Power Integrations setzt auf FluxLink »Unsere IP eröffnet uns neue Einsatzbereiche und Wachstumsmärkte«

Balu Balakrishnan, Power Integrations
»Schnellladefähigkeit ist ein Wachstumstreiber im Bereich mobiler Geräte. Mit unserer InnoSwitch-EP-Baureihe setzen wir auf diesen rasch wachsenden Zukunftsmarkt.«
Balu Balakrishnan, Power Integrations: »Schnellladefähigkeit ist ein Wachstumstreiber im Bereich mobiler Geräte. Mit unserer InnoSwitch-EP-Baureihe setzen wir auf diesen rasch wachsenden Zukunftsmarkt.«

Balu Balakrishnan, CEO und President von Power Integrations, setzt für die Zukunft auf die Integration der 2014 vorgestellten FluxLink-Technologie in die Neuentwicklungen seines Unternehmens. Energieeffizienz im Leistungsbereich bis 100 kW soll in Zukunft wieder zweistellige Wachstumsraten sichern.

Markt&Technik: Sie wirken sehr zufrieden mit dem bisherigen Geschäftsverlauf 2016. Rechnen Sie mit einem anderen Verlauf als im letzten Geschäftsjahr?

Balu Balakrishnan: Mit dem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres kam auch der Markt wieder zurück. Wir haben das bislang sehr gut gemacht! Die negativen Faktoren des letzten Jahres sind weg. Natürlich wurde seit Jahren davon gesprochen, dass der Computermarkt, im Speziellen der Desk-Top-Markt, schrumpfen würde, aber dass er auf einmal um 30 Prozent einbrechen würde, wie das im letzten Jahr geschehen ist, damit hat letztlich niemand gerechnet. Hinzu kommen die Einbrüche im Bereich der Ölförderung und -exploration, das hat den nordamerikanischen Markt wirklich getroffen. Und nicht zu vergessen, die wirtschaftliche Abkühlung in China. Wir haben es trotzdem geschafft, noch ein Wachstum auszuweisen, aber das hatte natürlich nichts mit unseren Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent in den letzten Jahren zu tun.

Was stimmt Sie so optimistisch, dass die Probleme des letzten Jahres nicht auch 2016 zurückkehren?

Zum einen die Tatsache, dass wir uns auf die Veränderungen des letzten Jahres eingestellt und unsere Konsequenzen daraus gezogen haben, zum anderen die Tatsache, dass wir mit neuentwickelten Produkten Märkte erreichen können, in denen wir bislang nicht aktiv waren. Denken Sie in diesem Zusammenhang etwa an die im Vorjahr vorgestellte InnoSwitch-EP-Baureihe oder die vor kurzem auf den Markt gebrachten Scale-iDriver-ICs. Das eröffnet uns neue Wachstumspotentiale und wird uns wieder auf den gewohnten Pfad zweistelligen Wachstums zurückführen.

Power Integrations hat im letzten Jahr einen Umsatz von knapp 344 Millionen Dollar erzielt. Wie wichtig sind die einzelnen Produktbereiche dabei für den Unternehmensumsatz?

InnoSwitch steuert mit knapp der Hälfte nach wie vor den größten Beitrag zu unserem Unternehmensumsatz bei. Auf Platz 2 rangiert LinkSwitch, mit einem Umsatzanteil von rund 20 Prozent. Gut 10 Prozent unseres Jahresumsatzes erzielen wir mit TopSwitch-Produkten.  Hinzu kommen noch einige andere Produktreihen, wie etwa die Scale-iDriver-ICs, von denen wir uns vor allem in Zukunft einen wachsenden Beitrag zum Unternehmensumsatz erwarten.

Mit InnoSwitch EP stoßen Sie in ein neues Marktsegment vor. Worin unterscheidet sich Ihre Lösung von bisher am Markt erhältlichen Lösungen?

Mit dem „InnoSwitch EP“ erhalten Entwickler einen Offline-CV/CC-Sperrwandler-IC, der genau auf On-Board-Stromversorgungslösungen im Bereich hochwertiger Weißer und Brauner Ware zugeschnitten ist. Sie können damit die Energieeffizienz von Stromversorgungen unter allen Betriebsbedingungen, von Standby bis Volllast, optimieren, indem Sie die Leistungsaufnahme Ihrer Systeme in allen Betriebsarten reduzieren, und sind so in der Lage, die in dieser Branche geforderten TEC-Standards zu erfüllen.

Basis dieses ICs ist die von Power Integrations 2014 vorgestellte FluxLink-Technologie, die Sie nun in immer mehr Ihrer Produkte einsetzen wollen. Können Sie noch mal die Besonderheit dieser Technologie beschreiben?

FluxLink ermöglicht es, eine schnelle und hochgenaue sekundärseitige Regelung ebenso einfach zu implementieren wie eine primärseitige Regelung. Sie erfordert auch nicht mehr Bauteile als eine primärseitige Regelung. Auf diese Weise lässt sich energieeffiziente Synchrongleichrichter-Technologie einsetzen, und Sie können sehr hohe Wirkungsgrade über den gesamten Lastbereich bis hin zur Volllast erzielen. Besonders wichtig ist zudem, dass die FluxLink-Technologie ohne Optokoppler auskommt. Schließlich stellen Optokoppler, neben Elektrolyt-Kondensatoren, die größte Langzeitschwachstelle klassischer Stromversorgungs-Designs dar.

Im Frühjahr sind Sie eine Kooperation mit Cypress Semiconductor für ein Referenzdesign zum Bau eines USB-PD-konformen Schnelllade-Adapters eingegangen. Zielen Sie als nächstes auf den Schnellladermarkt für Handys?

Nicht nur auf den Handy-Markt! Wir sind überzeugt davon, das USB-PD die universelle Stromquelle für mobile Geräte der nächsten Generation sein wird. Schließlich bietet diese Technologie eine einheitliche Architektur für Energie- und Datenübertragung für einen flachen, richtungsunabhängigen und robusten Steckverbinder. Unsere Kooperation mit Cypress Semiconductor war hier nur der erste Schritt, um Entwicklern in diesem Bereich den Einsatz der InnoSwitch-CP-Baureihe so einfach wie möglich zu machen. Wir sind auch in der Lage, die aktuelle maximale Ausgangsleistung unserer Bausteine von 22 W noch deutlich zu steigern. Damit ließen sich dann nicht nur Handys oder Bluetooth-Lautsprecher über USB laden, sondern auch Laptops. Unabhängig davon, ob das dann über „Qualcomm Quick Charge 3.0“ oder USB-PD erfolgt. Wohin die Reise geht, wird sich im Herbst dieses Jahres zeigen.

Sie setzen aber nicht nur bei den kleinen Leistungen auf die FluxLink-Technologie. Mit den Scale-iDriver-ICs kommt diese Technologie nun auch im Leistungselektronikbereich zum Einsatz. Ein weiterer neuer Wachstumsmarkt?

Wenn Sie so wollen, ist es möglich, die FluxLink-Technologie in einem Produktspektrum einzusetzen, das in seinen Applikationen Leistungsbereiche von 10 W bis 100 kW abdeckt. Mit dieser Bandbreite dürften wir uns vom Wettbewerb abheben. Bei den iDriver-ICs handelt es sich um galvanisch getrennte Single-Channel-Gate-Driver-ICs für Applikationen bis 1200 V. Dabei bieten die ICs Ausgangsströme von 2,5 bis 8 A an. Auch hier trägt der Verzicht auf den bisher üblichen Einsatz von Optokopplern zur Zuverlässigkeit der Leistungselektronikschaltung bei.

Thema Leistungselektronik: In den letzten Jahren ist Bewegung in den Wide-Band-Gap-Bereich gekommen. Von Ihnen hört man in diesem Zusammenhang gar nichts. Setzen Sie nicht auf diese Technologien?

Sie haben Recht, wir haben uns bisher nicht offiziell zu diesen Themen geäußert. Wir sagen nicht, welche Technologien wir in unseren Schaltregler-ICs einsetzen. Es amüsiert mich aber schon in einem gewissen Maße, dass wir Produkte auf dem Markt haben, deren Performance eigentlich nur durch den Einsatz dieser Technologien zu erklären ist – trotzdem bringt uns niemand mit diesen Technologien in Zusammenhang!

Sie stärken sich durch sehr gezielte Akquisitionen, zuletzt mit Cambridge Semiconductor. Was hat dieses Unternehmen für Sie so interessant gemacht?

Es verfügt über eine hervorragende Expertise im Bereich von Low-Power-Anwendungen unter 30 W. Das ergänzt sich sehr gut, mit unserem Know-how im Bereich höherer Leistungen. Die Übernahme hat uns zudem 45 Entwickler beschert. Um unsere zukünftigen Wachstumsziele zu erreichen, benötigen wir mehr Design-Ressourcen. Cambridge Semiconductor war in dieser Beziehung ein „Perfect Match“.

Um technische Expertise und IP geht es letztlich auch in Ihrem Rechtsstreit mit Fairchild Semiconductor. Zeichnet sich in diesem langwierigen Verfahren inzwischen ein Ende ab?

Nein, und ich finde das ziemlich bizarr. Wir haben unsere gerichtlichen Auseinandersetzungen mit allen anderen Unternehmen, in denen es um IP-Verletzungen ging, erfolgreich zu Ende gebracht. Die Sachlage war schlicht zu eindeutig. Im Fall Fairchild scheint niemand zum Einlenken bereit zu sein. In meinen Augen ist das eine wirklich bizarre Situation, aber ich bin mir sicher, dass wir letztlich zu unserem Recht kommen und es eine Einigung geben wird.