Exklusive Branchenumfrage Produktion in China auf dem Weg zur Normalität?

Nach dem faktischen Shut-Down im Gefolge des Chinese-New-Year verbessert sich die Situation in den chinesischen Produktionsstandorten von Woche zu Woche. Dies ergab eine exklusive Umfrage der Markt&Technik unter führenden Elektronikherstellern.

Nachdem der Ausbruch der Coronaepidemie in China mit dem Schwerpunkt Wuhan inzwischen schon fast drei Monate zurückliegt stellt sich die Frage, wie sich die Situation in den Produktionsstätten für elektronische Komponenten und Subsysteme aktuell darstellt. Eine aktuelle Umfrage unter führenden Herstellern bestätigt einmal mehr, dass die Situation in China durchaus unterschiedlich ist. Neben der Größe des Unternehmens und seinem internationalen Rang spielen auch geographische Gegebenheiten sowie sozioökonomische Faktoren, wie die Größe des jeweils zur Verfügung stehenden Einzugsgebiets für Arbeitskräfte, eine Rolle.

»Unsere Produktion wurde nach und nach wieder hochgefahren, und läuft jetzt weitestgehend normal«, berichtet Rüdiger Scheel, Vice President Automotive bei Murata Europe, »erleichternd war dabei sicherlich, dass unsere Werke nicht in der Sperrzone lagen«. »In den meisten TDK-Werken in China ist die Produktion bereits am 10. Februar wieder angelaufen, damals noch in eingeschränktem Umfang«, meldet Dr. Heinz Kahlert, Head of Public Relations bei TDK Electronics, »inzwischen produzieren alle Werke in China wieder, und die Produktionsvolumina haben an fast allen Standorten nahezu Normalniveau erreicht«.

»Für uns ist die Situation in China produktionstechnisch wieder normal und das seit rund zwei Wochen«, versichert Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay, »sämtliche Werke produzieren de facto bei 100 Prozent. Auch unsere Warehouses sind wieder voll operativ, und mir sind derzeit keine wesentlichen logistischen Probleme bekannt«. Karsten Bier, CEO von Recom berichtet davon, dass der Produktions-Output Woche für Woche weiter gesteigert wird: »Aktuell liegen wir bei 50 bis 60 Prozent, in den nächsten Wochen erwarten wir wieder auf 80 bis 100 Prozent zu kommen«.

Etwas anders stellt sich die Situation bei Yageo dar, unter anderem der weltgrößte Hersteller von Widerständen. »Wir haben zwar über das Chines New Year mit student workers gearbeitet, und mit leicht erhöhtem Personal im Februar, der Output im Februar lag aber um etwa 40 Prozent unter dem des Vorjahres«, so Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales bei Yageo Europe. »Für März erwarten wir weitere Rückkehrer aus der Quarantäne und einen erhöhten Output, der aber immer noch unter dem Januarniveau liegen wird«. Erschwert wird die Situation für Yageo vor Ort durch die Tatsache, »dass die meisten unserer Mitarbeiter in Suzhou von außerhalb kommen. Suzhou ist relativ klein und bietet weniger Wohnraum als andere Regionen in China«.

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Markt&Technik-Umfrage zur Elektronikproduktion in China

Die Statements der einzelnen Hersteller zur aktuellen Produktionssituation in China finden Sie in dieser Bildergalerie.

Für TDK-Lambda gab es in China Kapazitätsbeschränkungen für einige Werke, wie Ulrich Schwarz, Sales Director bei TDK-Lambda Germany berichtet, »diese haben sich allmählich gelockert, so dass die Kapazität jetzt über 90 Prozent liegt und sich in den kommenden Wochen wieder normalisieren wird«. Von einer laufenden Produktion und keinem Mangel an Vormaterial berichtet auch Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe Electronic Components, »Unsere Mitarbeiter sind nach einem verlängerten chinesischen Neujahrsurlaub am 10. Februar wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Wir arbeiten mit normaler Werksauslastung«. Er erwähnt aber auch, »dass unsere Fabriken, die Kondensatoren für den europäischen Markt herstellen, sich außerhalb der Provinz Hubei befinden«.

»Bei uns sind nach den Ferien etwa 80 Prozent der Mitarbeiter zur Arbeit erschienen«, berichtet Oliver Sonnemann, Department Head Sales Battery Sales bei Panasonic Industry Europe, »wir konnten jedoch erst nach ein bis zwei Wochen absehen, wie unsere Zulieferer die Materialien zu uns bringen«. Nach seiner Erfahrung läuft der LKW Transport in China bereits wieder recht gut, »einige Probleme gibt es aber bei der Verzollung und Verschiffung«.

Samsung Electro-Mechanics hat nach den Worten von Benjamin Blume, Team Leader Application Engineering Europe, »in unserer MLCC Fabrik in Tianjin durchgehend produziert«. Lediglich die Logistikroute sei leicht betroffen: »Ursprünglich wurde die Ware direkt aus Tianjin geflogen. Jetzt nimmt sie den Umweg per Schiff über Korea, was etwa einen Tag zusätzlich bedeutet«. Wie Thilo Hack, Bereichsleiter Industrie bei Ansmann bestätigt, »läuft auch in der Region Guangdong die Produktion seit Mitte Februar wieder, alle Mitarbeiter waren wieder da, und die Produktion konnte gestartet werden«. Engpässe in der Supplychain hätten sich seither zunehmend entspannt. Quasi durchgehend produziert hat in China Semikron nach den Worten von Peter Sontheimer, Chief Sales Officer des Unternehmens: »Unser Werk befindet sich aber auch in Zhuhai, also weitab von den Risikozonen«.

Nicht ganz so gut waren hingegen in den letzten Wochen die Erfahrungen von Werner Suter, Managing Director der TEFAG Elektronik in der Schweiz: »Unser Hersteller in Shunde hatte noch zwei Wochen nach CNY geschlossen und startete die Produktion dann mit 20 Prozent der Belegschaft unter strikten Vorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen«. Für TEFAG hatte das einen Lieferverzug von sechs Wochen zur Folge, was einem Umsatzverlust von 20 Prozent im Februar entsprach.

Beim chinesischen Stromversorgungs- und Batterieladegerätehersteller HG Power ist die Fabrik, wie Heiko Kirbach, Managing Director der Niederlassung in Deutschland berichtet, »seit zwei Wochen wieder in Betrieb, hierzu war eine behördliche Genehmigung notwendig«. Zunächst sei die Produktion mit reduzierter Mannschaft gestartet, etwa 50 Prozent, inzwischen seien wieder 90 bis 95 Prozent der Mitarbeiter im Unternehmen tätig«.

»Puls hat den Standort Suzhou nach umfangreichen Schutz- und Hygienemaßnahmen einem behördlichen Audit unterzogen und die uneingeschränkte Produktionsfreigabe am 9. Februar bereits wieder erhalten«, berichtet Bernhard Erdl, Gründer und CEO von Puls, »der Betrieb wurde danach sofort in mehreren Stufen hochgefahren und produziert nun seit Februar wieder weitgehend auf normalem Kapazitätsniveau«.