Syko, Birgit Tunk Generationswechsel eingeleitet

60 % Umsatz mit Bahntechnik

Hat sich Syko durch diese Übernahme zum größten deutschen Anbieter von Stromversorgungslösungen für die Bahntechnik entwickelt? Der Umsatzanteil der Bahntechnik macht ja inzwischen rund 60 Prozent des Unternehmensumsatzes aus.

Diesen Titel würde ich nicht für uns beanspruchen. Wir haben aber auch nicht über das Bewertungskriterium gesprochen. Wir haben unsere Stärke darin, eine der größten Produktpaletten aus einer Hand anbieten zu können. Unsere Kunden können hierzu jederzeit Modifikationen erhalten und haben über die lange Produktlebensdauer, die bei Zügen über 30 Jahre betragen kann, eine sehr gute Betreuung. Ich möchte hier die Stichwörter Bauteilabkündigungen von Elektronikbauteilen und ein gutes Obsoleszenzmanagement nennen sowie die langfristige Bereitschaft, auch Kleinstückzahlen für Servicefälle zu fertigen.

Für uns ist der Bahnmarkt ein sehr stark wachsender Markt. Dies führen wir jedoch nicht auf die allgemeine Marktkonjunktur zurück, sondern vor allem auf die zur Serienreife gebrachten Produkte, die den Bedarfen unserer Kunden entsprechen und innovationsgetrieben sind. Wir erschließen uns Märkte über die Technologie und Qualität; so konnten wir uns über die letzten Jahre auch als Zulieferer für Luftfahrtprojekte und den Defence-Markt beweisen. Wir haben in diesen Märkten Stückzahlen und Auftragsvolumen von 0,5 bis 2 Millionen Euro pro Auftrag erhalten.

Welchen Umsatz hat Syko 2018 erzielt, und welches Wachstum planen Sie für 2019?

Unser Umsatz liegt derzeit bei etwa 10 Millionen Euro Umsatz. Die Umsatzentwicklung wurde 2018 gebremst, da wir uns auf die Freigabe als Hilfsbetriebelieferant für kaskadierte Summenleistungen bei Batterieladung bis 24 kW, das ist der Bereich redundante Sicherheit, und Drehrichter bis über 30 kW, das ist dann funktionale Sicherheit, konzentriert haben. Dies hat enorme Kapazitäten im Bereich der Entwicklung und Organisation gebunden. Wir arbeiten auf langfristigen Märkten und sind darum der Überzeugung, dass sich diese Investition in die Zukunft gelohnt hat und weiteres Wachstum des bisherigen Geschäftes ermöglicht.

Welches Umsatzpotenzial sehen Sie für Syko aus heutiger Sicht für 2025? Streben Sie für die Zukunft primär organisches Wachstum an oder planen Sie, auch in Zukunft durch strategische Übernahmen zu wachsen?

Ja, es gibt diese Art von Fünfjahresplan, und wir haben die finanziellen Rücklagen, um auf eine Umsatzgröße von 15 Millionen Euro durch Investition zu wachsen. Unser Markt ist so aufgestellt, dass wir durch Bestands- und Neukunden wachsen können. Wir haben jetzt die Erfahrung gemacht, dass eine Übernahme sehr viele Aufwendungen verlangt. Selten können die Umsätze addiert werden. Wenn es passt, sind wir jedoch auch zukünftig nicht abgeneigt, durch strategische Übernahmen zu wachsen.

Im Zuge der Übernahme haben Sie die Produktion der Kaco-Produkte nach Mainhausen verlagert. Haben Sie auch Entwickler oder Mitarbeiter übernommen?

Wir haben zur Anlernung unserer eigenen Mitarbeiter extrem faire Unterstützung durch Kaco-Mitarbeiter erfahren. Die räumliche Entfernung hat die Mitarbeiterübernahme nicht wahrscheinlich gemacht und wir haben darum selbst Produktionspersonal eingestellt. Um weiter expandieren zu können, entsteht derzeit ein Anbau, wir planen erstmals, Zusatzflächen anzumieten. Unsere Entwicklungsmannschaft umfasst derzeit elf Personen, die sich sehr gut in das neue Produktportfolio eingearbeitet haben und das Know-how für unsere Kunden mit der neuen Entwicklungsleitung weiterführen können.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute eigentlich am Standort Mainhausen? Werden Sie weiterhin ausschließlich in Mainhausen produzieren oder steht eine Internationalisierung der Produktion an?

Fest angestellt sind bei uns derzeit über 90 Personen. Mit Heimarbeiter, Auszubildenden und Studenten sind wir heute eine 100-Personen-Firma. Die Frage von Produktionsverlagerung stellt sich, seitdem wir die Produktivität steigern. Diesem Thema müssen wir uns ebenfalls immer mehr in Bezug auf internationale Projektvergaben und der Forderung nach Local Content stellen. Hier bestimmen die kommenden Projekte den Entscheidungsweg. Derzeit bringt der Fertigungsstandort Mainhausen hohe Kosten mit sich, aber auch den Vorteil für die Kunden, alles aus einer Hand zu bekommen.

Für weitere Expansion ist die Zusammenarbeit mit weiteren Fertigungsdienstleistern sehr wohl denkbar. Die elektrischen Geräteprüfungen und das Qualitätswesen wäre jedoch weiterhin ein Kernprozessschritt, der in Mainhausen zu erfolgen hat, zumal unsere Komponenten einen stets höheren Funktionalitätsgrad im Hinblick auf Systemdenken, Industrie 4.0 und Digitalisierung annehmen. Aber hier ist die Entscheidung in Bezug auf einen derzeitigen, extrem hohen Auftragsbestand noch nicht getroffen.