Interview: Rolf Aschhoff, Mornsun Power »Wir sind der Herausforderer«

Rolf Aschhoff, Mornsun Power: »Bei jährlichen Wachstumsraten von über 20 Prozent zählen Industrieelektronik und PV-Anwendungen und Automotive zu unseren wichtigsten Absatzmärkten. In den kommenden fünf Jahren wollen wir die DACH-Region zu einem wichtigen Umsatzträger für Mornsun entwickeln.«
Rolf Aschhoff, Mornsun Power: »Bei jährlichen Wachstumsraten von über 20 Prozent zählen Industrieelektronik und PV-Anwendungen und Automotive zu unseren wichtigsten Absatzmärkten. In den kommenden fünf Jahren wollen wir die DACH-Region zu einem wichtigen Umsatzträger für Mornsun entwickeln.«

Ein gutes halbes Jahr, nachdem Mornsun und SE Spezial Electronic das Joint Venture Mornsun Power gegründet haben, strebt dessen Geschäftsführer Rolf Aschhoff bis 2022 eine Verfünffachung des Umsatzes in der DACH-Region an. Neben DC/DC-Modulen gibt es dazu neue Ideen.

Markt&Technik: Herr Aschhoff, SE Spezial Electronic hat vor einem halben Jahr zusammen mit Mornsun die Mornsun Power in Deutschland gegründet. Wie kam es dazu?

Rolf Aschhoff: Seit Mornsun im Jahr 2012 auf dem europäischen Markt aktiv geworden ist, hat sich SE Spezial Electronic schnell als der wachstumsstärkste Distributor in Europa erwiesen. Ab dem Jahr 2016 gab es Überlegungen, diese Zusammenarbeit zu intensivieren und weiter auszubauen. Im Juli letzten Jahres gingen diese Verhandlungen in die entscheidende Phase und Mitte November 2017 gründeten wir dann gemeinsam das Joint Venture Mornsun Power.

Chinesische Hersteller sind in der Regel über die Distribution in Europa aktiv. Das war am Anfang ja auch bei Mornsun so. Warum hat man sich dann doch für eine eigene Niederlassung entschieden?

Man will verstehen, wie der Kunde in Europa tickt. Das geht über die Distribution nur zum Teil. Wenn ich hier mit einer eigenen Organisation präsent bin, dann ist das noch einmal ein ganz anderer Draht in die Werke und Entwicklungsabteilungen des Herstellers. Mornsuns erklärtes Ziel ist der Einstieg ins OEM-Geschäft, und das geht über eigene Niederlassungen wesentlich einfacher als über Distributionspartner. Die Vertrauensbasis ist da erfahrungsgemäß noch einmal eine ganz andere. In diesem Punkt unterscheidet sich Mornsun ganz klar von den vielen kleineren chinesischen Stromversorgungs-Herstellern, die den deutschen Markt bislang nur über die Distribution bedienen.

Welche Stellung nimmt das Unternehmen auf dem chinesischen Markt ein und welche Bedeutung hat bisher das Auslandsgeschäft für Mornsun?

Mornsun wurde vor 20 Jahren von George Yin gegründet und hat heute, bezogen auf Stromversorgungs-Module, einen Marktanteil von 35 Prozent in China. Im letzten Geschäftsjahr betrug der Umsatz 99 Millionen Dollar. Für das Geschäftsjahr 2018 liegt der Forecast bei 130 Millionen Dollar. Für 2022 strebt das Unternehmen 300 Millionen Dollar Umsatz an. Rund 90 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen in Asien, der Großteil davon entfällt mit rund 60 Prozent auf den chinesischen Heimatmarkt. Die restlichen 10 Prozent verteilen sich vor allem auf die USA und Europa.

Mit dem Schritt nach Europa differenziert sich Mornsun bereits von anderen chinesischen Stromversorgungs-Herstellern. In welchen Punkten hebt sich das Unternehmen sonst noch von anderen chinesischen Anbietern ab?

Das Unternehmen ist ganz klar technologiegetrieben. Mornsun beschäftigt aktuell rund 300 Entwickler und Ingenieure. Das entspricht einem Zehntel der derzeit 3000 Mitarbeiter des Unternehmens. Yin will diese Zahl bis 2022 auf rund 1000 Ingenieure erhöhen. Diese starke Entwicklungsausrichtung hat dazu geführt, dass das Unternehmen aktuell 329 Patente hält, 30 davon gelten auch international. Auch die Tatsache, dass der Automatisierungsgrad bei Mornsun inzwischen bei über 60 Prozent liegt, ist für einen klassischen Stromversorgungs-Hersteller aus China unüblich.

Mornsun hat sich den Luxus geleistet, einen eigenen PWM-Controller-IC zu entwickeln. Warum hat man das getan?

Man war schlicht und einfach unzufrieden mit der Qualität der Produkte, die zuvor eingesetzt wurden. Wir haben da unser Lehrgeld gezahlt, auch beim Versuch, extern einen eigenen IC entwickeln zu lassen. Erst der Entschluss, die Aufgabe mit einem eigenen, 20-köpfigen Entwicklerteam anzugehen, brachte den gewünschten Erfolg. 

Ein anderes aktuelles Beispiel für die Entwicklungsanstrengungen der Ingenieure in China ist ein Ringkern mit Kerbe sowie die Entwicklung der neuen R3-Wandler-Generation. Wo liegen die Vorteile dieser Lösungen?

Dieser Ringkern mit Kerbe verhält sich letztlich wie ein Ringkern mit Luftspalt. Er dient dazu, die Verluste bei geringer Last zu vermindern und damit die Gesamtschaltverluste des Wandlers zu reduzieren. Im Fall der R3-Wandler haben die Entwickler es durch ein hochintegriertes Schaltungsdesign geschafft, die bekannten Nachteile der Royer-Schaltungen, wie etwa die ungleichmäßige Leistungsfähigkeit der Wandler, zu eliminieren. So beträgt bei einem R3-Wandler mit einer festen Ausgangsspannung von 5 V die maximale Lastkapazität nun 2400 µF, bei klassischen Royer-Schaltungen waren es bisher nur 200 µF. 

Wie ist die Verteilung zwischen AC/DC- und DC/DC-Geschäft?

Mornsun kommt aus dem DC/DC-Bereich. Vor diesem Hintergrund liegt der DC/DC-Anteil heute bei etwa 80 Prozent. Der AC/DC-Anteil liegt aktuell bei weniger als 20 Prozent, er soll in Zukunft aber deutlich ausgebaut werden. 
Auf welche Einsatzbereiche verteilt sich der Mornsun-Umsatz im Wesentlichen?
Stärkstes Segment ist ganz sicher der Industriesektor, darauf entfallen mehr als 45 Prozent. Vor dem Hintergrund des starken PV-Marktes in China trägt dieses Marktsegment mit 19 Prozent zum Unternehmensumsatz bei. Das kleinste der drei größten Absatzsegmente ist bisher der Automotive-Bereich. Er steuert bislang 13 Prozent zum Mornsun-Umsatz bei.