Power Integrations »Unser Wachstum ist nicht durch Fertigungskapazitäten gedeckelt«

Balu Balakrishnan, Power Integrations: »Mit unserer FluxLink-Technologie können wir Automotive-Entwicklern ein neues Maß an Stabilität und Integrität bei der Isolation bieten. Vorteile, die vor allem bei den anstehenden Elektro- und Hybridauto-Plänen der Automobilhersteller für sie von großem Vorteil sind.«

Balu Balakrishnan, CEO und President von Power Integrations, nutzt den Trend zur Entwicklung von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen zum Einstieg in das Automotive-Segment.

Auf die ersten AEC-Q100-qualifizierten SCALE-iDriver-ICs sollen in Zukunft weitere Automotive-zertifizierte Produkte folgen.

Markt&Technik: Herr Balakrishnan, Automotive zählte bislang nicht zu Ihren Zielmärkten. Nun ändert sich das, Sie bieten erste AEC-Q100-zertifizierte SCALE-iDriver-ICs an. Was hat Ihre Meinung in Bezug auf den Automotive-Markt verändert?

Balu Balakrishnan: Ganz einfach das Interesse der Automotive-Hersteller an unserer FluxLink-Technologie! Sie sind auf uns zugekommen und haben ihr Interesse an einer sicheren und zuverlässigen verstärkten Isolation für Anwendungen bis 1200 V bekundet. Sie waren einfach nicht zufrieden mit der Performance, die ihnen Optokoppler-Lösungen bieten können. Es ist nun einmal Fakt, dass optoelektronische Bauteile ihre Eigenschaften im Laufe der Zeit durch Alterung verändern und durch Temperatureinwirkung degradieren, was ihre Lebensdauer einschränkt. Und ich möchte hinzufügen, dass wir bisher ja schon über unsere Qspeed-Dioden im Automotive-Bereich vertreten waren. Allerdings war das kein unternehmerischer Schritt von uns, sondern Qspeed Semiconductor war bereits im Automotive-Bereich vertreten, als wir das Unternehmen gekauft haben.

Ihre Zielmärkte hießen bislang Konsumgüter, Kommunikation, Industrieelektronik und Computertechnik. Welches Potenzial sehen Sie in Zukunft für Ihre Produkte im Bereich Automotive?

Bezogen auf unseren nun bewusst vollzogenen Einstieg in das Automotive-Segment können wir mit unseren Produkten den Automotive-Herstellern einen neuen Maßstab für die Integrität und Stabilität der Isolation bieten. Automobilhersteller benötigen sichere, smarte und hochintegrierte Lösungen für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge. Denken Sie in diesem Zusammenhang beispielsweise an Anwendungen wie Hauptwechselrichter, Brems-Chopper oder auch DC/DC-Spannungswandler. Unsere AEC-Q100-zertifizierten Produkte ermöglichen es Fahrzeugentwicklern, die Systemeffizienz zu steigern und erstmals die Vorteile der Sicherheit und Zuverlässigkeit unserer Isolationstechnologie zu nutzen.

Sie haben die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen sicher nicht nur wegen der zwei neuen Produkte auf sich genommen. Werden Sie das gesamte Produktspektrum von Power Integrations einer Automotive-Zertifizierung unterziehen?

Nein, wir starten jetzt mit den beiden auf der PCIM vorgestellten SCALE-iDriver-ICs und werden dieses Angebot Schritt für Schritt erweitern. Wir haben über einen solchen Schritt auch schon in der Vergangenheit nachgedacht, ihn aber immer wieder verworfen. Nun, mit den allseits publizierten Plänen der internationalen Automobilbranche, sich verstärkt der Entwicklung und dem Verkauf von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen zu widmen, sehen wir eine realistische Möglichkeit, die Vorteile unserer Produkte wirklich im Automotive-Bereich zum Einsatz bringen zu können. Wir sind ein Anbieter von Board-Level-Produkten, wir werden uns sehr genau ansehen, welche Anwendungen im Automotive-Bereich für uns wirklich interessant und nutzbringend sind. Ausgehend von der heutigen Situation könnte ich mir vorstellen, dass sicher nicht kurz- oder mittelfristig, aber in Zukunft 10 bis 30 Prozent unseres Umsatzes aus dem Automotive-Segment kommen.

Stichwort Umsatz. Er lag im letzten Jahr bei 431 Millionen Euro. Halten Sie angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen einen Schritt in Richtung 500 Millionen Dollar für möglich?

Aus heutiger Sicht halte ich ein Wachstum 2018 von 10 Prozent oder mehr für möglich. Ich möchte aber einwenden, dass die Rahmenbedingungen nicht nur rosig sind. Der Handy-Markt in China war im 1. Quartal dieses Jahres schwach! Nach meinem Eindruck hat sich der chinesische Handy-Markt auch im 2. Quartal nicht wirklich verbessert.

Seit fast eineinhalb Jahren kämpft die Halbleiter-Branche angesichts steigenden Bedarfs und limitierter Fertigungskapazitäten nun bereits mit steigenden Lieferzeiten. Kämpfen Sie mit ähnlichen Problemen?

Auch wir haben einen Anstieg der Lieferzeiten registriert, aber wir haben frühzeitig reagiert und 35 Millionen Dollar in einen Ausbau der Fertigungskapazitäten bei unseren Foundry-Partnern investiert. Damit wurden zusätzliche 8-Zoll-Kapazitäten geschaffen, die dafür sorgen, dass wir unsere 15.000 Kunden weltweit termintreu und zeitnah beliefern können.