Trübe Ausichten Konjunktureller Abschwung erreicht deutsche Stromversorgungsbranche

Sandra Maile, Autronic: Wir sehen keine große Investitionsbereitschaft bei unseren Kunden«
Sandra Maile, Autronic: »Wir sehen keine große Investitionsbereitschaft bei unseren Kunden.«

Angesichts einer sich abkühlenden Weltkonjunktur passt auch die erfolgsverwöhnte deutsche Stromversorgungsbranche ihre Zielvorgaben an. Für 2012 erwartet sie ein einstelliges Umsatzwachstum. Zurückhaltende Kundeninvestitionen, die nach wie vor unsichere Euro-Entwicklung und steigende Komponentenpreise trüben jedoch die Branchenerwartungen für 2013.

Maximale Auswahl und die Erfüllung seiner individuellen Wünsche setzen auch Stromversorgungskunden heute als selbstverständlich voraus. Insofern wäre die Marktlage für Einkäufer derzeit optimal. Es gibt keine Probleme in der Lieferkette, die Vertriebs- und Entwicklungsmannschaften der Stromversorgungshersteller stehen Gewehr bei Fuß. Selbst Produkte, die nicht ab Lager lieferbar sind, würde der Kunde aktuell in vier bis sechs Wochen erhalten. Eigentlich traumhaft, dass Problem ist nur:  Offenbar sind derzeit viele potentielle Kunden nicht bereit, diese für sie eigentlich paradiesischen Zustände zu nutzen.

»Insbesondere bei der Terminierung von Projekten sind die Kunden vorsichtiger und zurückhaltender geworden«, schildert Markus Bicker, Geschäftsführer der Bicker Elektronik die Marktentwicklung der letzten Monate. Oliver Walter, CEO von Camtec, berichtet von sehr kurzfristig kommenden Projekten mit langen Verhandlungsphasen, die dann häufig urplötzlich entschieden werden, »getrieben wird die Entscheidung des Kunden letztlich dann von der Frage, ob er sich das Projekt leisten kann oder will«. Ungewissheit über die zukünftige Marktentwicklung ist auch für Jörg Herre, Geschäftsbereichsleiter Stromversorgungen bei Gebrüder Frei, »einer der Hauptgründe dafür, dass einige Kunden in diesem Jahr eine zähe Investitionsneigung mitbringen«.

Sandra Maile, Geschäftsführerin der Autronic, spricht von langfristigen Rahmenaufträgen, die nicht wie ursprünglich geplant abgerufen werden. Ihr Eindruck darum: »Wir sehen keine große Investitionsbereitschaft bei unseren Kunden«. Welche Rückkopplungseffekte die zurückhaltende Kauf- und Investitionsbereitschaft der Kunden auch haben kann, macht Karsten M. Bier, CEO von Recom Distribution & Logistics deutlich: »Seitens der Kunden wird immer wieder versucht, fast das gesamte Supply-Chain-Risiko auf die Vorlieferanten abzuwälzen. Dies hat zur Folge, dass es immer wieder zu unerwarteten Engpässen kommt, da der Einkauf unserer Kunden und auch die Logistik der Distributoren derzeit auf Sparflamme laufen«. Nicole Hauschild, zuständig für den Vertrieb bei M+R Multitronik, beobachtet, dass im Zuge der konjunkturellen Abschwächung oft nur noch kurzfristig, entsprechend der aktuellen Auftragslage beim Kunden erfolgt, »dies erschwert natürlich die langfristige und kostengünstige Materialbeschaffung«.

Aus Sicht von Hannes Schachenmayr, Sales Manager Eastern Europe bei Vicor, hat die abflauende Marktentwicklung auch damit zu tun, »dass für einige große Aufträge aus dem letzten Jahr keine Folgeaufträge folgen werden, da erst noch der Backlog abgearbeitet werden muss«. Während Dr. Hans-Peter Lüdeke, Field Application Engineer Power Supplies bei Murata Europe, davon ausgeht, dass das zum 1. April begonnene neue Geschäftsjahr weiterhin die hochgesetzten Erwartungen erfüllt, und er dabei vor allem auf die zahlreichen Neuvorstellungen der letzten Monate setzt, gibt sich Hilmar Kraus, President von MTM Power für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres deutlich zurückhaltender: »Nach unserer Einschätzung wird sich die Rezession, die seit dem 2. Quartal 2012 eingesetzt hat, voraussichtlich noch bis zum 3. Quartal 2013 fortsetzen«. Vor diesem Hintergrund geht Kraus nicht davon aus, dass sich an den deutlichen Exportrückgängen für MTM Power in der ersten Hälfte 2013 etwas ändern wird.

Für Gunther Klima, General Manager Industrial Power Supplies bei der Siemens Industry Automation Division, ist in diesem Jahr die erwartete Normalisierung des Marktes, mit Wachstumsraten im einstelligen Prozentbereich eingetreten. »Wir erwarten, dass sich dies bis zum Jahresende fortsetzen wird«, so Klima, »und wir gehen auch für 2013 von einer weiteren Beruhigung des Marktwachstums aus«.

Positiv überrascht von der bisherigen Stabilität der deutschen Wirtschaft zeigt sich Hermann Püthe, Geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile. Nach den seiner Meinung nach schon 2010 und 2011 nicht zu erwartenden Steigerungen, sei sie in diesem Jahr eher zurückhaltend ausgefallen. Dass dies trotz abkühlender Konjunktur geschieht, führt er auf die positiven Auswirkungen des niedrigen Euro-Kurses auf die Investitionsgüterindustrie zurück. Mit einem leichten Wachstum in diesem Jahr rechnet auch Jürgen Hähle, Geschäftsführer der vor allem auf kundenspezifische Medizinstromversorgungen konzentrierten Etasyn.

Fokussiert auf die Automatisierungstechnik für Maschinen und Anlagen, entwickelt sich das Jahr 2012 bislang für die Murrelektronik nach Angaben von Michael Böhmerle, Produktmanager Power Supply, positiv in Form eines hohen einstelligen Wachstums. Er ist auch für 2013 optimistisch und rechnet mit einem leichten Wachstum im nächsten Jahr. Von einem überaus positiven bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2012 kann auch Andreas Mielke, Geschäftsführer der Eplax berichten.  Nach zweistelligen Wachstumsraten 2011 und in diesem Jahr erweitert das Unternehmen gerade seine Produktionskapazitäten und stellt zusätzliches Personal im technischen und im Vertriebsbereich ein.

Aus Kundensicht, dürfte jedoch ein Aspekt die Eingangs geschilderte, kundenfreundliche Marktsituation trüben: Preiserhöhungen. Zwar gibt es unter den Befragten Unternehmen, wie etwa MTM Power oder auch Siemens, die drauf hinweisen, dass sie in den letzten Jahren die Preise nicht erhöht haben, aber der schwache Euro des letzten und dieses Jahres, zeitigt vor allem im Einkaufsbereich der Stromversorgungshersteller Folgen.

So musste auch die Distribution ihre Preise anpassen. Jörg Traum, Geschäftsführer der Emtron, berichtet von einer Preiserhöhung von 3 bis 5 Prozent zur Jahresmitte und warnt gleichzeitig: »Sollten die Rohstoffpreise weiter steigen, werden wir nicht herumkommen, eine weitere Preiserhöhung vorzunehmen«. Bei Schukat gab es nach Darstellung von Produktmanager Uwe Daro aufgrund der Preisentwicklung im Rohstoffbereich bereits eine Preiserhöhung von weniger als 5 Prozent. In diesem Jahr nun machte der gestiegene Dollarkurs eine Preiserhöhung um 5 Prozent notwendig.

Zu den kräftigsten Preistreibern bei den Komponenten für Stromversorgungen zählen in diesem Jahr wohl Wickelgüter mit Aufschlägen von 20 bis 40 Prozent. Aber auch Steckverbinder tragen offenbar mit Preissteigerungen von 3,5 bis 5 Prozent zu den steigenden Gerätekosten bei. Da die Komponentenhersteller angesichts der abkühlenden Weltkonjunktur bereits ihre Kapazitäten angepasst haben, dürften höhere Preise sowohl für die Einkäufer der Stromversorgungshersteller als auch für die Einkäufer ihrer Kunden auch 2013 ein Thema bleiben.