Interview TDK-Lambda baut regionale Entwicklungszentren aus

Mit einem Umsatz von rund 700 Mio. Dollar im letzten Geschäftsjahr zählt TDK-Lambda zu den Top 5 der internationalen Stromversorgungsbranche. Yoshiaki Hirota, President von TDK-Lambda, rechnet für 2013 mit einer spürbaren Markterholung. Zur Wachstumsstrategie des Unternehmens zählt weiterhin die Akquisition technologiegetriebener Stromversorgungsunternehmen mittlerer Größe.

Markt&Technik: Herr Hirota, auf der electronica wurde bekannt, dass Emerson zum Verkauf steht. Wäre das nicht eine Möglichkeit für TDK-Lambda, sich in einzelnen Segmenten zu verstärken, sollte Emerson in Teilen verkauft werden?

Hirota: Diese Nachricht hat mich wirklich überrascht! Sollte dem wirklich so sein, dann bestätigt das indirekt die Richtigkeit der strategischen Entscheidungen, die wir bei TDK-Lambda in den letzten Jahren getroffen haben. Komplett wird Emerson sicherlich nicht verkauft werden, dazu ist das Unternehmen zu groß.

Aus Produktsicht sind die Überschneidungen zwischen Emerson und uns zu ausgeprägt. Das war im Fall Densei Lambda anders. Diese Übernahme, im Jahr 2005 machte sowohl im Hinblick auf die Produkte als auch die einzelnen Marktregionen Sinn. Beide Seiten haben sich ergänzt, es gab kaum Überschneidungen.

Übernahmen zählen aber nach wie vor zur Wachstumsstrategie von TDK-Lambda, oder? Sie wollten kleine und mittlere Unternehmen übernehmen, in den letzten Jahren ist es dazu aber nicht gekommen.

An unserem Interesse, vor allem technologisch interessante Unternehmen zu übernehmen, die unser Produkt- und IP-Spektrum bereichern, hat sich nichts geändert. Nur waren die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren durch den Markteinbruch im Jahr 2009, die darauf folgende Erholung 2010, den Tsunami, der Japan 2011 traf, und die Überschwemmungen in Herbst letzten Jahres in Thailand nicht dazu angetan, diese Bestrebungen voranzutreiben. Mit der Normalisierung der Marktsituation werden wir uns dem Thema Akquirierungen nun wieder intensiver widmen. Die notwendigen Mittel für solche Akquisitionen stehen weiterhin bereit!

Wie stellt sich für Sie die aktuelle Situation des Stromversorgungsmarktes dar? Sehen Sie regionale Unterschiede?

Ich würde, generell betrachtet, von einer flachen Marktentwicklung sprechen. Regional betrachtet, leidet der südeuropäische Markt unter der Überschuldung der jeweiligen Länder, während sich der Markt etwa in Nordeuropa aus unserer Sicht fast normal entwickelt. Der US-Markt fängt an, sich zu erholen, aber von einem sehr niedrigen Niveau aus. Doch auch wenn wir in verschiedenen Weltregionen und in einzelnen Produktsegmenten, wie etwa dem Bereich der Stromversorgungen für LED-Beleuchtungstechnik oder die Medizin, von einer sehr erfreulichen Entwicklung sprechen können, so trübt doch die hohe Bewertung des Yen dieses positive Bild.

Das Jahr 2012 wird inzwischen als Übergangsjahr betrachtet. Rechnen Sie für 2013 mit einer spürbaren Markterholung, verbunden mit einer gesteigerten Produktnachfrage?

Die aktuelle Marktsituation unterscheidet sich grundlegend vom Einbruch des Jahres 2009. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass es in den nächsten 6 bis 12 Monaten zu einer nachhaltigen Erholung der Märkte und einer Nachfragesteigerung kommt. Wir erhalten derzeit mehr gute als schlechte Rückmeldungen aus dem Markt. Ich würde darum sagen, wir stehen bereits am Beginn der erwarteten Markterholung.

Europa trägt inzwischen rund 20 Prozent zum Umsatz Ihres Unternehmens bei. Halten Sie eine weitere deutliche Steigerung in den nächsten Jahren für möglich?

Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, unseren Marktanteil im Bereich Industriestromversorgungen in Europa von 9 auf 11 Prozent zu steigern. Ich bin davon überzeugt, dass es unserem europäischen Team gelingen wird, diesen Trend weiter fortzusetzen! In welchem Umfang das dazu beitragen wird, den Umsatzanteil Europas weiter zu steigern, bleibt abzuwarten. Unser Erfolgt wird entscheidend davon abhängen, in welchem Maße es den europäischen Unternehmen gelingt, schneller als ihr Wettbewerb zu wachsen. Vor diesem Hintergrund sehe ich weiterhin das Potenzial für Wachstum in Europa.

In Europa waren Sie in den letzten Jahren neben Standardprodukten vor allem mit kundenspezifisch modifizierten Stromversorgungen sehr erfolgreich. Lässt sich dieses Konzept auch auf andere regionale Märkte übertragen, oder unterscheiden sich die Präferenzen in den lokalen Märkten deutlich voneinander?

In Europa ist unser Team mit diesem Ansatz sehr erfolgreich, inzwischen erzielen wir hier 17 Prozent unseres Umsatzes mit solch kundenspezifisch modifizierten Lösungen, und der Trend deutet auf eine weitere Steigerung dieses Anteils hin. Wenn Sie nach Präferenzen in einzelnen Märkten fragen, dann lässt sich das für Japan so auf  Nenner bringen, das dort Qualität in Form eines Zero-Defect-Anspruchs an oberster Stelle steht, während Kunden in Europa und den USA vor allem Wert auf Performance legen. Der chinesische Markt wiederum verlangt vor allem nach kostengünstigen Lösungen. Da wir in allen Regionen tätig sind, fließen diese unterschiedlichen Präferenzen in die Entwicklung all unserer Produkte ein.

Sie haben vor zwei Jahren mit dem Nagaoka Research Center eines der wohl größten Entwicklungszentren der Stromversorgungsbranche eröffnet. Die fast 300 Ingenieure und Techniker dort konzentrieren sich vor allem auf Grundlagenforschung und Entwicklungen für den japanischen Markt. Welche Rolle spielen in ihrem Entwicklungsnetzwerk die regionalen Entwicklungszentren?

Sie arbeiten bei der Entwicklung von Standardgeräten eng mit Nagaoka zusammen. Ihre Aufgabe ist es aber auch, auf die spezifischen regionalen Anforderungen einzugehen. In den letzten Jahren haben sich unsere europäischen Entwicklungszentren zudem zu konzerninternen Vorreitern in Sachen Digital Control entwickelt. Aus diesem Grund investieren wir weiter in den Ausbau unserer europäischen Entwicklungszentren und werden in den nächsten Monaten entsprechende Investitionen bekannt geben können. Der weitere Ausbau unserer Entwicklungszentren ist auch vor dem Hintergrund notwendig, dass gesetzliche Anforderungen im Rahmen von RoHS oder auch REACH immer stärker Einfluss auf die Stromversorgungsentwicklung Einfluss nehmen.

TDK-Lambda ist vor einigen Jahren mit dem Anspruch angetreten, mit der Markteinführung seiner jüngsten Stromversorgungsgeneration die Wirkungsgrade deutlich anzuheben. Bei der Realisierung dieser Vorgabe spielte auch Digital Control eine wichtige Rolle. In welchem Umfang konnten Sie dieses Ziel bisher umsetzen?

Unsere jüngste Generation von DC/DC-Wandlern arbeitet inzwischen mit Wirkungsgraden von 95 bis 96 Prozent, im Bereich der AC/DC-Wandler bewegen sich die Spitzengeräte inzwischen auf 94 Prozent zu. Digital Control hat zu diesen Verbesserungen beigetragen, ist aber nicht allein dafür verantwortlich. Trotzdem arbeiten wir daran, den Anteil unserer Stromversorgungen mit Digital Control weiter zu erhöhen. Speziell im Bereich Industriestromversorgungen, mit Produktlebenszyklen von 15 Jahren und mehr, lassen sich solche Entwicklungen jedoch nicht übers Knie brechen, der Einzug der Digital-Control-Technik wird hier Schritt für Schritt erfolgen.

TDK-Lambda war immer ein vor allem auf AC/DC-Technik ausgerichtetes Unternehmen. Unter dem Aspekt, für Kunden möglichst alles aus einer Hand anzubieten, sollte der DC/DC-Anteil erhöht werden. Wie stellt sich heute das Verhältnis zwischen AC/DC und DC/DC dar?

Wir arbeiten weiter an der Umsetzung dieser kundenorientierten Strategie, haben uns dabei aber keine fixen Ziele gesetzt. Aktuell beträgt der Anteil des AC/DC-Geschäfts etwa 70 Prozent des Unternehmensumsatzes. Der Anteil des DC/DC-Geschäfts hat sich damit seit der Übernahme von Densei Lambda erhöht.

TDK-Lambda weist einen von Region zu Region sehr unterschiedlichen Distributionsanteil auf. Wie hoch ist er aktuell in Europa? Wollen Sie diesen Anteil weiter erhöhen?

Traditionell liegt der Distributionsanteil in Japan bei fast 60 Prozent, auch der US-Markt weist einen sehr hohen Distributionsanteil auf. In Europa ist er mit 15 Prozent relativ niedrig. Wir verfolgen hier aber keine dezidierte Strategie, diesen Anteil auf einen bestimmten Prozentanteil zu steigern. Unser Ziel ist ein überpropertionales Marktwachstum, und dazu nutzen wir alle uns zur Verfügung stehenden Vertriebskanäle, seien sie nun direkt oder über die Distribution.