Recom auf dem Weg zum Komplettanbieter »Wir wollen von politischen Entscheidungen unabhängig sein«

Wie wichtig ist der chinesische Markt?

Sollten die Bedarfe in höhere Stückzahlen gehen, werden Sie sicher die Infrastruktur der Recom-Gruppe nutzen, um Produkte von PCS oder auch die Produkte mit hohen Ausgangsleistungen, an denen derzeit Ihr Wiener Entwicklungsteam arbeitet, in Asien zu fertigen, oder?

Das hängt vom jeweiligen Projekt und der Größe des Fertigungsauftrags ab. Wir haben aktuell die Möglichkeit, in Österreich oder Italien fertigen zu lassen, wenn es um europäische Projekte geht. Darüber hinaus können wir auch an unserem neuen Standort in Xiamen/China produzieren, allerdings bedarf es hier noch einiger Anpassungen, bis wir soweit sind. Vor Ort wird gerade das vierte Geschoss unseres Produktionsgebäudes ausgebaut, um in Zukunft dort auch Stromversorgungen mit größeren Ausgangsleistungen produzieren zu können. Und das ist noch nicht das Ende!

Wie meinen Sie das? Planen Sie den Bau neuer Produktionsstätten in Taiwan oder China?

In Taiwan ist unsere dortige Struktur für die Fertigung leistungsstärkerer Stromversorgungslösungen nicht optimal. In Xiamen erfolgte vor Kurzem der Spatenstich unseres Partners für den Bau einer insgesamt mehr als 76.000 m2 umfassenden Produktionsstätte. Eines dieser neuen Gebäude wird uns in zwei Jahren für die Fertigung zur Verfügung stehen.

Unter anderem durch die Akquisition von PCS wird die Recom-Gruppe in diesem Geschäftsjahr ihrem Ziel der 100-Millionen-Dollar-Marke einen weiteren Schritt näher kommen. Sie haben in den letzten Jahren massiv in den Ausbau verschiedener Standorte investiert. Wie hoch waren diese Investitionen insgesamt?

Das ist ein fortlaufender Prozess, in den wir über die Jahre im mittleren zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich investiert haben. Auch wenn wir für den Bau der neuen Fertigung in China staatliche Förderung erhalten, bedarf es jetzt doch erst einmal vier, fünf Monaten der Evaluierung der Produktionsprozesse und -Kapazitäten, die wir in Xiamen aufbauen wollen. Wenn der Aufbau steht und die Fertigungsprozesse eingefahren sind, sehe ich die Möglichkeit, das Umsatzvolumen unserer Gruppe in den nächsten Jahren verdoppeln zu können. Bisher stammt der Löwenanteil unseres Umsatzes noch aus dem Low-Power-Bereich – in zwei bis drei Jahren ist es aber vorstellbar, dass Produkte mit größerer Leistung bis zu zwei Drittel zum Gruppenumsatz beitragen.

Welche Rolle spielt der chinesische Markt in Ihren Zukunftsplänen?

Unsere Produktion in China fertigt nicht nur, aber doch einen großen Anteil für den chinesischen Markt. Das gilt zukünftig auch für Bahntechnik-Produkte. Wir sehen gerade für das Bahntechnik-Know-how und die Bahntechnik-Produkte von PCS einen interessanten und lukrativen Markt in China. Vor dem Hintergrund der handelspolitischen Spannungen zwischen den USA, China und Europa, aber auch der ökonomischen und ökologischen Vernunft ist eine flexible Standortfertigung ideal für die Zukunft.

Stichwort Bahntechnik – Recom ist vor knapp drei Jahren mit einem umfangreichen Wandler-Modul-Programm in diesen Markt eingestiegen. Wie gut konnten Sie sich dort bisher etablieren?

Inzwischen zählen wir jeden Tier-1-Kunden in der Bahntechnik zu unserem Kundenkreis – das gilt sowohl für Europa, die USA wie für China. Mit dem Know-how und den Geschäftsbeziehungen von PCS werden wir dieses Geschäft in den nächsten Jahren weiter vorantreiben, denn mit unseren systemrelevanten Lösungen werden wir für unsere Kunden immer wichtiger. Diese Motivation ist es, warum die beiden PCS-Gründer Fiorot und Piai auch weiterhin an Bord bleiben und sich ganz dezidiert der strategischen Entwicklung der Recom-Gruppe im Bereich der hohen Leistungen widmen werden.