Impulse für ein nebulöses Umfeld Was bringt der Klimagipfel von Paris?

Die Teilnehmer am Expertengespräch waren Dr. Thomas Benz (VDE|ETG), Holger Krings (Phoenix Contact), Dr. Stephan Theis, (econ solutions) sowie Heinz Arnold, Chefredakteur der Markt&Technik.

Vor 11 Monaten fand der Klimagipfel in Paris statt. Wichtige Impulse gingen von ihm aus. Doch haben seine Ergebnisse Einfluss auf die tägliche Arbeit in deutschen Unternehmen? Können die deutschen Unternehmen sogar von den Entscheidungen auf höchster Ebene im Tagesgeschäft profitieren?

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Expertengespräch beim Markt&Technik-Forum

Im Markt&Technik-Forum »Energiewende« diskutierten Experten, welche Impulse die Entscheidungen auf dem Klimagipfel in Paris der Industrie weltweit und insbesondere in Deutschland geben werden.

Wohl niemand hätte erwartet, dass nach Paris sich nun die deutsche Energiewende ganz plötzlich beschleunigt. So mancher dürfte skeptisch gewesen sein, ob der Klimagipfel überhaupt etwas Greifbares bringt, weil die Teilnehmer auf so groß angelegten Konferenzen doch auf einer sehr abstrakten, von den Alltagsproblemen vor Ort oft recht abgehobenen Ebene sprechen, der Einfluss auf das Tagesgeschäft der Unternehmen sei also eher gering. Ein durchaus abschreckendes  Beispiel war das vor zwölf Jahren in Kraft getretene Kyoto-Protokoll. Ergebnisse hat es sogar auf hoher Ebene nicht gebracht.

Paris bringt also auch nichts? Ganz so wollen dies die Teilnehmer im von Markt&Technik durchgeführten Expertengespräch nicht stehen lassen. Holger Krings, Technology Management von Phoenix Contact, sieht durchaus, dass auch von einer solchen Veranstaltung Impulse ausgehen können: »Es kommt darauf an, die Trends zu erfassen und nutzbar zu machen, abzustecken, welche technischen Möglichkeiten es gibt, und in Hinblick auf die kommenden Jahre die Vorbereitungen zu treffen.« Ein Beispiel hat er auch gleich an der Hand: die Elektromobilität. Phoenix Contact hat hierzu ein eigenes Geschäftsfeld gegründet, auf internationaler Ebene ist ein Standard für Ladestecker entstanden. »Normungen voranzutreiben, ist in diesem Zusammenhang äußerst wichtig. Impulse kommen zudem aus der Forschung, wie das Beispiel des „Streetscooters“ an der RWTH Aachen eindrucksvoll demonstriert.«
Dr. Thomas Benz, Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE|ETG), zeigt sich von den Ergebnissen des Gipfels in Paris beeindruckt: »Auf politischer Ebene war der Gipfel sehr erfolgreich.« Es gebe jetzt sogar einen Konsens mit den USA und China.

Dr. Stephan Theis, Geschäftsführer von econ solutions, ist eher zurückhaltend. Auf seine tägliche Arbeit habe eine solche Konferenz eher weniger Einfluss. Zunächst müssten ja erst einmal die einzelnen Länder für sich Konsequenzen ziehen. »Derzeit scheint noch kein Weg aufgezeigt, wie denn die Ziele, die auf dem Gipfel formuliert worden sind, erreicht werden können.«

Dem stimmt Holger Krings durchaus zu: Es gebe zwar Vorstellungen, in welche Richtung sich manche Dinge entwickeln werden, »Konkretes erwächst daraus aber bislang kaum«. Er könne sich vorstellen, dass es vielleicht dazu kommt, den CO2-Zertifikatehandel wiederzubeleben. »Wer die Energiewende will, der muss einen funktionierenden Zertifikatehandel in Kraft setzen.«


Als Techniker die Politik verstehen

Das sieht Dr. Thomas Benz doch etwas anders. Er war lange Zeit bei ABB für die Energiepolitik zuständig, bevor er die Geschäftsführung der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE|ETG) übernahm, und hat nach eigenen Worten in der Zeit bei ABB gelernt »als Techniker die Politik zu verstehen«.
Nach seinen Worten hätten sich die Technik und die Politik über die letzten Jahre angenähert. Aus seiner Sicht sei eines klar: »Die Politik in Deutschland meint es ernst mit den CO2-Zielen, in Richtung Kohle wird nichts mehr unterstützt«, so Benz. »Das ist offenbar noch nicht überall angekommen. Der Ausstieg aus der Kohle ist in Deutschland auf dem Weg.« Daraus gehe klar hervor: Oberstes Ziel ist jetzt der Klimaschutz. »Als Unternehmen darf man das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das beginnt jetzt! 2025 werden wir aus der Kohle aussteigen!« Der Versicherungskonzern Allianz wie auch viele andere professionelle Investment-Gesellschaften weltweit investieren schon nicht mehr in fossile Energieträger. »Das hat bereits stattgefunden, die Kapitalmärkte haben den Klimaschutz als Geschäftsmodell schon längst angenommen.« Der staatliche Pensionsfond in Norwegen zum Beispiel lege dreistellige Milliarden-Beträge nur noch in Unternehmen an, die nicht klimaschädlich investierten, ergänzt Krings. Jetzt käme es darauf an, dass die Staaten daraus Regulierungen ableiteten, denn über die Regulierungen könnten dann langfristig ausgerichtete Geschäftsmodelle voran getrieben werden.