Annaberg-Buchholz und TU Chemnitz Forschungscampus für automatisiertes Zugfahren

Die Stadt Annaberg-Buchholz und die Technische Universität Chemnitz erhalten den Zuschlag um Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für ein einzigartiges Modellprojekt in Europa.
Die Stadt Annaberg-Buchholz und die Technische Universität Chemnitz erhalten den Zuschlag um Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für ein einzigartiges Modellprojekt in Europa.

Annaberg-Buchholz und TU Chemnitz wollen Forschungscampus für automatisiertes Zugfahren aufbauen.

Im Rahmen des »Smart Rail Connectivity Campus« sollen automatisiertes Fahren auf Normalspurgleisen der Bahn im Erzgebirge sowie ökologisches Fahren insbesondere mit hybriden Antrieben weiter zu erforscht und auf die Schiene gebracht werden.

Seit kurzem steuert ein digitales Stellwerk (DSTW) auf dem Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd vollautomatisch den Zugbetrieb der Erzgebirgsbahn. Schon seit 2005 hat dort die elektronische Stellwerktechnik (ESTW) von Siemens den Betrieb übernommen. Deshalb steht jetzt zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg eine geeignete Trasse für Testfahrten zur Verfügung. Zudem sind die Entwicklungsarbeiten am sächsischen Hybrid-Schienenfahrzeugprojekt EcoTrain weit fortgeschritten und mit dem Unteren Bahnhof in Annaberg-Buchholz ist der Standort für die Einrichtung eines Forschungscampus im Erzgebirge vorhanden.

Die erste große Hürde ist bereits genommen. Vor wenigen Tagen bestätigte das BMBF, dass die Projektidee im Programm »WIR!- Wandel durch Innovation in der Region« unter mehr als 100 Vorschlägen in die Liste der besten 32 Vorhaben aufgenommen wurde. Damit kann sie – unterstützt durch erste Fördergelder in Höhe von insgesamt 200.000 Euro – in ein detailliertes Konzept gegossen werden. Bis zum Herbst 2018 muss dieses beim BMBF erneut eingereicht werden. Von den nunmehr 32 Projekten können nur zwölf Sieger mit einem Zuschlag und erheblichen Fördergeldern von je fünf bis acht Millionen Euro allein in den ersten beiden Jahren rechnen.

Die TU Chemnitz und die Fraunhofer-Institute IWU und ENAS, die Stadt Annaberg-Buchholz und die DB RegioNetz Verkehrs GmbH/Infrastruktur GmbH Erzgebirgsbahn tragen das Projekt. Unterstützend wirken die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Stadt Chemnitz und des Erzgebirges sowie viele weitere Partner.

Beim automatisierten Zugbetrieb spielen die Themen Kontrolle, Sicherheit und Überwachung der Trasse eine entscheidende Rolle. Wichtig ist auch, dass Personen, Signale, Umgebung und Bahnhöfe interaktiv erkannt werden. Dazu sind unter anderem leistungsfähige Computer, Sensoren, Kameras und Schnittstellen notwendig. Entlang der Trasse soll deshalb ein leistungsfähiges 5G-Datennetz aufgebaut werden.

Der Prorektor für Transfer und Weiterbildung der Technischen Universität Chemnitz, Prof. Dr. Uwe Götze, sieht ein enormes Potenzial: »Mit den angestrebten Forschungsergebnissen können wir maßgebliche Beiträge zu einem nachhaltigen Schienenverkehr leisten. Zudem wird durch die Etablierung eines Forschungscampus die Vernetzung zwischen den Unternehmen der Region und der Technischen Universität Chemnitz gefördert und die Innovationskraft dieser Unternehmen gestärkt. Die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschungsarbeiten sind angesichts der bestehenden kooperativen Beziehungen zwischen den Partnern und der Vorarbeiten, unter anderem im Projekt EcoTrain, hervorragend.«