Recom eröffnet in Xiamen Joint-Venture »Unser Erfolg basiert auf dem Speed-Boot-Konzept«

Karsten Bier, Recom
„Nach dem Einstieg in das AC/DC-Modul-Geschäft, das wir im ersten Schritt mit etwa 3 Millionen Modulen jährlich bedienen werden, wollen wir uns in Zukunft auch als Entwickler und Anbieter kundenspezifischer Stromversorgungen im mittleren Leistungsbereich am Markt etablieren.“
Karsten Bier, Recom: »Nach dem Einstieg in das AC/DC-Modul-Geschäft, das wir im ersten Schritt mit etwa 3 Millionen Modulen jährlich bedienen werden, wollen wir uns in Zukunft auch als Entwickler und Anbieter kundenspezifischer Stromversorgungen im mittleren Leistungsbereich am Markt etablieren.«

Zusammen mit seinem chinesischen Joint-Venture Partner baut Recom seine Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten bei Onboard-AC/DC-Modulen massiv aus. CEO Karsten Bier erläutert, was es damit auf sich hat.

Markt&Technik: Herr Bier, Recom hat vor Kurzem begonnen, in einem Joint-Venture zusammen mit einem chinesischen Hersteller in Xiamen AC/DC-Module zu fertigen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und welche Rolle wird dieser Fertigungsstandort in Zukunft für Recom spielen?

Karsten Bier: Unser Partner ist vor 21 Jahren mit der Fertigung von Lastwiderständen in die Elektronikbranche eingetreten. Heute produziert das Unternehmen professionelle LED-Beleuchtungen und LED-Treiber. Trotz eines sehr kompetitiven Marktumfeldes wächst er beständig. Dies ist der hohen Qualität der Produkte, der technischen Innovationskraft und effizienter Volumenfertigung geschuldet. Das entspricht, neben der Chemie, die stimmen muss, unserem Suchprofil. Erste Gespräche haben wir vor zwei Jahren geführt und fahren nun seit Jahresbeginn langsam die Produktion hoch. Xiamen wird in Zukunft unser Kompetenzzentrum in puncto AC/DC-Module und darüber hinaus sein.

Welches Produktspektrum stellen Sie in Xiamen her? Welches Leistungsspek­trum wollen Sie im Bereich AC/DC-Module in Zukunft abdecken? Und was konkret verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter Großserienfertigung?

Wir werden im ersten Anlauf Produkte mit Ausgangsleistungen von 1 bis 100 W in Xiamen fertigen. Für das Jahr 2018 planen wir derzeit mit einem Produktionsvolumen von rund 450.000 Stück. In Zukunft wird das Produktionsvolumen hier aber in Richtung 3 Millionen Stück gehen. Stolz sind wir darauf, dass es uns im Rahmen dieser Zusammenarbeit bereits gelungen ist, den kleinsten voll vakuumvergossenen 5-W-Wandler im 1x1-Zoll-Gehäuse zu entwickeln und zu produzieren, der sich durch die höchste Leistungsdichte und den höchsten Wirkungsgrad am Markt auszeichnet. Technisch wären wir zu dieser Entwicklung auch früher schon in der Lage gewesen; nun aber sind wir auch in der Lage, dieses Produkt zu einem absolut wettbewerbsfähigen Preis anzubieten!

Das heißt konkret, Taiwan wird in Zukunft der Produktionsstandort für DC/DC-Module sein, China der für AC/DC-Module?

Ja. Entwickelt werden die Produkte für beide Produktionsstätten im Wesentlichen von unseren Entwicklungsteams in Gmunden und Wien. In Österreich werden dann auch die Nullserien produziert, bevor die Produkte dann zur Serienfertigung an die Standorte in Kaohsiung oder Xiamen überführt werden.

In der Vergangenheit war es für ausländische Investoren in China schwierig, Herr im eigenen Haus zu sein. Hat Recom die Mehrheit an diesem Joint-Venture?

Ja, wir sind der Mehrheitseigentümer! Wir unterliegen keinerlei Einschränkungen und es stellt für unseren Partner kein Problem dar, Minderheitseigentümer zu sein. Er ist sehr gut vernetzt, und er sieht ganz klar die Win-Win-Situation für beide Seiten. Uns steht neben der originären Recom-JV-Fertigung ein zusätzlicher hervorragender Produktionsstandort mit beeindruckender Test-Equipment-Ausstattung zur Verfügung, auf den das JV jederzeit zugreifen kann. Daneben haben wir durchweg in neue, hochmoderne Produktionsanlagen investiert. Auch wenn der jetzige Produktionsstandort schon weitaus besser ist als die meisten Standorte unserer Mitbewerber, so soll er lediglich eine Durchgangsstation sein. Neues, attraktives Land für einen weiteren, neuen Produktionsstandort wurde gekauft. Die Pläne für den Bau sind abgeschlossen. Am neuen Standort wollen wir unserem Ziel, dem Aufbau einer nachhaltigen, möglichst CO2-neutralen Produktion, nahe kommen. Ziel ist es, den neuen Standort 2021 zu beziehen.

Wie viele Leute beschäftigen Sie aktuell in Xiamen und wie viele werden es im Endausbau sein ?

Wir beschäftigen derzeit etwa 40 Mitarbeiter über das JV. Darüber hinaus haben wir aber flexibel Zugriff auf die weiteren etwa 400 Mitarbeiter am Standort; soweit Produktionsspitzen anfallen, können diese durch das Personal unseres JV-Partners abgefangen werden.

Wir haben somit den entscheidenden Vorteil, dass wir in Xiamen die gesamte existierende Infrastruktur unseres JV-Partners mitnutzen können. Durch dieses intelligente, flexible System haben wir die Kosten sehr gut unter Kontrolle. Auf diese Weise können wir dem internationalen Preisdruck im AC/DC-Bereich begegnen.