Interview / Keysight Technologies »Power ist für uns ein strategisch wichtiges Kerngeschäft«

Siegfried Gross, Keysight: »Herausforderung und Ziel zugleich ist es, das Unternehmen und die Marke Keysight am Markt zu etablieren und wachsen zu lassen.«
Siegfried Gross, Keysight: »Die Ausrichtung auf Energy und Power hat für Keysight strategische Wichtigkeit. Insofern erweitern wir unser Portfolio kontinuierlich über Standardprodukte hinaus in Richtung High Power. Unsere Produkt-Pipeline ist vielversprechend.«

Neben Messgeräten gewinnen die Bereiche Stromversorgungen und Leistungsanalyse zunehmend an Bedeutung für Keysight. Im Interview mit Markt&Technik spricht Siegfried Gross, Geschäftsführer von Keysight Deutschland und General Manager & VP der Electronic Test Division über Trends und Wachstumspotentiale.

Markt&Technik: Herr Gross, welchen Stellenwert hat das Stromversorgungsgeschäft für einen Messtechnikhersteller wie Keysight?

Siegfried Gross: Keysight ist bereits seit Jahrzehnten in diesem Bereich unterwegs und hat über die Zeit ein umfangreiches Produktportfolio aufgebaut. Was lange Zeit als solides Basisgeschäft lief, hat sich mittlerweile zu einem strategisch wichtigen Kerngeschäft für uns entwickelt. Der Markt ist sehr diversifiziert, aber darauf haben wir uns gut eingestellt.

Bitte beschreiben Sie diese Diversifizierung kurz.

Nun, aktuell sehe ich drei sehr zukunftsträchtige Themen, die die Stromversorgungsbranche nachhaltig beschäftigen werden, die jedoch jeweils völlig unterschiedliche Anforderungen mitbringen: die Elektrifizierung des Autos, die Leistungseffizienz in der Kommunikationstechnik und die Energie-Wertschöpfungskette.

In der Automobilbranche ist eine der Herausforderungen die Batterietechnik. Hier sind auf lange Sicht wesentliche Weiterentwicklungen zu erwarten, die sich maßgeblich auf die gesamte Energie-Messtechnik auswirken werden.

Der zweite Trend betrifft die massive Ausrichtung auf Power-Effizienz und lange Batterielebenszeiten. Vor allem in der Kommunikationstechnik herrscht diesbezüglich ein riesiger Innovationsdruck. Unter anderem durch unsere Kommunikationsmessgeräte sind wir in der Branche bestens bekannt, daher haben sich unsere Power Supplies und Leistungsanalysatoren sowohl in den Forschungs- und Entwicklungslaboren als auch in Fertigungsumgebungen fest etabliert.

Den dritten, überaus langfristigen Trend sehe ich im Bereich der Energiegenerierung, -speicherung und -verteilung, beispielsweise in Anwendungen wie Solarinverter/-konverter und Windenergieanlagen. Hier ist ein ganz anderes Leistungsniveau gefordert, aber darin steckt auch ein gewaltiges Zukunftspotential. Die Handhabung hoher Leistungen von über 150 KV ist überaus anspruchsvoll. Wir sind in diesem Bereich seit zwei bis drei Jahren aktiv und haben bereits erfolgreiche Produkte am Markt. Die Ausrichtung auf Energy und Power hat für Keysight strategische Wichtigkeit. Insofern erweitern wir unser Portfolio kontinuierlich über Standardprodukte hinaus in Richtung High Power. Unsere Produkt-Pipeline ist vielversprechend.

In der Messtechnik geht der Trend vom Standardprodukt hin zur kundenspezifischen Systemlösung. Inwieweit gilt das auch für die Stromversorgungsbranche?

»Solutions«, »Lösungen« - das sind in der Tat die großen Schlagworte der Gegenwart und Zukunft. Sicherlich wird man immer Standardprodukte brauchen, aber die Tendenz geht ganz klar in Richtung Komplettlösungen. Dabei rückt die Software zunehmend ins Zentrum des Geschehens. Letztlich geht es um das Gesamtpaket aus Hardware, Software, Auswerte- und Analysefunktionen und um die Steuerung und Bedienung des Systems. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz einher geht auch ein neues Bewusstsein der Kunden: Sie suchen heutzutage nicht mehr nur einen »Verkäufer«, sondern vielmehr einen »Partner«, der ihnen eine auf ihr Problem zugeschnittene Lösung liefert.