9 Monate Planungshorizont Noch keine harten Ausfälle, aber die Situation bleibt angespannt

Kai Heinemann, Block: "Transformatoren-Elektronik
Seit einem Jahr disponieren wir mit einem Jahr Vorlauf. Wir haben noch Material am Lager, aber das ist endlich. Kommt zum 4. Quartal kein Nachschub, wird es harte Ausfälle geben."
Kai Heinemann, Block: "Transformatoren-Elektronik Seit einem Jahr disponieren wir mit einem Jahr Vorlauf. Wir haben noch Material am Lager, aber das ist endlich. Kommt zum 4. Quartal kein Nachschub, wird es harte Ausfälle geben."

Mit großem internem Aufwand stellen die Stromversorgungshersteller bislang sicher, dass Standardgeräte nach wie vor ab Lager lieferbar sind. Hersteller und Distributoren haben dazu ihre Lagerkapazitäten deutlich erweitert. Eine Entspannung der Situation ist bislang nicht in Sicht.

Von einer teilweise in den Medien angekündigten Abkühlung der Märkte spüren wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nichts«, gibt Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei Block Transformatoren-Elektronik, seine Eindrücke der letzten Monate wieder. Er rechnet darum weiterhin mit einer stabilen Entwicklung: »Ein Wachstum des Maschinenbausektors um 5 Prozent hat uns in den letzten Jahren meist zu einem zweistelligen Wachstum im Bereich Stromversorgungen verholfen.« Eine Entspannung der Lieferkette kann Heinemann noch nicht feststellen, »wir planen darum schon seit dem Sommer bei einigen Komponenten bis ins Jahr 2020«.

»Wir gehen davon aus, dass sich der positive Trend der ersten drei Quartale auch Ende 2018 fortsetzt«, fasst Gustav Erl, General Manager TDK-Lambda Germany, seine aktuelle Markteinschätzung zusammen. »Für 2019 gehen wir im Wesentlichen von einem ähnlich positiven Trend wie 2018 aus.« Erl verweist aber gleichzeitig auf die immer fragiler werdende marktpolitische Weltlage, »ich denke dabei besonders an die Zollstreitigkeiten zwischen den USA und Europa, den USA und China sowie die Währungskrise in der Türkei«.

Erl geht auch auf die Probleme ein, denen sich einer der größten Stromversorgungshersteller der Welt im Beschaffungsbereich gegenüber sieht: »Wir haben Lieferanten, die nicht in der Lage sind, verbindliche Liefertermine zu nennen, wir haben Komponenten auf Allokation, Komponenten mit über 60 Wochen Lieferzeit und Lieferanten, die keine Bestellungen mehr annehmen.« Zwar arbeitet man bei TDK-Lambda inzwischen mit einem Planungshorizont von 18 Monaten, aber gegen die ständigen Preissteigerungen bei MLCCs hilft das auch nicht.

»Die Liefersituation wird sich auf absehbare Zeit nicht beruhigen«, ist sich Karsten Bier, Geschäftsführer von Recom, sicher. »Im Hinblick auf die bereits vollen Auftragsbücher gehen wir für die verbleibenden Monate des Jahres von einer Wachstumsrate von mindestens 20 Prozent aus.« Um dabei angesichts der Liefersituation bei Bauelementen nicht aus dem Tritt zu kommen, »planen wir inzwischen mit einem Horizont von 12 bis 18 Monaten«. Aktuell liegen die Lieferzeiten der eigenen-Produkte bei 8 bis 14 Wochen.

»Harte Lieferausfälle haben wir bisher vermeiden können«, betont Dr. Hans-Peter Lüdeke, Business Development Manager Power Supply bei Murata Elektronik, »aber die derzeitige Situation der Bauelemente-Lieferkette stellt eine große Herausforderung dar, die Ressourcen bindet«. Aktuell liegen die Lieferzeiten für Murata-Stromversorgungslösungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Produktreihe bei über 18 Wochen; »darüber haben wir unsere Kunden informiert, und sie haben ihr Bestellverhalten entsprechend angepasst«. Dr. Lüdeke geht davon aus, »dass sich die Situation der Bauelemente-Lieferkette voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 spürbar verbessern wird; bis dahin beschränkt sie das mögliche Wachstum«.

Harte Lieferausfälle bislang vermeiden konnte nach Aussage von Thomas Widdel, Vice President Business Operation, auch Powerbox/Cosel, »doch sowohl Beschaffung als auch Technik sind permanent gefordert, mögliche Lieferausfälle durch alternative Bauteileauswahl und Recherchen nach verfügbaren Bauteilen zu verhindern. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, wir gehen aber davon aus, dass die aktuelle Lage noch über einen längeren Zeitraum anhält«.

Michael Heinemann, Geschäftsführer der Phoenix Contact Power Supplies, berichtet von einer anhaltend starken Nachfrage in den letzten Monaten. Für 2019 rechnet er mit einer weiterhin guten Marktentwicklung, »die nach unserer Einschätzung jedoch unter der Entwicklung dieses Jahres liegen wird«. Angesichts von Bauteillieferzeiten bis zu 78 Wochen ist bei Phoenix Contact Power Supplies eine nachhaltige Beschaffungsstrategie gefragt, »um die Verfügbarkeit sicher zu stellen«. Anstrengungen, die dazu führen, dass alle Standardgeräte für die Kunden immer noch innerhalb von 24  Stunden ab Lager lieferbar sind. »Im Standard-Stromversorgungsbereich werden die Lieferanten das Rennen machen, die ihre Verfügbarkeit sicherstellen können; wenn das nicht der Fall ist, entscheidet sich der Kunde für einen anderen Hersteller.«

»Wenn wir nicht 10 Prozent unserer R&D-Ressourcen auf die Untersuchung von Alternativbauteilen und ihrer Kompatibilität zu unseren Produkten aufwenden würden und zwei Mal wöchentlich Bestands- und Lösungsstrategiebesprechungen durchführen würden, könnten wir unsere Kunden inzwischen nicht mehr bedienen«, stellt Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile, fest. Püthe hält aber auch fest, »dass die Nachfrage nach individualisierten Stromversorgungslösungen enorm wächst; darauf stellen wir uns ein und erhöhen unsere Kapazitäten im großen Umfang«.