in der Entwicklung und Produktion über alle Integrationsschritte angewendet und auf die abschließende Zertifizierung vorbereitet wird. Die Messtechnik muss die Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Teilkomponenten belegen, bevor sie zu Modulen und On-Board Units (OBUs) zusammengefügt werden. Die Funkeinheiten werden mit Signalgeneratoren, Analysatoren und Produktionstestlösungen als Teil der Non-Signaling-Tests qualifiziert. Die Protokolle und deren Konformität werden mittels Kommunikationstestern geprüft und sind Bestandteil der Signaling-Tests. Dabei folgen die ITS-Anwendungsprotokolle regional unterschiedlichen Standards. Die Messlösungen müssen deshalb berücksichtigen, dass jeder Markt individuelle Anforderungen hat. Das umfasst sowohl regulatorische wie auch Industrievorgaben. So wird China C-V2X zuerst auf dem Markt einführen und die Testvorgaben definieren.

Seite 2 von 3

1. Fünf Trends im Automotive Testing
2. Trend 3: Automotive Radar, Trend 4: Die neue Connectivity
3. Trend 5: 5G im Automotive-Segment

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

»Wir mussten eine neue Sprache lernen«
Keysight und Dekra kooperieren
5G-Basisstationen testen
Automotive-Messdaten systematisch aufbereitet
Erste Messgeräte mit 1,35-mm-E-Steckverbinder

Verwandte Artikel

Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG, Rohde&Schwarz Messgerätebau GmbH