ABB und die Bahntechnik Schnelles Wachstum als neutraler Zulieferer

SBB CEO Andreas Meyer, CEO von SBB und Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB, in einer RE 460 im ABB-Design. Mit Retrofits von ABB kann die Energieeffizienz und Zuverlässigkeit dieser Lokomotiven erhöht und die Lebensdauer um 20 Jahre erweitert werden. So spart die Flotte dank neuen Traktionsumrichtern und weiteren Modernisierungsmaßnahmen jedes Jahr 27 GWh Energie ein.
SBB CEO Andreas Meyer, CEO von SBB und Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB, in einer RE 460 im ABB-Design. Mit Retrofits von ABB kann die Energieeffizienz und Zuverlässigkeit dieser Lokomotiven erhöht und die Lebensdauer um 20 Jahre erweitert werden. So spart die Flotte dank neuen Traktionsumrichtern und weiteren Modernisierungsmaßnahmen jedes Jahr 27 GWh Energie ein.

Vor 20 Jahren trennte sich ABB vom Geschäft mit kompletten Lokomotiven. Als neutraler Anbieter von Infrastruktur und Traktionssystemen ist ABB in der Bahntechnik seitdem schnell gewachsen.

Als der deutsche Walter Boveri und der Engländer Charles Brown BBC vor hundertfünfundzwanzig Jahren in Baden in der Schweiz gründeten, bildete die Bahntechnik schnell einen Schwerpunkt des Unternehmens. Das ist bis in die heutigen Zeiten beim Nachfolgeunternehmen ABB so geblieben.

Schon 1890 hatte BBC erste elektrische Tramwagen gebaut, 1898 folgte die Jungfrauenbahn, deren Bau und Betrieb damals eine herausragende Pionierleistung war. 1906 war BBC für die Elektrifizierung des Simplontunnels zuständig, 1913 für den Lötschbergtunnel. 1916 stand BBC vor einer besonderen Herausforderung: Den Gotthardtunnel zu elektrifizieren, denn im ersten Weltkrieg war Kohle knapp geworden. Doch dazu musste erst einmal die elektrische Energie erzeugt werden. BBC war deshalb am Bau der Wasserkraftwerke beteiligt, der Umspannstationen und Stromleitungen. Sogar die Lokomotiven hat BBC gebaut. »Und das wurde innerhalb von sechs Jahren fertig gestellt«, was heute wohl nur noch schwer zu realisieren sei, wie Marcel Rüfenacht, Local Business Unit Manager Medium Voltage Products von ABB, erklärt.

Die Elektrifizierung der Schweizer Bahn schritt weiter schnell voran, das war vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass lange Tunnel die Elektrifizierung zwingend notwendig machen. Denn ab einer gewissen Distanz wäre den Passagieren im Dampfzeitalter in den Tunnels einfach die Luft ausgegangen.  Schon 1928 stand die Schweiz mit einem zu 55 Prozent elektrifizierten Netz mit Abstand an der Weltspitze. 1948 waren bereits 97 Prozent der Bahnnetze elektrifiziert. Zum Vergleich: Im Land der Eisenbahnpioniere, in Vereinigten Königreich, sind heute noch nicht einmal 60 Prozent der Strecken elektrifiziert.  Ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Bahntechnik von BBC war die Übernahem von Sécheron in Genf, das noch heute das Zentrum der Entwicklung für Transformatoren bildet, die neben den Stromrichtern das Herz des Antriebs für Züge bilden. So klangvoll ist der Name Sécheron, dass ABB ihn bis heute als Marke für die Trafos weiter führt. Mit der Übernahme Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) 1967 kam das Unternehmen unter das Dach der BBC, in dem die Gründer Boveri und Brown erfolgreich gearbeitet hatten, bevor sie 1891 BBC gründeten. MFO hatte unter anderem das legendäre Krokodil entwickelt. Der nächste große Meilenstein in der Unternehmensgeschichte von BBC war dann die Fusion mit Asea zu ABB.

Auch weiterhin baute ABB nicht nur die elektrischen Bauelemente, die Subsysteme wie Transformatoren und Stromrichter, sondern ganze Lokomotiven und Züge. 1996 erfolgt ein tiefer Einschnitt, als sich ABB von der Fertigung der Züge trennte und in Adtrans ausgliederte.

Die Strategie bestand nun darin, sich auf die Kernkompetenzen Bahninfrastruktur und Traktionssysteme zu konzentrieren und als unabhängiger Anbieter die Hersteller zu beliefern. Dieser vor 20 Jahren vollzogene Schritt hat sich gelohnt, wie Rüfenacht erklärt: »Wir machen heute mehr Umsatz mit der Bahntechnik als wir mit den Lokomotiven jemals erreicht hatten.« So zählt ABB weltweit zu den größten unabhängigen Lieferanten für Rollmaterialhersteller und erwirtschaftet im Bahngeschäft einen Umsatz von über 1,5 Mrd Dollar jährlich.

Ein wesentlicher Impuls ging dabei von der Zusammenarbeit mit Stadler Rail aus, einem Schweizer Hersteller von Zügen. Seit den 90er Jahren hat Stadler eine beeindruckende Wachstumsgeschichte geschrieben. Dazu hat ABB beigetragen, denn das Unternehmen lieferte Traktionssysteme, die auf die Anforderungen von Stadler zugeschnitten sind. Sie zeichnen sich durch eine hohe Energieeffizienz aus, aber auch durch spezielle Anforderungen wie hohe Beschleunigungen und Verzögerungen. Dies ist wichtig, um die Frequenz der Zugfolge durch Bahnhöfe zu erhöhen und damit das bestehende Bahnnetz gut auslasten zu können, wie Ivo Hutter, Leiter Rollmaterial der Rhätischen Bahn, erklärt. Weil alle Komponenten und die Züge gut auf die Anforderungen der Bahnnetzbetreiber zugeschnitten sein müssen, freut sich Hutter über die enge Zusammenarbeit zwischen RhB, Stadler und ABB.