Auswirkungen der Hanjin-Pleite Punktuelle Probleme, Seefrachtkosten steigen

Seit der Insolvenz der südkoreanischen Reederei Hanjin Anfang September häufen sich teils dramatische Berichte über die Auswirkungen der Pleite. Markt&Technik hat die Folgen in der Elektronikindustrie recherchiert.

Zu den Fakten: Hanjin ist die siebtgrößte Reederei der Welt. Ihr Marktanteil liegt bei 5%. Bis zur Pleite fuhren 80 Schiffe für die Reederei. Gleichzeitig transportieren andere Reedereien Tausende von gecharterter Hanjin-Container. Nach Auskunft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, BME, schnellten nach der Hanjin-Pleite die Frachtraten von Containern am Spotmarkt sprunghaft nach oben. Auf den Hauptrouten nach Asien stiegen sie um 42%, meldet der Brancheninformationsdienst Tradewinds. So verteuerte sich die Strecke Shanghai-Rotterdam um 39%. Vorausgegangen war der Pleite ein jahrelanger Preisverfall. Branchenkenner sprechen davon, dass ein 21 Fuß-Container von fünf Jahren noch rund 4000 Dollar kostete. Inzwischen liegt der Preis zwischen 400 und 700 Dollar.

Seit Jahren versuchen die Reedereien durch eine Zusammenlegung der Frachten ihre Strecken zu optimieren und Überkapazitäten abzubauen. Im Zuge dieser Neuausrichtung sollte Hanjin Teil von „THE Alliance“ werden. »Die Hanjin-Insolvenz hat natürlich auch Auswirkungen auf die Elektroindustrie«, so Johann Weber, CEO der Zollner Elektronik, »Schiffe werden nicht pünktlich zurückkommen, und es wird mit Ausfällen zu rechnen sein«. »Da kann Ihr Logistikkonzept noch so ausgeklügelt sein, gegen die Insolvenz einer Großreederei sind sie machtlos«, stellt er fest. Für die betroffenen Firmen gelte es nun, Schadensbegrenzung zu betreiben, die Kunden lückenlos zu informieren und gegebenenfalls Ersatz zu beschaffen. Auch so könne man Mehrwert für den Kunden bieten. Und so wird in den Logistik-Abteilungen derzeit intensiv nachgeforscht, welche Ware mit welchem Container und welchem Spediteur auf welchem Schiff unterwegs ist. »Wir haben die Lieferanten kontaktiert, von denen bekannt ist, dass sie per Schiff transportieren«, berichtet Hagen Götze, Director Supplier & Product Management, European Produkt Marketing bei Avnet Abacus. „Diese Lieferanten sind nicht von der Hanjin-Insolvenz betroffen, weil sie dieses Frachtunternehmen nicht nutzen oder bereits notwendige Korrekturen vorgenommen haben.«

Wer kann, steuert schnell gegen: »Wir haben nach Bekanntwerden der Hanjin-Pleite auf andere Seefracht-Unternehmen umgestellt, und uns wurde versichert, dass wir aktuell mit keinen nennenswerten Problemen rechnen müssen«, lautet die Auskunft von Daniel Osterburg, Strategic Purchasing Manager Electronic bei ebm-papst. Er weist aber auch darauf hin, dass nach Aussage der Seefrachtspeditionen Kühne+Nagel und DSV die Insolvenz von Hanjin zu einem deutlichen Kapazitätsengpass bei Seefrachttransporten führt. Das werde sich sowohl auf die Transportzeiten als auch auf die Kosten auswirken. Emtron-Geschäftsführer Jörg Traum weist darauf hin, dass man bereits unmittelbar nach Bekanntgabe des Scheiterns der Restrukturierungsmaßnahmen bei Hanjin, Anfang September, die Speditionen angewiesen habe, keine Buchungen mehr über die Hanjin-Reederei vorzunehmen, und zu prüfen, ob derzeit Sendungen der Fortec-Unternehmensgruppe betroffen seien.