Für 218 Mio. Dollar Tesla kauft Supercap-Spezialist Maxwell

Das 51-V-Modul von Maxwell für den Einsatz in Fahrzeugen.
Das 51-V-Modul von Maxwell für den Einsatz in Fahrzeugen.

Tesla übernimmt Maxwell, Hersteller von Superkondensatoren, der an einer neuen Technik arbeitet, um die Leistungsfähigkeit von Batterien zu erhöhen.

Das dürfte Tesla besonders gelockt haben: Maxwell entwickelt die Dry-Electrode-Battery-Technink (DEB), mit deren Hilfe sich die Leistungsfähigkeit von Batterien für E-Autos deutlich steigern lässt. 300 Wh/kg könnten laut Maxwell statt der heute üblichen 250 Wh/kg erreicht werden. Die DEB-Technik kann in Batterien Einsatz finden, die auf verschiedenen Zellchemien basieren.

Weil Maxwell schon vor der Übernahme auf die Weiterentwicklung der DEB-Technik gesetzt hat, hatte das Unternehmen kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres die Produktlinie der Hochspannungskondensatoren für 55 Mio. Dollar an die Schweizer Renaissance Investment Foundation verkauft. Das Geld und die frei werdenden Ressourcen sollten laut Dr. Franz Fink, CEO von Maxwell, in die DEB-Technik gesteckt werden. »Die Zeit ist reif, um auf neue disruptive Techniken zu setzen«, erklärte er anlässlich des Verkaufs.

Superkondensatoren für Autos und Netzstabilisierung

Die Hauptprodukte von Maxwell sind aber nach wie vor die Ultrakondensatoren, wie Maxwell sie nennt, sowie die darauf basierenden Module, die sich unter anderem auch für den Einsatz in Autos eigenen. Im Sommer 2018 hatte Maxwell ein Abkommen mit Geely/Volvo über die Lieferung von Ultrakondensator-Modulen (10 – 12 kW) im Wert von 100 Mio. Dollar geschlossen. Es hat eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren, die Umsatzspitze soll in drei Jahren erreicht werden.

Diese Kondensatoren erreichen eine hohe Energiedichte und lassen sich schnell entladen und wieder aufladen. Sie können die Energie sehr schnell abgeben und übertreffen darin alle anderen Systeme wie Batterien, Brennstoffzellen und Verbrennungsmotoren. Deshalb werden sie häufig als Ergänzung in Energieversorgungssystemen eingesetzt und kommen immer dann zum Einsatz, wenn viel Energie innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung gestellt werden muss.

Damit spielen sie für die Energiespeicherung und für die Versorgung einer breiten Palette von unterschiedlichen Systemen eine wichtige Rolle. Maxwell stellt Ultrakondensatoren unter anderem für den Einsatz in Autos, im Schwertransport, in erneuerbaren Energie,  in der Industrie und in Konsumergeräten her. Eine typische Anwendung besteht beispielsweise darin, beim Bremsen gewonnen Energie zu speichern und sie schnell bei Bedarf wieder ins System einzuspeisen. In Windkraftanlagen sorgen sie dafür, dass der der Anstellwinkel der Rotorblätter den Verhältnissen ständig angepasst werden kann, zudem können sie zur Netzstabilisierung beitragen.

So arbeiten die Ultrakondensatoren von Maxwell in den Blindleistungs-Kompensationssystemen (Static-VAR Compensation) »SVC Plus FS« von Siemens. Siemens war der erste Anbieter, der seinen Blindleistungskompensator in Kombination mit Superkondensatoren in die Lage versetzt hat, Energie von bis zu 200 MW in kurzer Zeit abrufbar zu machen. Damit lässt sich das Netz stabilisieren und die Energieversorgung sichern, auch wenn die Zahl der konventionellen Kraftwerke sinkt und der Prozentsatz der Energie, die aus erneuerbaren, fluktuierenden Quellen kommt, weiter steigt.

Maxwell: schwächelndes Geschäft

Maxwell beschäftigt 500 Mitarbeiter und erzielte in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz von rund 92 Mio. Dollar (Vorjahr: 100 Mio. Dollar), wobei der Anteil der Energiespeichergeschäfts auf 72 Mio. Dollar (67 Mio. Dollar) kam. Es musste einen Verlust von 30 Mio. Dollar (34 Mio. Dollar) ausweisen. Im vierten Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 25 bis 27 Mio. Dollar.

2017 hatte Maxwell den Superkondensator-Hersteller Nesscap für 23 Mio. Dollar gekauft und damit das eigene Programm abgerundet.