Universität Stuttgart Tipps für nachhaltigere Rechenzentren

Ein Konsortium unter Führung der Universität Stuttgart stellt Handlungsempfehlungen zur Senkung des Energie- und Rohstoffverbrauchs vor.

Ein Konsortium aus Forschung, Industrie und Wirtschaft untersuchte unter der Leitung des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, wie man Rechenzentren nachhaltiger machen kann. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten, durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojekts »EcoRZ« nahm das Konsortium Rechenzentren in Baden-Württemberg unter die Lupe, erfasste den Stand der Infrastruktur und ermittelte Potentiale zur Steigerung der Energieeffizienz, des Einsatzes Erneuerbarer Energien und des sparsamen Rohstoffeinsatzes. Zudem wurden die möglichen Beiträge von Rechenzentren zur Flexibilisierung des Energiesystems analysiert und Indikatoren für die ökologische, soziale und wirtschaftliche Bewertung der Nachhaltigkeit von Rechenzentren entwickelt.

»Dass Rechenzentren auf erneuerbare Energien setzen, ist wichtig, aber es reicht nicht aus«, resümiert Studienleiter Prof. Peter Radgen vom IER der Universität Stuttgart die Ergebnisse der Studie. Folgende Ansätze sollten ebenfalls verfolgt werden:

  • Da Rechenzentren jedes Kilowatt an verbrauchtem Strom als Wärme wieder in die Umwelt abgeben, kommt der Nutzung der Abwärme auf dem Weg zum nachhaltigen Rechenzentrum eine Schlüsselrolle zu. Diese sollte verstärkt in die kommunale Wärmeplanung integriert werden, zum Beispiel zur Bereitstellung von CO2-neutraler Abwärme für Nahwärmenetze.
  • Auf Seiten der Betreiber sei es wichtig, dass sie bei der Hardware konsequent auf Nachhaltigkeit achten. Dies umfasst nicht nur den Einsatz erneuerbarer Energien, sondern auch die Materialien und Rohstoffe über die gesamte Produktionskette hinweg, also zum Beispiel einen ressourcensparenden Umgang mit seltenen Erden. Sinnvoll sei es, Nachhaltigkeit in den Leitlinien für die IT-Beschaffung zu verankern.
  • Die Wahl des Standorts kann auch dazu beitragen, Rechenzentren umweltfreundlicher zu machen: Geeignet sind Regionen mit vergleichsweise niedrigen Durchschnittstemperaturen, da dort der Energiebedarf für Kühlung geringer ist – also eher Alb statt Rheingraben.
  • Sehr wichtig sei es, Rechenzentren zu konsolidieren, da sich die höheren Investitionen für energieeffiziente Ausrüstung und Abwärmenutzung bei größeren Rechenzentren eher amortisieren. Daher sei es sinnvoll, die Firmen zu motivieren, in landesweiten Strukturen zu denken und für das Rechenzentrum auch Standorte abseits des Firmensitzes in Betracht zu ziehen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gut ausgebaute Infrastruktur, insbesondere im Bereich schneller und leistungsfähiger Breitband-Anschlüsse.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden zudem für einen »Leitfaden Nachhaltige Rechenzentren« aufbereitet. Betreiber von Rechenzentren finden darin Impulse für wirtschaftliche Verbesserungen, politische Entscheidungsträger eine Grundlage für Förder- und Anreizprogramme. Die Druckfassung des Leitfadens wird im April verfügbar sein und zusätzlich auf der Projektwebseite www.nachhaltige–rechenzentren.de zum Download zur Verfügung stehen.