Recom auf dem Weg zum Komplettanbieter »Wir wollen von politischen Entscheidungen unabhängig sein«

Karsten Bier, Recom: »Mit der Übernahme von PCS ermöglichen wir unseren Kunden den Zugriff auf Stromversorgungen und Stromversorgungsystemlösungen bis 10 kW über unsere bewährte Vertriebsstruktur. PCS wird auch nicht unsere letzte Akquisition sein!«

Mit der Übernahme des italischen Stromversorgungshersteller PCS steigt Recom in den Markt mit Stromversorgungen bis zu 10kW und kompletten Systemstromversorgungslösungen für den Bahn- Automotive-,und Industrieelektronikbereich ein.

Eine weitere entscheidende Entwicklung auf dem Weg zum Komplettanbieter, wie CEO Karsten Bier erläutert.

Markt&Technik: Herr Bier, Sie haben vor Kurzem den italienischen Stromversorgungshersteller PCS übernommen. Wie passen dessen Produkte in Ihr bisheriges Produktportfolio?

Karsten Bier: Hervorragend! Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: PCS fokussiert sich auf eine höhere Leistungsklasse bis zu 10 kW für kundenspezifische Stromversorgungen und liefert komplette Stromversorgungssysteme – ein Ziel, das sich Recom für die Zukunft gesetzt hat. Eines dieser PCS-Systeme, ein BMS, wurde gerade auf der PCIM in Nürnberg am Stand unseres Distributionspartners Rutronik vorgestellt. Wir wollen in Zukunft der Komplettanbieter für die Power-Architektur werden!

Damit begeben Sie sich natürlich in ein ganz neues Marktsegment. Recom war bislang vor allem distributionsorientiert. Passt das in puncto Vertriebsstruktur?

Ja! Allerdings wird sich der Anteil des Design-in-Supports für unsere Produktspezialisten erheblich erhöhen. Besonders im Bereich der kundenspezifischen Lösungen wollen wir das Gespräch von Entwickler zu Entwickler suchen. Wir beliefern heute bereits mehr als 100.000 Kunden weltweit, darunter viele Tier-1-Kunden, für die wir Vorzugslieferant sind. Wegen der großen Anzahl von Recom-Produkten im Einsatz sind wir ein wichtiger Lieferant unserer Kunden. Die Distribution spielt hier eine erhebliche Rolle und motiviert uns, höhere Leistungen und kundenspezifische Lösungen anzubieten. Die PCS-Produkte wurden gerade erstmals auf der PCIM in Nürnberg präsentiert. Derzeit sind wir damit beschäftigt, unser neues Produktprogramm aktiv in die Vertriebsaktivitäten unserer etablierten Partner einzubringen.

PCS hat bisher vor allem den italienischen, französischen und Schweizer Markt bedient. Ihr Marktansatz ist dagegen global. Wie passt das zusammen?

Vor allem bei Kunden im Bahn- und Industriebereich ist das Unternehmen bestens etabliert und möchte seinen Erfolg in neue Märkte und Geschäftsfelder tragen. Wir werden die notwendige Struktur zur Skalierung des PCS-Erfolgsmodells zur Verfügung stellen. Wir sind froh, dass wir die beiden PCS-Gründer Roberto Fiorot und Mauro Piai von unserem großen Potenzial überzeugen konnten und wir diesen Weg nun gemeinsam gehen werden.

PCS arbeitet im Bereich kundenspezifischer Lösungen in kleineren, mittleren Stückzahlen. Wie passt das zum bisherigen, eher hochvolumig geprägten Geschäftsmodell von Recom? Ist der Unterschied zwischen diesen beiden Ansätzen nicht zu groß?

Nein. Im kundenspezifischen Geschäft geht es weniger um die Stückzahl als um die Wertigkeit des Projektes. Wir beobachten schon seit Längerem, dass sich am Markt zunehmend eine Lücke auftut, wenn es um kundenspezifische Stromversorgungen mit einem Auftragswert von 500.000 bis 2,5 Millionen Euro geht. Dieses Auftragsvolumen ist zu groß für viele mittelständisch geprägte Stromversorgungsspezialisten, aber zu klein für die ganz Großen der Branche, die heute vorwiegend aus Asien kommen. Diese Lücke wollen wir mit erstklassigem, lokalem Support, aus unserer Sicht der Schlüssel zum Erfolg, bedienen. „Kein Empfang unter dieser Nummer …“ wird es bei uns nicht geben.