Recom auf dem Weg zum Komplettanbieter »Wir wollen von politischen Entscheidungen unabhängig sein«

Zielsetzung ist der Weltmarkt

Ein Bereich, den Sie seit der Übernahme eines Entwicklungs-Teams von Artesyn in Wien bereits seit 2018 bearbeiten. Sehen Sie noch weitere Produktsegmente, in denen die Recom-Gruppe in Zukunft aktiv werden könnte?

Es gibt einige Marktsegmente, in denen wir unsere PS noch nicht wirklich auf Schiene gebracht haben. Mit einer hochautomatisierten Fertigung und einem leistungsfähigen Design-to-Manufacture-Team bieten sich noch viele Möglichkeiten. Natürlich wird China auch weiterhin ein Schlüsselmarkt bleiben. Das Bestreben dort richtet sich darauf, soviel Power und Logik wie nur möglich in modulare Lösungen zu packen. Ich sehe zudem ein wachsendes Interesse der Halbleiter-Hersteller, die in das hochintegrierte Power-Modul-Geschäft stoßen wollen, in dem wir bereits tätig sind. Unser Entwicklungsteam in Gmunden ist hier bereits sehr engagiert und wichtiger Ansprechpartner.

Ihre Zielsetzung ist der Weltmarkt, ihre Produktionsbasis Asien. Wie sehen Sie die Zukunftschancen der mittelständisch geprägten deutschen und europäischen Stromversorgungsbranche?

Unsere Branche ist ein essenzieller Bestandteil der Technologieentwicklung in Europa! Die enge Zusammenarbeit mit den Kunden in Europa ist in meinen Augen der Schlüssel zum Erfolg vieler mittelständischer Unternehmen in dieser Branche. Dieses Asset gilt es zu fördern und für fairen, globalen Wettbewerb auszubauen - dies ist als Appell an die Wirtschaftspolitik der EU zu verstehen, andernfalls werden wir eine weitere Abwanderung einer Schlüsselindustrie nach Asien erleben.

Unternehmen wie Recom haben verstanden, dass es der Weltmarkt ist, der über den Erfolg und das Wachstum eines Unternehmens entscheidet; dies gilt es zu fördern. Die kritische Masse, um auch in Zukunft die Kraft zu haben, technische Neuerungen voranzutreiben und auf Marktveränderungen rasch reagieren zu können, ist der Schlüssel zum Erfolg. Technische Leistungsfähigkeit hat für sich betrachtet wenig Wert, wenn sie nicht dazu beiträgt, dass der jeweilige Stromversorgungs-Spezialist für seine Kunden schlicht unersetzbar ist.

Sie liefern bereits seit Jahren in den Markt für E-Mobility-Lösungen. Welche Bedeutung wird dieses Marktsegment nach Ihrer Ansicht in Zukunft für die Stromversorgungsbranche haben?

In China, Indien und anderen Ländern sind unsere hochisolierten Stromversorgungen bereits sehr gut etabliert. Wir machen uns die noch vorhandenen niedrigeren Barriers to Entry in den lokalen E-Mobility-Märkten zunutze. „Geschwindigkeit vor Bürokratie“ macht es für innovationsstarke, mittelständische Unternehmen einfacher, in diesen sich schnell verändernden Märkten als Lieferant Fuß zu fassen, als dies in Europa oder den USA aufgrund von bürokratischem Aufwand der Fall ist. China hat sich nicht nur zum größten Automobilmarkt der Welt entwickelt, auch beim Thema E-Mobility ist China inzwischen die fast alles treibende Kraft. Wir werden sehen, wie europäische Hersteller auf diese Situation reagieren und ob die Stromversorgungsbranche davon profitieren kann. Generell gilt: Sich auf ein exportorientiertes Modell zu verlassen wird nicht reichen.