Nach einem turbulenten Jahr 2011 Stromversorgungsbranche profitiert von der Entspannung der Komponentenlieferkette

Gustav Erl, TDK-Lambda Germany: »Das Jahr 2011 war weitaus turbulenter und unerwartet positiver als prognostiziert.«
Gustav Erl, TDK-Lambda Germany: »Das Jahr 2011 war weitaus turbulenter und unerwartet positiver als prognostiziert.«

Der Nachfragestau aus dem Jahr 2009 hat ganz offensichtlich für die deutsche Stromversorgungsbranche bis ins Jahr 2011 hineingereicht. Nach dem leichten Auftragsrückgang im 4. Quartal 2011 profitiert die Branche nun von der Entspannung der Komponenten-Lieferkette. Angesichts steigender Lohnkosten in Asien und erhöhter Materialkosten, werden sich die Stromversorgungskunden nach den Preissteigerungen im Vorjahr wohl auch 2012 auf Preissteigerungen einstellen müssen.

Eigentlich war 2011 ja mit einer Beruhigung der wirtschaftlichen Entwicklung gerechnet worden. Nach der Devise: Der Wahnsinn des Aufholjahres 2010 kann sich ja unmöglich wiederholen, oder auch noch fortsetzen, hatten die meisten Stromversorgungshersteller und -anbieter auf dem deutschen Markt mit einer Beruhigung der Nachfrage 2011 gerechnet. Doch weit gefehlt. »Das Jahr 2011 war weitaus turbulenter und unerwartet positiver als prognostiziert«, schildert Gustav Erl, General Manager der TDK-Lambda Germany das Jahr 2011. Gunther Klima, General Manager Industrial Power Supplies, der Siemens Industry Automation Division, spricht von den Aufholeffekten der letzten zwei Jahre, die seinem Unternehmen im Vorjahr noch einmal ein zweistelliges Wachstum gegenüber dem Rekordjahr 2010 beschert haben. Angesichts der Entwicklung der letzten 24 Monate geht er nun für 2012 von einer Normalisierung der Wachstumsraten aus.

Für Nicole Hauschild, Operative Manager des Elektronik-Distributors M+R Multitronik, war die Entwicklung des letzten Jahres in erster Linie geprägt von der LED-Euphorie, die inzwischen auch Deutschland erfasst hat, und den Powerspezialisten ein lukratives, neues Wachstumsfeld eröffnet hat. Da die Märkte jedoch wie ein JoJo auf die einzelnen Nachrichten, etwa zu den jüngsten Anstrengungen zur Griechenlandrettung, oder den aktuellen Auswirkungen des arabischen Frühlings reagieren, rechnet sie für 2012 nun endgültig nur noch mit einem verhaltenen Wachstum.

»Es ist wieder etwas Ruhe am Markt eingekehrt«, diesen Eindruck hat auch Markus Bicker, Geschäftsführer der Bicker Elektronik gewonnen, »trotz der leichten Abschwächung der Nachfrage im letzten Quartal 2011, bin ich vorsichtig optimistisch und rechne für 2012 mit einer Konsolidierung auf immer noch hohen Niveau«. Die nun doch deutlicher werdende Unsicherheit, über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, sie lässt sich auch am Statement von Bernhard Erdl, Geschäftsführer der Puls ablesen: »2011 war sensationell gut und hat uns das mit Abstand beste Jahr unserer Firmengeschichte beschert. Dem Geschäftsjahr 2012 sehen wir mit gemischten Gefühlen entgegen, einerseits haben wir den Eindruck Marktanteile zu gewinnen, andererseits trübt sich aber die Wirtschaftslage ein«.

Peter Blyth, Executive Vice President European Sales bei XP, attestiert den deutschen Kunden ein sehr konservatives agieren: »Es besteht eine große Unsicherheit, in welche Richtung sich der Markt bewegen wird, entsprechend unsicher agieren die deutschen Firmen selbst bei ihren Forecastzahlen«. Eine Unsicherheit, die Blyth angesichts der mittel- und langfristigen Rahmenbedingungen für die deutsche Industrie nicht ganz nachvollziehen mag. »In Deutschland wurde im letzten Jahr der Ausstieg aus der Atomenergie und der Ausbau der erneuerbaren Energien beschlossen, Deutschland hat sich zudem zum Ziel gesetzt, Leitmarkt für die E-Mobility zu werden. All dies erfordert Investitionen in die Infrastruktur sowie in hocheffiziente Gerätelösungen, alles Faktoren, die sich positiv auf die Nachfrage nach entsprechenden Stromversorgungslösungen auswirken müssten«.

Auch Hannes Schachenmayr, Sales Manager Central Europe bei Vicor, beobachtet zwar einerseits, dass Kunden Aufträge in kleinere Einheiten aufteilen, um das Risiko zu minimieren, grundsätzlich mag er sich aber mit der Stimmung eines zum Teil auch medial herbeigeredeten Abschwungs der deutschen Wirtschaft nicht anfreuden: »Grundsätzlich sind unsere Erwartungen für 2012 positiv und der Eindruck des ersten Monats bestärkt uns darin - der Januar lag um 25 Prozent über unserem Forecast«

Der Entspannung des letzten Quartals 2011 können einige Hersteller und Anbieter aber auch durchaus positive Aspekte abgewinnen. So weist Jürgen Hähle, Geschäftsführer der Etasyn darauf hin, dass das Jahr 2011 zwar von sehr starkem Wachstum geprägt war, aber eben auch von nicht zu vernachlässigenden Problemen bei der Materialbeschaffung. »Die Situation jetzt ist deutlich entspannter«, gibt er seinen Eindruck wider, »und als Anbieter kundenspezifischer Lösungen, arbeiten wir sowieso mit einem langfristigeren Forecast, der damit auch besser planbar ist«.