Kursturbulenzen durch Patentverletzungen Wie Varta sich jetzt wehren will

Herbert Schein, 
CEO, Unternehmens­-­gruppe VARTA Micro­battery GmbH/
VARTA Storage GmbH: »Energiespeicher werden das Trendthema sein und vor allem ihre Rolle im intelligent vernetzten Zuhause. Connectivity ist hier das Stichwort. Zudem können sich die Besucher auf zahlreiche Produktverbesserungen und Weiterentwicklungen freuen, wie etwa unseren bunten Varta element 9.«
Herbert Schein, Varta: »Wir streben 2020 einen Weltmarktanteil von über 50 Prozent bei der Batterieausstattung von True Wireless Headsets an. Patentverletzungen werden wir darum in keinster Weise akzeptieren.«

Varta hatte im Rahmen regelmäßiger Wettbewerbstests bereits Mitte Dezember festgestellt, dass chinesische Kopien seiner aufladbaren Lithium-Zellen in kabellosen Kopfhörern mehrerer Hersteller eingesetzt werden.

Dagegen wurden inzwischen rechtliche Schritte ergriffen und Einzelhändler sowie Hersteller abgemahnt. Varta besitzt relevante Schutzrechte in Europa, den USA, China und Japan und geht gegen alle Patentverletzungen vor.

»Wir werden auf keinen Fall solch grobe Patentverletzungen akzeptieren«, versichert Hubert Schein, CEO der Varta. »Wenn die Abgemahnten nicht nach Fristende reagieren, werden wir entsprechende einstweilige Verfügungen erwirken.« Schein weist auch darauf hin, dass den Kopien ein ganz entscheidendes Schutz-Feature der CoinPower-Zellen von Varta fehlt – der Three-Step-Safety-Mechanismus. Er sorgt dafür, dass die Zelle im Fall eines Defekts nicht sofort Feuer fängt. Ohne diesen Mechanismus könnte ein Fehler vor allem bei im Ohr getragenen Geräten zu nachhaltigen Verletzungen führen.

Wirtschaftspresse und Wirtschaftsdienste berichteten, dass Varta aufgrund dieser Vorkommnisse in Gefahr geraten könnte, seine führende Position als Lieferant von wiederaufladbaren Lithium-Akkus vor allem für True Wireless Headsets zu verlieren. Auch unter dem Eindruck dieser Berichterstattung sank der Kurs der Varta-Aktie von 123,30 Euro (2. Januar 2020) auf 81,10 Euro am 13. Januar. Zum Redaktionsschluss hatte sich der Aktienwert wieder auf 92,80 Euro erholt. Welch massive Auswirkungen dies auf den Börsenwert des Unternehmens hatte, lässt sich daran ablesen, dass Vartas Marktkapitalisierung Ende Dezemember noch bei rund 5 Milliarden Euro gelegen hatte.

Auf Varta-Seite war man seit Beginn der Turbulenzen aber nicht untätig. Durch die Kommunikation klarer Produktionsziele versuchte man den Mutmaßungen, es sei aufgrund der zu geringen Produktionskapazitäten bei Varta zum Einsatz der Kopien gekommen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. So gab Varta Donnerstag letzter Woche bekannt, dass die Produktionskapazität für Lithium-Ionen-Zellen nun bereits bis Ende 2021 auf 200 Millionen Zellen jährlich steigen soll. Bislang lag das Produktionsziel ab 2022 bei 150 Millionen Zellen. Zudem soll nun bereits zur Jahresmitte 2020 eine Produktionskapazität von mindestens 100 Millionen Zellen jährlich zur Verfügung stehen.

Als im September letzten Jahres die Produktionssteigerung von 100 auf 150 Millionen Zellen angekündigt wurde, bezifferte Varta das zusätzliche Investitionsvolumen für diese Produktionssteigerung auf rund 130 Millionen Euro. Mit der Ankündigung der Steigerung auf 200 Millionen Zellen dürfte sich das notwendige Investitionsvolumen nun noch einmal nach oben bewegen. Finanziert werden sollen die zusätzlichen Investitionen nach Darstellung von Varta aus dem Mittelzufluss des operativen Geschäfts in Verbindung mit weiteren Kundenanzahlungen. Darüber hinaus steht dem Unternehmen eine revolvierende Kreditlinie von über 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Neben der Produktionssteigerung treibt Varta auch die technische Entwicklung seiner CoinPower-Zellen voran. Schein kündigte darum zu Jahresbeginn an, »dass wir noch in diesem Jahr eine Lithium-Ionen-Zelle mit einer um 15 Prozent höheren Energiedichte auf den Markt bringen werden. Ihre Zyklenfestigkeit wird bei 1500 Lade- und Entladezyklen liegen«. Das Zusammenspiel aus Durchsetzung von Patenten und parallel dazu schnellen Innovationsfortschritten soll den bisher bestehenden Wettbewerbsvorteil im Bereich hochkapazitiver Knopfzellen für mobile Elektronikprodukte weiter ausbauen. »Wir streben in diesem Jahr einen weltweiten Marktanteil von über 50 Prozent bei True Wireless Headsets an«, unterstreicht Schein noch einmal diese Ambitionen.

Im Zuge der angekündigten Produktionserweiterungen werden an den beiden Varta-Hauptproduktionsstandorten für Lithium-Ionen-Batterien in Deutschland, Ellwangen und Nördlingen, voraussichtlich rund 600 neue Arbeitsplätze geschaffen. In Ellwangen wird neben der Lithium-Ionen-Zellenproduktion die Elektrodenproduktion durch ein neues Produktionsgebäude massiv erweitert. Am Standort Nördlingen wird die Lithium-Ionen-Zellenproduktion ebenfalls durch einen Neubau aufgestockt, der an die bestehende Produktion angrenzt.

Durch die Turbulenzen des Aktienkurses geriet zu Jahresbeginn eine weitere Meldung im Zusammenhang mit Varta in den Hintergrund. Am 2. Januar wurde die im Mai letzten Jahres angekündigte Akquisition der Varta Consumer Batteries erfolgreich abgeschlossen. Damit gliedert sich der Varta-Konzern nun in die beiden Segmente „Microbatteries and Solutions“ und „Household Batteries“. Da sich das Umsatzvolumen von Varta Consumer Batteries zuletzt bei etwa 300 Millionen Euro bewegte und Varta für den Bereich „Microbatteries and Solutions“ für 2019 ein Umsatzvolumen von 330 bis 340 Millionen Euro erwartet, dürfte der Umsatz des Gesamtunternehmens sich 2020 wohl Richtung 700 Millionen Euro bewegen.