Kommentar: Der Ausstieg von Bosch Nein zur Zelle – einfach nur naiv?

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Das hat eingeschlagen: Bosch wird nach reiflicher Überlegung keine Fabrik für Batteriezellen bauen, also keine eigenen Zellen fertigen.

Denn erstens ist die Sache teuer. 20 Mrd. Euro wären erforderlich, um einen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen. Was schwerer wiegen dürfte, ist das Risiko. Denn auch wer 20 Mrd. Euro investiert, kann nicht sicher sein, dass die Sache wirklich funktioniert. Schwer dürfte aber auch die Erfahrung wiegen: Denn Bosch hatte schon einmal viel Geld verloren, weil das Unternehmen euphorisch auf einen hochsubventionierten Markt in der Solartechnik gesetzt hatte.

Viel Erfahrung: Sie ist auf jeden Fall für die Fertigung von Zellen erforderlich. Allein viel Geld für die Maschinen auszugeben, damit ist es nicht getan. Es wäre also sehr risikoreich gewesen, darauf zu hoffen, den langjährigen Vorsprung der asiatischen Hersteller einfach mal so aufholen zu können. Daimler und Evonik hatten sich jedenfalls schon mal mit einem eigenen Werk die Finger verbrannt. 

Dagegen scheint es bei asiatischen Herstellern zu funktionieren, die in Europa Werke aufgebaut haben, um direkt vor Ort fertigen zu können. Das Argument der langen und gefährlichen Transportwege zieht also auch nicht. Und in umgekehrter Richtung gilt: Wer vor allem an den chinesischen Markt glaubt, der muss hierzulande keine Zellen fertigen.

Zudem machen rund 70 Prozent der Kosten einer Zelle die Rohstoffe aus. Es bleiben also nur 30 Prozent, um durch günstigen Einkauf und Skalierungseffekte auf den Preis Einfluss nehmen zu können. Da dürfte es sinnvoller sein, die Anstrengungen auf die Assemblierung der Zellen zu vollständigen Batteriepaketen fürs Auto und auf die Entwicklung der elektronischen Steuerungen zu konzentrieren. Hier dürfte noch Potenzial für größere Kostenreduzierungen vorhanden sein und hier können sich die Hersteller deutlicher differenzieren als auf der Zellenebene. Bosch sieht sich auf diesem Gebiet in führender Position und auch die Automobilhersteller sind auf dieser Ebene aktiv.

Hier dürfte der Weg von Automobilherstellern wie BMW interessant sein, die ihren Zellenzulieferern die begehrten Rohstoffe über eigene Verträge mit den Rohstoffförderern sichern. So sichern sie sich weiter den Zugang zu den Zellen, aus denen sie dann die Batterien bauen. 

Ist es also naiv zu glauben, man könne Zellen einfach einkaufen? Das hatte der EU-Energiekommissar Maros Sefcovic kürzlich gesagt. Doch ist es nicht viel naiver, immer gleich der größten Euphorie zu folgen? Das hatte Bosch ja am eigenen Leib schmerzlich erfahren.