Kommentar Game Changer Energiespeicherung

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Auch im neuen Jahr setzt sich die Talfahrt der Solarmodul-Preise fort. Geschieht nichts außergewöhnliches, dann werden wohl Ende 2012 bei kristallinen Modulen Preise von 50 Euro-Cent pro Watt-Peak erreicht werden. Was das für Dünnschicht bedeutet, dürfte sich jeder ausrechnen können. Gelingt es der Dünnschicht-Fraktion nicht, kurzfristig Produkte mit höheren Wirkungsgraden anzubieten, dürfte das Geschäftsmodell von der kostengünstigen Alternative zu kristallinen Produkten bald ausgereizt sein.

Politisch gesehen bewegt sich damit der deutsche Photovoltaik-Markt im gewollten Zielkorridor. Die Preise fallen, die Investitionen für die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage haben sich in den letzten Jahren spürbar reduziert. Als Konsequenz dieser Entwicklung zeichnet sich immer deutlicher eine Konsolidierung der deutschen Photovoltaik-Branche ab. Auch wenn 2012, wie im Vorjahr, noch einmal 7,5 GW Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert werden sollten, dürften davon wohl kaum noch alle heute am Markt aktiven deutschen Anbieter profitieren.

Um gegen den Wettbewerb, vor allem aus China weiter bestehen zu können, dürfte es letztlich nur zwei Möglichkeiten geben: Entweder lassen sich noch Möglichkeiten finden, deutlich an der Kostenschraube zu drehen, oder man spezialisiert sich auf lukrative Nischen. Das gilt natürlich nicht nur für die deutsche, sondern die gesamte europäische Solarmodul-Branche. Diesen Konsolidierungsprozess kann man beklagen, verhindern lässt er sich nicht. Im besten Fall lässt sich die Veränderung des Marktes moderieren.

Interessant in der jetzigen Situation ist, dass es durchaus immer noch Interessenten für einen Einstieg in diesen Markt gibt. Wenn etwa ein Schwergewicht wie Foxconn über die Akquisition von zwei, drei, mit Cash-Problemen kämpfenden, etablierten Solarmodul-Herstellern in diesen Markt einsteigen würde, hätte das mit Sicherheit nachhaltige Auswirkungen auf die weitere Entwicklung dieses Marktes.

Zum wirklichen Gamechanger in diesem Rattenrennen könnte sich aber die Energiespeicherung entwickeln. BYD hat vor kurzem gemeldet, für die staatliche chinesische Stromnetzagentur SGCC einen Energiespeicher mit einer Kapazität von 36 MWh fertig gestellt zu haben. Die betreffende Installation von SGCC kombiniert das Speichersystem mit einer Wind- und Solarstrom-Kapazität von rund 140 MW und einem intelligenten Stromnetz.

BYD stellt neben Batterien auch Solarpanels her. Bislang mit einer jährlichen Gesamtleistung von 1 GW. Wer in Zukunft ein solches, leistungsfähiges Package aus einer Hand anbieten kann, und damit seinem Kunden eine konstante Versorgung mit Ökostrom garantieren kann, dürfte andere Verkaufsargumente ins Feld führen können, als den nackten Watt-Peak-Preis seiner Solarmodule.

Entsprechende Lösungen erfordern genau den Entwicklungsaufwand und die Produktqualität, für die deutsche und europäische Produkte bekannt sind. Neben vertikal integrierten Firmen, dürften strategische Kooperationen zu interessanten Business-Konzepten in diesem Bereich führen. Bleibt abzuwarten, ob Europa seine Technologieexpertise in diesem Bereich noch gewinnbringend am Markt umsetzen kann. Der erwähnte Energiespeicher in Zhangbei ist nur eines von vielen Projekten im MW-Bereich, das BYD derzeit zusammen mit Chinas Stromnetzagentur entwickelt.