Syko, Birgit Tunk Generationswechsel eingeleitet

Birgit Tunk, Syko 
Wir sehen in diesem Jahr bei einigen Monaten Wachstumsraten von 20 Prozent und sind wirklich froh um die neuen Produktionsflächen, die wir in den letzten zwei Jahren geschaffen haben.
Birgit Tunk, Syko: »Syko war bislang sicher FuE-lastig. Diese Expertise wollen wir auch weiterhin behalten, den Schwerpunkt unserer Investitionen werden wir in Zukunft aber verstärkt auf die Produktivitätssteigerung legen.«

Seit Beginn des Jahres gehört Birgit Tunk, die Tochter des Unternehmensgründers Reinhard Kalfhaus, der Geschäftsleitung der Syko Gesellschaft für Leistungselektronik an. Sie hat die kaufmännische Geschäftsleitung übernommen.

Frau Tunk, 45 Jahre nach der Gründung von Syko wird mit Ihrem Eintritt in die Geschäftsführung der Generationswechsel eingeleitet. Helfen Ihnen dabei auch Ihre Erfahrungen aus dem Automotive-Umfeld?

Birgit Tunk: Mein Vater Reinhard Kalfhaus hat das Unternehmen vor 45 Jahren mit viel Know-how und Einsatz gegründet und es seither von einem Ein-Personen-Einzelunternehmen zu einer Unternehmensgröße von 100 Mitarbeitern entwickelt. Mit der Erweiterung der Geschäftsführung tun wir nun einen großen Schritt in Richtung Übergabe des Unternehmens an die zweite Generation. Den dabei bisher zurückgelegten Weg kann ich nur als sehr harmonisch bezeichnen, und ich habe viel Respekt davor, wie offen mein Vater mit dem Thema Verantwortungsübergabe umgeht. Was meine Erfahrungen aus dem Automotive-Umfeld angeht: Die dort gemachten Erfahrungen mit Konzernprozessen und ein Verständnis für diese Strukturen haben mir schon oft weitergeholfen in Kunden- und Lieferantenkontakten, seit ich bei Syko bin und in den letzten 18 Jahren das Projektmanagement und die Materialwirtschaft geleitet habe. Im Mittelstand sind Aufgaben immer sehr flexibel zu handhaben, wir haben Führungsentscheidungen in den letzten Jahren gemeinsam getroffen; zukünftig obliegt diese Verantwortung mir.

In welcher Form wird sich Syko dadurch in Zukunft eventuell verändern?

Syko ist bislang sicherlich FuE–lastig. Unser Ziel ist es, diese FuE-Expertise auch weiterhin zu behalten. In Zukunft soll dieser Bereich jedoch personell geringer wachsen. Wir wollen in Zukunft durch Investitionen den Schwerpunkt verstärkt auf die Produktivitätssteigerung legen. Die bisherige ausgereifte Diversifikation lässt es zu, sich in Zukunft auch volumenstärkeren Aufträgen zu widmen. Unsere Strategie ist schon sehr lange geprägt durch qualitativ hochwertige Leistungselektronik für kundenspezifische Produkte auf mobilen Märkten. Mit diesem Fokus sind wir gewachsen vom Komponentenlieferanten hin zum Lieferanten mit kundenspezifischen Systemanforderungen. Unser Kompetenzbereich erstreckt sich heute über DC/DC-Wandler, DC/DC-Front-End-Geräte, Front-End-Einspeisung mit DC und AC, Wechselrichter, Drehrichter, Frequenzumrichter, Batterielader und alle diese Geräte mit und ohne Potenzialtrennung. Wir bieten heute Geräte in Leistungsklassen bis 10 kW an. Bei Bedarf sind diese Geräte leistungs-, sicherheits- und/oder funktional kaskadiert einsetzbar.

Gibt es Themen, die Sie kurzfristig umsetzen wollen? Wollen Sie mittelfristig eventuell andere Schwerpunkte setzen?

Wichtig ist mir erst einmal, die bestehenden Kundenkontakte und Kundenprojekte zu pflegen und Syko im bisherigen Handeln zu bestätigten. Die Diversifikation in verschiedene Märkte und Produkte hat uns bisher Vorteile gebracht und an diesen Grundsätzen werde ich auch weiter festhalten. Kurzfristig stehen die Aktualisierung unseres ERP-Systems und die Neubauerweiterung für den FuE-Bereich und die Produktion an. Wir müssen zudem kurzfristig offene Stellen im organisatorischen wie im produktiven Bereich besetzen, um das weitere Wachstum umsetzen zu können. Mittelfristig sehe ich eine Ausweitung des Kompetenz- und Kundenbereichs. Wir haben Verbesserungspotenziale definiert, die wir umsetzen wollen und müssen, um dem allgegenwärtigen Marktdruck folgen zu können. Langfristig haben wir weitere Entwicklungsprojekte definiert, die weitere Märkte erschließen und somit zu Umsatzsteigerung führen.

Syko hat zum Jahresende 2018 die Produktlinie des Bahnbereichs von Kaco new energy übernommen. Um welches Produktportfolio handelt es sich dabei?

Unsere Stärke liegt im Bereich der DC-Eingangsspannungsbereich bis über 5000 V und DC-Ströme bis 800 A. Die Kaco-Produkte sind sehr stark bei der AC-Einspeisung mit Einphasen- und Dreiphasen-Powerfaktor-Front-Ends im Bereich von 230 und bis über 480 V AC, mit DC-Ausgängen, Batterieladung und AC-Ausgängen in ein- und dreiphasiger Ausführung. Während Kaco im Niedrigpreisniveau der Bahnanwendung durch einfache Schaltungstopologien Preisvorteile aufweist, sind unsere Schaltungstopologien auf höhere Wirkungsgrade, weniger Gewicht und höhere Funktionalität ausgelegt. Mit der Übernahme der Produktlinie der Bahnprodukte von Kaco new energy haben wir also unseren Kompetenzbereich und Kundenkreis erweitert. Wir gehen davon aus, dass uns die Übernahme die Chance bietet, um weitere 10 bis 30 Prozent zu wachsen.