Ansmanns gespiegelte Fertigung in China Leistungsfähige Elektronik-Cluster

Im Hinterland von Shenzhen finden Firmen inzwischen ein vollständiges Elektronik-Cluster vor, das Ansmann in Huizhou zur Fertigung von Akkus, Komponenten und Netzgeräten nutzt.

Zusammen mit ansässigen Maschinenbau- und Elektronikunternehmen entwickelt Ansmann seine neuen Schweißroboter und Automatisierungsanlagen.
Mehr als 20.000 NiMH-Zellen pro Woche verlassen nach Angaben von Ansmann das Werk im chinesischen Huizhou per Containerverschiffung nach Deutschland. 4,8 Millionen Blister jährlich. Hinzu kommt eine hoch vierstellige Anzahl von Ladenetzgeräten, rund 130.000 konfektionierte Lithium-Akkupacks und Safety-Boards, vorwiegend für 18650er-Konsumanwendungen. Noch im Aufbau befindet sich derzeit eine Produktion für 21700er-Lösungen. Die jährlichen Wachstumsraten liegen bei bis zu 30 Prozent. Huizhou liegt im agrarischen Hinterland der Boomtown Shenzhen, rund anderthalb Autostunden von Hongkong entfernt.

Ansmann fertigt im Hinterland von Shenzhen jedoch nicht für den chinesischen Binnenmarkt, wie man vielleicht annehmen könnte; nur knapp fünf Prozent der Produktion des Werks bleiben überhaupt in Asien. »Im Prinzip haben wir, zuerst in Shenzhen, dann in Huizhou, seit 1998 ein gespiegeltes Werk unserer Fertigung in Deutschland aufgebaut«, berichtet Thilo Hack, Leiter Industrielösungen bei Ansmann. »Ergänzt wurde diese gespiegelte Fertigung noch um eine Zellfertigung NiMH.«

Ansmann ist bei Weitem nicht das einzige Elektronikunternehmen in Huizhou. Das Nachbarunternehmen, mit dem Ansmann seit vielen Jahren eng kooperiert, fertigt Schaltnetzteile. Der Ladetechnik- und Akkuhersteller Golden Peak berichtet von Plänen, aus dem Hongkonger Umland in den Nachbarort von Huizhou zu ziehen – alternativ sei aus Kostengründen Malaysia in der Diskussion.

Doch die Region im Mainland hinter Hongkong bietet, so das Team von Ansmann, einen großen Vorteil: Ein Großteil der Maschinen, auch hochwertige Komponenten für die Boards und vor allem Verpackungen sowie Blisteranlagen kommen ebenfalls direkt aus der Region. So hat Ansmann nicht zuletzt bereits mehrere seiner neuen, einzigartigen Schweißroboter und Automatisierungsanlagen zur Qualitätssicherung zusammen mit Partnern seines chinesischen Werks entwickelt.

Diese sind – im Sinne des gespiegelten Werks – zunehmend auch im Assamstädter Werk in Deutschland erfolgreich im Einsatz. Die Partner sind keine chinesischen Großkonzerne, sondern inhabergeführte Unternehmen. Hack: »Wir haben es hier im Elektronik- und Maschinenbaubereich mit einer ausgeprägtem mittelständischen Unternehmenskultur zu tun. Darunter sind viele Unternehmen, mit denen Ansmann seit unserem Start in China sehr erfolgreich kooperiert.«

Das Qualitätsbewusstsein sei ebenfalls inzwischen sehr hoch. ISO 9001 gehöre zumindest für alle global tätigen Unternehmen fast schon zum Standard. Auch Umweltaspekte stehen zunehmen im Vordergrund. Thomas Pers, langjähriger stellvertretender Leiter im chinesischen Werk von Ansmann, lässt seine Erfahrungen der letzten Jahre Revue passieren: »Die Regierung ist zunehmend gnadenlos. Wer Regeln bricht, dem kann schon einmal das Werk geschlossen werden.«

Alle Manager, mit denen man spricht, treibt dabei das Gleiche um: Die Stadt Shenzhen explodiert und werde zu teuer. »Die Regierung vertreibt die Firmen regelrecht aus Shenzhen, wenn sie expandieren wollen«, berichtet Pers. Ein Vorgehen, das letztlich sogar nachvollziehbar ist, schließlich finden die Arbeiter keine bezahlbaren Wohnungen mehr in der derzeit mutmaßlich am schnellsten wachsenden Stadt der Welt. Vor etwas mehr als 20 Jahren war Shenzhen dagegen noch ein Fischerhafen in der Nähe von Hongkong.

Inzwischen herrscht in der Boom-Town Shenzhen eklatanter Fachkräftemangel, besonders auch in der Elektronikbranche. Etwas weiter auf dem Land stellt sich die Situation entspannter dar, aber, so Pers: »Man muss sich etwas einfallen lassen und auf seine Mitarbeiter Rücksicht nehmen.« Alle Arbeiter bei Ansmann kommen dort aus der Region und leben in der Nähe. Dennoch könne man die Vorteile des aufgebauten nahen Clusters um Shenzhen weiterhin nutzen. Gute Arbeitsbedingungen und soziale Leistungen, so Pers, sorgten für Bindung des Personals, das insbesondere im Bereich Qualitätsmanagement und -sicherung permanent geschult werde. 40 Stunden und Fünf-Tage-Woche sowie Krankenversicherung unter Mitversicherung der Familie seien inzwischen Standard.

Produziert wird im Ein- oder Zweischichtbetrieb. Das große Thema: »Wer in der Region bleiben möchte, muss genauso automatisieren, wie wir dies in Europa müssten«, betont Victor Chong, Chief Operating Officer bei GP Batteries in Hongkong. Bei Ansmann in Huizhou ist dies in vollem Gange. »Nur die Zellfertigung läuft« laut Pers »noch nach altem Muster ab. Aber wenn es nach unseren Plänen geht, auch nicht mehr lange.«

Wer durch das Ansmann-Werk in Huizhou geht, stößt – neben besagten Zellenschweiß- und Sortiermaschinen – unter anderem auf eine nagelneue SMD-Bestückungsanlage, einen Scanner, der testet, ob die richtigen Blisterkartons mit den richtigen Barcodes verwendet wurden, einen sechs Monate jungen High-Tech-Burn-in-Tester sowie ein Rohde&Schwarz-EMV-Testgerät und – die Welten treffen sich – einen nagelneuen RoHS-Spektralanalysator, der gegebenenfalls vor Blei in der Lötpaste warnt.