Europa entwickelt sich zum dynamischen Motor für TDK-Lambda Mit erhöhter Flexibilität und Schnelligkeit punkten

Mit einem Umsatz von rund 720 Mio. Dollar im Jahr 2010 zählt TDK-Lambda zu den Top Sechs des internationalen Stromversorgungsgeschäftes. Aktuell steuert Europa mit 130 Mio. Dollar knapp ein Fünftel des Umsatzes bei. Gustav Erl, General Manager der TDK-Lambda Germany, will diesen Anteil in Zukunft noch deutlich erhöhen. TDK-Lambda soll europäischer agieren und so in der Lage sein, schneller auf Marktentwicklungen und Technologietrends in Europa und den USA zu reagieren.

Markt&Technik: TDK-Lambda feiert im November sein 40-jähriges Europa-Jubiläum. Die letzten zweieinhalb Jahre waren dabei sicherlich die turbulentesten der Firmengeschichte . . .

Gustav Erl: Nach den globalen Einbrüchen des Jahres 2009 bewegt sich der deutsche Markt seit mittlerweile zwei Jahren auf einem extrem hohen Level. In der dynamischen Entwicklung der letzten zwei Jahre ging es vor allem darum, neben der zuverlässigen Versorgung unserer existierenden Kunden durch Flexibilität und neue, innovative Produkte neue Kunden zu akquirieren und so den Kundenstamm zu erweitern. Das ist uns gelungen, und so rechnen wir auch für dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von 8 bis 10 Prozent. Dabei entfallen jeweils rund 35 Prozent des Umsatzes auf konfigurierbare Stromversorgungen, etwa der Vega-Baureihe, und auf Standard-Industriestromversorgungen. Weitere 10 Prozent entfallen auf den Bereich Laborstromversorgungen.

Sie konnten zuletzt auch im etwa 2,5 Mrd. Dollar schweren Industrie-Stromversorgungsmarkt zulegen. Woran liegt das, und worauf ist die wachsende Bedeutung des europäischen Markts für TDK-Lambda zurückzuführen?

Wenn Sie sich den Gesamtmarkt der Stromversorgungen betrachten, der 2010 bei knapp 20 Mrd. Dollar lag, dann spielen wir dort mit einem Marktanteil von 3 Prozent zwar in den Top-Ten mit, bewegen uns aber in einer Gruppe von etwa fünf gleich großen Herstellern. Im Bereich der Industriestromversorgungen, der laut IMS im Vorjahr ein Volumen von rund 2,5 Mrd. Dollar hatte, liegen wir mit 16 Prozent klar vorne. Mit einem Marktanteilszuwachs von 6,1 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009 konnten wir in unserem Kernsegment unsere Marktstellung klar ausbauen. Die wachsende Bedeutung Europas, das heute etwa 20 Prozent zum TDK-Lambda-Umsatz beisteuert, hat zwei Gründe: Zum einen stagniert der Markt in Asien seit 2010, zum anderen gelingt es uns in Europa, unter anderem mit Value-Add-Lösungen deutlich zuzulegen.

TDK-Lambda verfügt über ein sehr breit gefächertes Standardprogramm, das von Laborstromversorgungen über Industrienetzgeräte und DC/DC-Wandler bis zu konfigurierbaren Lösungen reicht. Warum setzen Sie nun verstärkt auf Value-Add-Lösungen?

Ausgehend von unserem Konzept des One-Stop-Shops, können wir heute etwa 50 bis 70 Prozent der Anfragen unserer Top-Kunden befriedigen. Wenn wir aber unser Potenzial im Bereich Sonderlösungen weiter konsequent ausbauen, werden wir 70 bis 90 Prozent der Anfragen unserer Top-Kunden bedienen können. Um es aber noch einmal klar zu sagen: Wir sprechen von Value-Add-Lösungen, die wir auf der Basis unserer breiten Standardpalette anbieten und damit dem Kunden eben eine schnelle, auf seine Bedürfnisse angepasste Lösung zu einem akzeptablen Preis liefern können. Wir sprechen hier nicht von klassischen kundenspezifischen Stromversorgungen, das wird auch in Zukunft nicht unser Ziel sein.

Ob Standardgerät oder Value-Add-Lösung: In den letzten eineinhalb Jahren schnellten die Lieferzeiten deutlich in die Höhe. Hat sich die Situation inzwischen entspannt?

Wir sind heute bei Produkten aus europäischer und israelischer Fertigung wieder bei Lieferzeiten von zehn bis zwölf Wochen. Bei Produkten aus japanischer Produktion sind wir noch nicht ganz so weit, da liegen wir heute noch bei Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen. Dass sich die Situation in Europa wieder entspannt hat, ist auch darauf zurückzuführen, dass auf Seiten der Komponentenlieferanten aufgrund der geringeren Nachfrage in Asien wieder mehr freie Produktionskapazitäten für Europa zur Verfügung stehen. Das Thema Bauteilversorgung hat sich deshalb in den letzten Monaten, abgesehen von einigen speziellen Ausnahmen, wieder weitgehend normalisiert.

Zu den Neuerungen des Jubiläumsjahres 2011 zählt auch der Bau eines neuen Lagers. Rüsten Sie sich damit für zukünftige Wachstumsschübe?

Nein, wir reagieren vielmehr auf Probleme, die sich durch unsere bisherige Lagerstruktur ergeben haben. Wir beliefern in Deutschland neben einigen Großkunden vor allem kleine und mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Medizin- und Messtechnik sowie dem weiten Spektrum der Industrieelektronik. Mittelständische Kunden arbeiten selten mit Forecast. Sie bestellen dann, wenn sie Ware benötigen, um zu produzieren. Für uns bedeutet das: Wir müssen angesichts eines wachsenden Produktportfolios eine immer größere Anzahl an Vorzugstypen am Lager haben.

Von 2007 bis 2010 hat sich das Volumen der Waren, die wir ausliefern, um 26 Prozent erhöht. Das hat dazu geführt, dass wir externe Lagerflächen anmieten mussten. Dadurch erhöht sich natürlich der logistische Aufwand. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, mit einer Investition von 1 Mio. Euro unsere aktuelle Lagerkapazität von 1400 auf 2800 qm zu verdoppeln. Das wird uns ab dem Frühjahr 2012 eine noch effizientere Belieferung unserer Kunden ermöglichen.