Lieferengpass bei Bauelementen Es ist Zeit, den Planungshorizont anzupassen!

Ließen sich Lieferschwierigkeiten bei Bauelementen 2017 noch auf einzelne Produkttypen und Spannungsklassen eingrenzen, rutscht in diesem Jahr inzwischen die gesamte Lieferkette auf breiter Front ab.

So bewegen sich nach Angaben aus der produzierenden Industrie die Lieferzeiten für SMD-Widerstände inzwischen je nach Hersteller zwischen 24 und 40 Wochen. Bei Elkos liegen die Lieferzeiten inzwischen bei gut 21 Wochen. Transistoren verschiedener Baureihen haben inzwischen bis zu 40 Wochen erreicht und bestimmte Relais sind nicht unter 36 Wochen zu bekommen.

Zu den ersten Subsystemherstellern, deren Lieferzeiten sich unter dem Eindruck der angespannten Lieferkette nun ebenfalls verlängern, zählen die Stromversorgungshersteller. Lagen ihre Lieferzeiten in der Vergangenheit meist bei 12 bis 16 Wochen, wenn die Ware aus Asien nach Europa verschifft wurde, wandert dieser Wert nun Richtung 30 Wochen, wie etwa Gustav Erl, General Manager TDK-Lambda Germany, bestätigt: „Wir weisen derzeit alle Kunden mit Rolling Forecast darauf hin, dass sie ihren Planungshorizont mindestens verdoppeln müssen, um eine planmäßige Belieferung im Laufe des nächsten halben Jahres sicherzustellen“.

Wie ernst die Situation ist, machte bereits im November letzten Jahres ein Schreiben des japanischen Stromversorgungsspezialisten Cosel an seine europäischen Distributionspartner klar. Trotz Ausbau der eigenen Fertigungslinien, der Verpflichtung zusätzlicher Subcontractors und der Einstellung neuer Fertigungsmitarbeiter verlängern sich vor dem Hintergrund des weltweit gestiegenen Bedarfs und der Liefersituation bei Bauelementen die Lieferzeiten für Cosel-Geräte. So bewegen sich allein die „Minimum Manufacturing Lead Times“ zwischen sechs und 20 Wochen. Zählt man noch die anschließende Fracht auf dem Seeweg dazu, kann sich das Zeitfenster, vom Produktionsbeginn bis die Ware Europa erreicht, auf 30 Wochen zubewegen.

Zu den kritischen Bauelementen für Stromversorgungs-Hersteller zählen neben Elkos vor allem Leistungshalbleiter. Ein Fakt, der im Übrigen auch für die Hersteller von unterbrechungsfreien Stromversorgungen, Invertern, Schweißgeräten und Solarinvertern gilt. Wie angespannt die Liefersituation offenbar bei Leistungshalbleitern ist, zeigt eine aktuelle Umfrage unter den Stromversorgungsherstellern. So berichtet Jörg Traum, Geschäftsführer von Emtron, einem der wichtigsten Mean-Well-Distributoren in Europa, von Versorgungsproblemen vor allem mit 600-V/20-A-MOSFETs. Mean Well wird von STMicroelectronics beliefert und ist nach Darstellung von ST einer von zwei Herstellern, die in der aktuellen Situation bevorzugt bedient werden. Mit einer Entspannung der Versorgungslage rechnet man bei Mean Well aber offenbar nicht vor dem 3. Quartal 2018.

Auch Michael Heinemann, Geschäftsführer Phoenix Contact Power Supplies, sieht Lieferprobleme bei 600- und 1200-V-MOSFETs. »Inzwischen ist die Beschaffung von MOSFETs vieler namhafter Hersteller wie ST, IXYS oder Vishay, um nur einige zu nennen, schwierig«, berichtet er, »die Lieferzeiten liegen oft bei über 30 Wochen«. Wie Heinemann betont, hat Phoenix Contact Power Supplies sich gegen die Entwicklung bereits im letzten Jahr mit dem Abschluss langfristiger Lieferverträge gewappnet und einen Sicherheitsbestand kritischer Komponenten angelegt. Wie sich vor diesem Hintergrund die nächsten Monate entwickeln, wird sich zeigen.

Ganz ähnlich die Aussage von Bernhard Erdl, CEO und President von Puls: »Die Lieferengpässe betreffen nicht nur 1200-V-MOSFETs, sondern auch andere MOSFETs, insbesondere wenn keine fertigen Wafer als Rohmaterial mehr zur Verfügung stehen.« Da inzwischen offenbar bei fast allen MOSFET-Herstellern kein Vormaterial mehr da ist, steigen die Lieferzeiten auf breiter Front. Puls investiert einiges, um ein hohes Maß an Liefertreue zu halten.