80 Jahre Block Transformatoren »Wenn nötig, übernehmen wir ein Unternehmen in Großbritannien«

Wolfgang Reichelt, CEO Block Transformatoren-Elektronik: „Zum Thema Brexit halten wir uns alle Optionen offen. Sollte es notwendig sein, bin ich auch bereit, ein Unternehmen in Großbritannien zu übernehmen, um unsere Geschäfte weiter so fortführen zu können wie bisher.“

Europas Nummer 1 unter den Transformatoren-Herstellern – die Block Transformatoren-Elektronik – wächst, wie CEO Wolfgang Reichelt erläutert, aktuell vor allem im Ausland.

Nach der erfolgreichen Etablierung einer eigenen Fertigung vor fünf Jahren in den USA produziert Block seit Anfang des Jahres nun auch in China. An einen Verkauf denkt Reichelt nicht, eher an weitere strategische Akquisitionen.

Markt&Technik: Herr Reichelt, wie stellen sich für Sie die ersten fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres dar? Registrieren Sie einen konjunkturellen Abschwung?

Wolfgang Reichelt: Über alles betrachtet können wir uns weiter über Wachstum freuen. Dieses Wachstum generieren wir aber zumeist in Drittländern. In Deutschland und Europa sehen wir uns dagegen in den letzten Monaten mit einer Stagnation konfrontiert.

Block ist an 39 Standorten rund um den Erdball aktiv. Wie reagieren Sie als global agierendes Unternehmen auf Herausforderungen wie den Brexit oder die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten?

Wenn Sie so fragen, dann sind wir eigentlich an allen derzeit nur möglichen Brennpunkten aktiv. Wir haben Geschäfte in der Ukraine, dem Iran, der Türkei, Großbritannien, den USA und China. Als einer der wenigen Hersteller von wirklich großen Filtern sind wir zwangsläufig auch in den Ländern und Regionen aktiv, die unter verschiedenen Wirtschaftssanktionen leiden. Im Fall Großbritannien und der Möglichkeit eines harten Brexits halte ich mir immer noch die Option offen, gegebenenfalls ein britisches Unternehmen zu kaufen, um dort unsere Geschäfte weiter so betreiben zu können wie bisher.

Im Hinblick auf die USA und die Wirtschaftspolitik der Regierung Trump sehe ich für uns keine negativen Auswirkungen. Wir entwickeln, produzieren und liefern je nach Bedarf in den verschiedenen Weltregionen und können damit sehr gut auf politische Entwicklungen reagieren. Für uns entwickelt sich das USA-Geschäft nach wie vor dynamisch. Die Entscheidung, dort vor fünf Jahren eine Firma in der Nähe von Chicago zu übernehmen und nach zwölf Jahren Niederlassungspräsenz in den USA auch zu produzieren, hat sich für uns als absolut richtig erwiesen. Damals ging es in erster Linie darum, amerikanische Kunden schneller und flexibler beliefern zu können. Heute verschafft uns diese Fertigung Freiheitsgrade im Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Das andere große Thema der internationalen Niederlassungen ist China. Sie haben dort im Frühjahr ein eigenes Werk eröffnet. Welche Rolle spielt China für Block?

Wir sind ja bereits seit 15 Jahren in China aktiv. Unsere Maxime in China lautet: Wir kaufen und verkaufen in China! Das heißt, wir produzieren in Kunshan seit Anfang dieses Jahres in erster Linie für den chinesischen Markt und nicht für den Export. Als mittelständisches Unternehmen konzentrieren wir uns auf Dinge, die aus unserer Sicht langfristig laufen und wirtschaftlich sinnvoll sind. Was wir in China herstellen, können wir bei Bedarf auch in Verden produzieren. Wir schützen uns auf diese Weise auch vor möglichen Lieferausfällen.