Puls »Vielleicht hat uns Trump einen Gefallen getan«

Bernhard Erdl, Puls: »Trump hat uns mit seiner Wirtschaftspolitik geärgert, aber wir haben die Möglichkeit, darauf flexibel zu reagieren. Letztlich stärken Trumps Strafzölle aus meiner Sicht mittel und langfristig den Fertigungsstandort Europa.«

Bernhard Erdl, Gründer, CEO und President von Puls, balanciert die Bedeutung der einzelnen Produktionsstätten seiner Unternehmensgruppe nach Trumps Strafzöllen gegen Elektronikprodukte aus China neu aus.

So investiert Puls in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Chomutov, Tschechien, und stärkt die übrigen Entwicklungs- und Produktionsstandorte in Europa.

Herr Erdl, etwa die Hälfte Ihrer Produkte wird in China produziert. Wie reagieren Sie auf die von Trump verhängten Strafzölle gegen Elektronikimporte aus China?

Bernhard Erdl: Wir drehen alles um. Wir hatten ursprünglich geplant, die Fertigungskapazitäten in unserem chinesischen Werk in Suzhou noch einmal zu erhöhen. Wir hätten dort dann 3 statt der bisherigen 2 Millionen Geräte im Jahr produziert. Das wären dann rund zwei Drittel unserer gesamten Produktion gewesen. Diese Erweiterung hätte dann für weitere zwei, drei Jahre gereicht. Nun investieren wir stattdessen verstärkt in Tschechien. In einem ersten Schritt konnten wir dort zusätzliche Lagerflächen anmieten. Im zweiten Schritt werden wir die Nachbarimmobilie kaufen und im dritten Schritt auf unserem bestehenden Grundstück neu bauen.

So verdoppeln wir die Fertigungskapazität unseres Werks in Chomutov. Dazu investieren wir etwa 15 bis 20 Millionen Euro. Es wird eine Fertigung mit hohem Automatisierungsgrad sein, und unsere dort gefertigten Neudesigns werden sich durch einen geringen Zeitaufwand in der Fertigung auszeichnen. Wir setzen also das, was wir bei der Entwicklung und Produktion der Piano-Reihe gelernt haben, nun auch konsequent für andere Produktreihen um.

Wie hoch ist aktuell der Anteil Ihres Direktgeschäfts mit den USA? Welche Bedeutung hat der asiatische Markt bisher für Puls?

Über 30 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir in den USA. Wir müssen dort auch den Strafzoll weitergeben, ein Plus von 10 Prozent können wir nicht auffangen. Und nach heutigem Stand ist das ja erst der Anfang. Trump hat zum Stichtag 1. Januar 2019 ja eine Erhöhung des Strafzolls auf 25 Prozent angekündigt. – Europa trägt über 55 Prozent zu unserem Umsatz bei. Wichtigster Einzelmarkt ist nach wie vor Deutschland, hier erzielen wir zwei Drittel unseres Europaumsatzes. Asien steuert bislang etwas mehr als 10 Prozent zu unserem Unternehmensumsatz bei.

Wird China aus Ihrer Sicht durch die veränderte amerikanische Wirtschaftspolitik an Bedeutung verlieren? Wird das nach Ihrer Einschätzung die Bedeutung Chinas in der Elektronikwelt schmälern?

Aus meiner Sicht sprechen für China als Produktionsstandort vor allem die dort existierenden Produktionscluster. Dieses Netzwerk aus Zulieferern und Dienstleistern mit einer ähnlichen Performance an anderen Produktionsorten auf der Welt zu finden dürfte nicht so einfach sein. Gleichzeitig denke ich, dass China nicht mehr auf den Technologietransfer aus den Industriestaaten angewiesen ist. Aus dieser Position der Stärke heraus können sie heute bei der Ansiedelung neuer Unternehmen aus dem Ausland auf chinesische Joint-Venture-Partner verzichten. Bestes Beispiel dafür ist BMW. Das ist aber auch nicht mehr notwendig, wenn China ausländische Investoren dazu zwingt, ihre Unternehmenskommunikation über Regierungs-Server abzuwickeln. Dazu müssen nur die bisher genutzten VPN-Zugänge der Firmen gesperrt werden.